Songbird (2020): Ein Maßnahmen-skeptischer Hollywoodfilm?

-Achtung Spoiler-

Von Laura Werz | „Es ist schön zu wissen, dass es noch was da draußen gibt, dass einen töten kann“ – ein zentraler Satz in dem US-amerikanischen Film „Songbird“ aus dem ersten Pandemiejahr 2020. Der Science-Fiction-Thriller ist weniger aufgrund der schauspielerischen Leistungen oder des Unterhaltungswertes interessant, sondern wegen des dargestellten fiktiven Zukunftsszenarios. Bei der Produktion wurden die bis dato erlebten Pandemieerfahrungen bis in „irreale“ Sphären weitergesponnen, welche erschreckende Parallelen zu unseren Wirklichkeitserfahrungen der letzten Monate aufweisen.

Wir befinden uns bereits im vierten Jahr der Corona-Pandemie, an welcher inzwischen über 100 Millionen Menschen gestorben sind. Infizierte werden gegen ihren Willen in sogenannte „Q-Zones“, vergleichbar mit Slams oder Konzentrationslagern, gebracht. Die Handlung spielt in Los Angeles, das einer Geisterstadt gleicht. Niemand darf seine Wohnung oder sein Haus verlassen, da sich das Virus über die Luft überträgt. Nico, der sich als Genesener, sogenannter „Imuni“, frei bewegen darf und als Fahrradkurier arbeitet, lernt während des Dauerlockdowns Sara kennen. Sara, die gemeinsam mit ihrer Großmutter die gemeinsame Wohnung nicht verlassen darf, verbringt ihre Jugend ordnungsgemäß hinter verschlossenen Türen mit täglichen vorgeschriebenen Fiebermessungen. Liebe im Jahre 2024 ist schwer und von absoluter körperlicher Abstinenz geprägt. Als Saras Großmutter in kürzester Zeit an dem Virus stirbt, ist klar, dass Sara vom Hygieneschutz abgeholt und in ein Lager gebracht werden wird.

Die Hygieneabteilung von Los Angeles ist die alleinige Exekutivgewalt, welche totalitär und willkürlich die Lockdownregelungen durchsetzt. Die menschenverachtende Regierungsgewalt wird in dem Leiter der sanitären Einrichtungen Harland personifiziert. Harland, vor Pandemiebeginn noch Müllwagenfahrer bei der Behörde für Hygieneschutz, hat mit der Pandemie einen rasanten Aufstieg erlebt. Parallelen zum derzeitigen hiesigen Chef des Gesundheitsressorts sind erschreckend. Hat sich nicht auch hier ein Hinterbänkler durch Talkshowsitzungen und Selbstinszenierung auf der Coronawelle in die Regierung tragen lassen? Die tatsächliche Gefährlichkeit des Virus bleibt auch im Jahre 2024 im Dunkeln. Es stellt sich heraus, dass Sara immun ist und somit keine rechtliche Grundlage besteht, sie zu deportieren. Harland ordnet dies dennoch an und beweist an dieser Stelle die alleinige Despotie der Exekutive. Notwendige Maßnahmen und tatsächliche gesundheitliche Zustände spielen keine Rolle bei der Machtausübung. Als deutscher Zuschauer wird man fast zwangsläufig wieder an die hiesige Verkürzung des Genesenenstatus erinnert.

Der Film zeigt eine internationale Metropole in ca. zwei Jahren. Eine tote Stadt, Menschen ohne Zukunft, umgeben von Düsternis, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit.