Studie ergibt: Frauen finden Männer mit Maske attraktiver – echt jetzt?

Von Selma Green | Viele verlieren ihre Maske oder sie kommt versehentlich als Taschentuch zum Einsatz. Aus diesen Gründen gibt es eine Mitschülerin in meiner Klasse, die bekannt für ihren scheinbar ewigen Vorrat an Masken ist. Immer, wenn jemand eine Maske braucht, zaubert sie eine neue aus irgendeiner Tasche ihres Rucksacks. Die Maske ist Teil unseres Schulalltags geworden und ich hasse sie. Und jetzt das!

“Männer mit OP-Maske wirken attraktiver” – das Ergebnis einer Studie vom Januar 2022 prangt überall in den Medien. Ob das ein Grund für die Maskenpflicht ist? Möchte jetzt jeder etwa freiwillig eine Maske tragen, weil er sich damit schöner findet? In der Studie, durchgeführt von Wissenschaftlern der Cardiff University, sollten 43 Frauen die Attraktivität von 40 verschiedenen Männergesichtern, auf einer Skala von eins bis zehn, bewerten. Den Frauen wurden die Gesichter ohne Bedeckung, einmal verdeckt von einer OP-Maske, einer Stoffmaske und einem Heft, vorgelegt. Die Studie ergab, dass Frauen Männer mit Op-Maske am attraktivsten und ohne Bedeckung am wenigsten attraktiv finden. Klar, was haben die denn bitte erwartet? Dass die Reaktion der Frauen ist: “Der da, der Typ mit der Klatschzeitung im Gesicht, den nehm ich!”?

Maske = Verantwortungsbewusstsein?

Na toll, am Anfang des Jahres kam in mir ein Fünkchen Hoffnung auf, das Ende der Pandemie und der Maskenpflicht könne nahe sein. Jetzt will diese Studie Männern erzählen, dass sie attraktiver wirken, wenn man sie eigentlich gar nicht sieht? Ist doch klar, wie die reagieren: kein Fitnesstudio mehr, kein Doktortitel und gut gedeckte Kreditkarte um die Frauen rumzukriegen – Maske reicht ja völlig. Das Gesicht wirke durch die Op-Maske symmetrischer, denn die oftmals schiefe Mundpartie wird hinter der Maske versteckt, versucht man, die Ergebnisse zu erklären. Das klingt ja noch einigermaßen plausibel. Ein Spiegel-Artikel hat dagegen direkt los geschwurbelt: Vor der Pandemie schreckten die OP-Masken die Menschen ab, heute stelle die Maske Verantwortungsgefühl und gegenseitige Rücksichtnahme dar: “Wer will schon Kinder zeugen mit einem Maskenverweigerer?”, schwafelt der Autor. Natürlich kann man das alles jetzt politisch verdrehen, aber seien wir mal ehrlich: das einzige, was die Studie beweist, ist doch, dass die meisten Menschen einfach hässlich sind. Und wen überrascht das bitte?

Neuerdings beschäftigen mich jedenfalls nur noch Fragen wie: Sieht der Junge, der mit mir flirtet, ohne Maske gut aus? Ist er überhaupt in meinem Alter oder versteckt sich hinter der Maske ein Schnauzer? Alle Jungs sehen mit den Masken zum Verwechseln ähnlich aus, wie Roboter. Wie kann ich da einschätzen, wen ich attraktiv finde? Nicht, dass jeder am Ende der Pandemie immer noch mit Maske herumrennt, um die Knubbelnase oder den schlecht geputzten Zahn zu verstecken. Der Modetrend nach dem Motto: “Aus den Augen, aus dem Sinn” führt nur dazu, dass sich jeder verstellt. Das ist völlig absurd. Ich gehe doch nicht mit einem Jungen mit, weil er eine OP-Maske trägt und in Wirklichkeit finde ich den eventuell hässlich. Ich bin nicht blöd, ich weiß doch, dass ihn das noch nicht zum zukünftigen Chirurgen macht. 

Meine volle Schönheit kommt jedenfalls ohne Maske erst richtig zur Geltung.

Mich erleichtert es, wenn ich an der frischen Luft Gesichter ohne Maske sehe und ein Stück Normalität abbekomme. Meine Mitschüler verkriechen sich hinter den Masken und die Mimik geht verloren. Ohne die Maske bekomme ich mal die Reaktion meiner Mitschüler auf meine Witze und Meinung mit. Das Grinsen oder die aus Empörung aufgeklappte Kinnlade bringt, vor allem in Pausen, erstmal Stimmung in die Klasse. Ich hoffe, dass die Pandemie bald endet und der Modetrend „OP-Maske“ verdrängt wird. Meine volle Schönheit kommt jedenfalls ohne Maske erst richtig zur Geltung.

 


Zum Nachlesen und Aufregen:

Die nobelpreisverdächtige Studie: https://cognitiveresearchjournal.springeropen.com/articles/10.1186/s41235-021-0 0351-9

Der ominöse Spiegelartikel:
https://www.spiegel.de/ wissenschaft/partnersuche-warum-maskenverweigerer-haessli ch-wirken-a-d1863f07- ced0-4dea-8166-b54d307e68e0

1 Antwort

  1. nurimur sagt:

    Ich finde ja, das Argument mit der Maske gleicht dem, Verschleierung mache eine Frau anziehender.
    Am Besten ist, wir verhüllen uns alle komplett, auch im Bett (Schlitz an der entsprechenden Stelle zur Fortpflanzung, wie im Mittelalter), damit wir uns nicht mehr mit unserer Körperlichkeit belästigen – die könnte ja sonst anstecken, mit Freiheitslust und Lebensfreude zum Beispiel, und wo kämen wir denn da hin…!