Stell dir vor es ist Weltuntergang und keiner kriegt es mit: Was ist mit unseren Sirenen schief?

Von Johanna Beckmann | Wahrscheinlich kann sich jeder an den 10. September 2020 erinnern. Denn da passierte genau: Nichts! Am 10. September 2020 sollten um 11 Uhr sämtliche Warnmittel in Deutschland erprobt werden. Es sollte Sirenen, Warnsignale mit einer Warnapp und Lautsprecherdurchsagen aus Warnfahrzeugen geben. Dieser Warntag wurde geplant, damit die Bevölkerung lernt, wie man in einem Ernstfall handeln muss. Diese Probe für den Ernstfall war die erste seit der Wiedervereinigung Deutschlands. In Zukunft sollte dann vor Großfeuer, Hochwasser, einem Anschlag oder drohenden Unwettern gewarnt werden.

Da die meisten von uns noch nie eine Probe für den Ernstfall in dieser Art erlebt hatten, warteten wir am 10. September gebannt auf das laute Heulen der Sirenen.
An meiner Schule wurde sogar der Unterricht früher beendet, da durch die lauten Sirenen, nicht weiter Unterricht gemacht werden könne, hieß es. Nun wurde es 11 Uhr, die Zeit verging und es passierte nichts. Damit blieb es dabei, niemand von uns hatte jemals ein Warnsignal gehört. Später erfuhren wir, dass die Sirenen in den 90er Jahren abgebaut wurden waren. Vor dem Organisieren eines Warntags war das natürlich unmöglich herauszufinden. Einige der vorhandenen Sirenen schlugen zwar Alarm, gaben dabei dennoch keinen Laut von sich. So kam es, dass der deutschlandweite Warntag an einigen Menschen komplett vorbeiging. Das ist in einem Ernstfall praktisch, denn dann muss sich niemand Gedanken darüber machen, wie man die Hysteriker beruhigt.

Auch auf unseren Handys passierte vorerst nichts, da die Warnung eine halbe Stunde zu spät kam. Der Grund für diese Verspätung waren verschiedene Zentralen, die sich nicht an Absprachen hielten. Laut der Planung sollte eine zentrale Warnung aus Bonn gesendet werden, dennoch wurden 30 Warnmeldung getätigt. So kam es zu einer Überlastung der App „NINA“. Falls ein Katastrophenfall eintreten sollte, darf es also auch wirklich nur eine Katastrophe sein, andernfalls kann es sein, dass die Nachricht auf dem Handy erst aufploppt, wenn man bei einem Hochwasser schon ertrunken ist.

So lernten wir also nicht, wie wir uns in einem Alarmfall verhalten sollten, sondern nur, dass dieser aufgrund von fehlenden Signalen niemals eintreten wird. Auch die Methode des Preppings ist dadurch sinnlos – wenn man von der Katastrophe nicht erfährt, hilft einem ein Bunker und ein Lebensmittelvorrat wenig. So werden wir auch in Zukunft selbst merken müssen, wann ein Großfeuer, Hochwasser, Anschlag oder Unwetter droht. Hier wird die Methode empfohlen, bei der man seinen Finger kurz anfeuchtet und ihn dann weit von sich gestreckt in die Luft hält.

Damit wir von dieser eher unsicheren Methode keinen Gebrauch machen müssen, sollte das Warnsystem verbessert werden. Aber wie sieht es heute wirklich aus? Hat sich das Warnsystem nach dem Fehlschlag vor zwei Jahren verbessert?
Bislang gab es keine großen Veränderungen. Erst jetzt, aufgrund des Russland-Ukraine Konflikts, rückt das Warnsystem wieder in den Vordergrund. Deswegen sollen jetzt dann doch mal 5000 Sirenen deutschlandweit gebaut werden. Diese gehen vom bundesweiten Sirenenförderprogramm aus. Für dieses Programm wurden knapp 90 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Berlin erhält davon 4,5 Millionen. Das reicht nur für 400 Warnanlagen im Stadtzentrum. So müssen sich die Menschen in den Randbezirken weiterhin selbst um eine Warnung kümmern. Also doch wieder zurück zum angefeuchteten Finger in der Luft. Oder wie wär’s mit Rauchzeichen?