Sommer, Sonne und Bikini im Freibad? – Das war einmal.

Von Pauline Schwarz | Ich bin als Kind für mein Leben gerne baden gegangen – vor mir war kein Swimming Pool, kein Froschteich voll Entengrütze und nicht mal eine große schlammige Pfütze sicher. Das mit den Pfützen war aber eine ziemlich schmutzige Angelegenheit und die Entengrütze wieder aus den langen Haaren zu kriegen für meine Mutter jedes Mal eine ziemliche Herausforderung. Also hieß es bei gutem Wetter: Ab ins Freibad! Und ich hatte Glück – das nächste Bad war grade mal zehn Minuten mit dem Auto entfernt. Grüne Wiesen, drei große blaue Becken: eine richtige Oase mitten in der Hauptstadt – zumindest am Anfang. Umso älter ich wurde, desto mehr entpuppten sich die Berliner Bäder als Albtraum.

Das erste Mal, als ich zu spüren bekam, dass das Freibad mehr und mehr zu einem Spießroutenlauf mutierte, war ich vielleicht sieben-acht Jahre alt und wollte mich mit meiner Freundin grade gemütlich ins Kinderbecken setzen, um ein bisschen herum zu planschen. Bevor wir auch nur einen Fuß ins kühle Nass setzen konnten, baute sich aber ein mindestens zehn Jahre älterer türkischer oder arabischer junger Mann vor uns auf und zischte „nich für euch, verpisst euch“. Etwas verängstigt und verwirrt gingen wir zurück – ein anderer Junge hörte nicht sofort, wollte sich an dem Mann vorbei stehlen und wurde dafür brutal zu Boden gestoßen. Während wir etwas traurig die ausgelassene Männerrunde im Kinderplanschbecken beobachteten, ahnten wir noch nicht, dass uns an der Rutsche ein paar Meter weiter dasselbe passieren sollte.

Ab diesem Tag wurde es ungemütlich. Wir bekamen keinen Platz mehr am Beckenrand, weil unsere Sachen einfach weggenommen und achtlos in irgendeine Ecke geworfen wurden – first come first serve war einmal, jetzt galt das recht des Stärkeren. Auf der ehemals schönen Wieso etwas weiter wollte man seine Tasche aber auch nicht liegen lassen, weil man seine Wertsachen sonst nie wieder zu Gesicht bekam. Das schöne grüne Fleckchen vermüllte zunehmend, im Becken schwammen nicht nur Pflaster und Zopfgummis, sondern immer wieder Fäkalien.

Ich versuchte mit meinen kleinen Freunden damals auf andere Freibäder in der Nähe auszuweichen, aber auch da war die Lage nicht besser, sondern eher noch schlechter. Im berühmt berüchtigten Columbia-Bad in Neukölln durften die Kinder nicht mehr auf den Sprungturm, weil er von jungen ausländischen Männern belagert wurde. Sie machten Hahnenkämpfe, denen wir nur hilflos zusehen konnten – wir und der Bademeister, der seine Ordnungsfunktion aufgrund der Übermacht schon lange aufgegeben hatte.

Die jungen Männer pöbelten und schubsten sich zum Spaß gegenseitig herum. Solange, bis die Lage eskalierte – und das konnte sehr schnell gehen. Sobald man irgendwo die Worte „deine Mutter“ hörte, hieß es: schnell weg, gleich bricht die Hölle los. Und das tat sie. Aus dem Streit zweier Hitzköpfe wurde in Sekunden eine brutale Massenschlägerei, in der nicht selten auch Messer zum Einsatz kamen. Dann mussten tausende Badegäste das Gelände per Flucht verlassen – und so geht das bis heute, jedes einzelne Jahr. Immer wenn ich mit dem Auto den Columbiadamm herunterfahre, warte ich nur darauf die Sirenen zu hören und die panischen Badegäste aus dem Gelände strömen zu sehen.

Als ich in die Pubertät kam, war es mit mir und den Freibädern dann endgültig vorbei. Ich war grade mal elf Jahre alt und wusste selbst noch nicht so richtig, was mit mir und meinem Körper passierte – aber ich spürte die Blicke. Und nicht nur die. An einem Tag bin ich innerhalb von grade mal zehn Minuten erst von einem Mitzwanziger und dann von einem zehn-Jährigen brutal im Schwimmbecken begrapscht worden. Das war nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass ich diese Erfahrung machen musste – aber das letzte Mal, dass ich ein Freibad von innen gesehen habe.

Ab diesem Tag hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass ich als junges Mädchen die Freiheit hatte, in einem Bikini oder zu kurzen Röckchen rumzuspringen, ohne dass ich in bestimmten Gegenden oder an Orten wie dem Freibad Konsequenzen fürchten musste. In Kreuzberg propagierte zwar jeder den freien Körper Kult, die Gleichberechtigung und den Feminismus, die Lebensrealität sah aber zunehmend anders aus.

2 Antworten

  1. Cookie Monster sagt:

    Meine Eindruck ist: die Türken benehmen sich gerne und oft daneben, aber noch schlimmer sind die Araber. Während die wenigen verbliebenen deutschen Jungs ihr Geschlecht in der Badehose suchen, kennen die Jungs aus Nordafrika und dem arabischen Raum keine Hemmungen. Die Kulisse bilden Mamis im Ganzkörper-Badeanzug und das nahöstliches Gejaule aus Bluetooth-Boxen. Als Nicht-Biodeutscher falle ich selbst da nicht weiter auf. Ich denke nur immer: wenn ich blonde Haare hätte, würde ich mir hier vorkommen wie ein Fremdkörper im eigenen Land.

  2. Lore Burkhardt sagt:

    Ja, das ist wirklich sehr traurig – Freibäder könnten schöne Orte sein bzw. waren es früher einmal… Frage mich manchmal, wie es heute in dem Freibad meiner Kindheit, dem Tecklenburger Waldfreibad so aussieht. Wahrscheinlich dauert es noch ein paar Jahre, bis dort auch Berliner Verhältnisse herrschen…