Sollte man Cannabis legalisieren? – das große Apollo Battle

Lesen Sie hier: Das große Debattenduell. Bubatz-Simon vs. Spießer-Pauline. Die Ampel-Regierung plant Cannabis zu legalisieren – aber ist das wirklich eine gute Idee oder doch eher ein fataler Fehler? Für welches Team fiebern Sie mit?

Achtung: Dieser Beitrag könnte vereinzelt Spuren von Humor enthalten. Weder Cannabis-Boys noch Spießer-Tanten wurden bei der Produktion dieser Kolumne ernsthaft verletzt. Dieser Austausch spiegelt in keiner Weise das Arbeitsklima bei Apollo News wieder, sondern dient schlichtweg Unterhaltungs- und Ausbildungszwecken. Seelsorgerische Unterstützung stand den Autoren zu jeder Zeit zur Verfügung.


Ja zur Legalisierung, Nein zur Fremdbestimmung: Cannabis muss erlaubt sein!

Von Simon Ben Schumann | Die rechte Hand auf der Tastatur, in der Linken mein Joint mit gefährlichem „Stoff“ – so stellt sich Pauline mich bestimmt vor. Keine Selbstkontrolle mehr, lethargisch, süchtig, kurz: Am Ende. Während sie durch das idyllisch-unschuldige Berlin radelt und Nachbarn auf Hundescheiße im Treppenhaus hinweist, ist Simon der Asoziale aus dem „Ruhrpott“. Denn nur verblendete Kiffer könnten schließlich eine Legalisierung befürworten.

Was sie nicht ahnt: Auch als Nichtkonsument kann man gegen das Kriminalisieren ganz normaler Leute sein. Cannabiskonsum ist hierzulande weit verbreitet; nach Tabak und Alkohol liegt die Droge auf dem dritten Platz. Ca. 40,00% der jungen Erwachsenen in Deutschland haben schon einmal konsumiert.

Die validen Argumente gegen ein Cannabis-Verbot sind so zahlreich wie die netten Briefe, die Pauline ihren Nachbarn Gerüchten zufolge an die Wohnungstür nagelt. „Sehr geehrte Familie Rammo, wenn Sie mittags um 12 durch den Block rasen, wecken Sie meine Aquariumsfische aus ihrem Power-Nap. Könnten Sie das bitte unterlassen?“ – so oder ähnlich kann ich mir den Tugend-Terror in Kreuzberg vorstellen. Ob sie während des Ramadan Grillpartys im Garten steigen lässt, um ihren muslimischen Nachbarn das Fasten madig zu machen?

 

Eine Analyse der Gegenposition

Wenn Cannabis legalisiert würde, dann könnte es sein, dass sich die Leute noch mehr abschießen. Haben wir nicht durch Alkohol schon genug Probleme? Warum noch eine Droge gesellschaftsfähig machen? Klingt einleuchtend, aber: Schon jetzt ist Cannabis für jeden verfügbar, der es haben will. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass man im „Görli“ an keinen Dealern vorbeikommt. Jeder kennt irgendeinen Ort, an dem er sich (theoretisch) Drogen beschaffen könnte. Außerdem gibt es in Ländern, in denen Cannabis legal ist, keine „Kiffergesellschaft“, in der alle süchtig sind und nicht mehr klarkommen.

Im US-Bundesstaat Colorado wurde „Gras“ 2013 legalisiert – und trotzdem denkt man beim Namen des Staates nicht an heruntergekommene Innenstädte, verlorene Jugend und Junkies. In Portugal ging man sogar noch weiter und entkriminalisierte um die Jahrtausendwende alle Drogen. Besitz von selbst harten Substanzen wie Heroin gilt dort nicht als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit. Von ca. 350 Überdosis-Toten in den 1980er- und 1990er Jahren ist diese Zahl auf 63 im Jahr 2019 gesunken. Statt Junkies in den Knast zu schicken, hilft man ihnen dort lieber. Und wer vernünftig konsumieren kann, darf das auch.

Dazu kommt, dass man bei einer Cannabis-Legalisierung den Verkauf kontrollieren könnte. Kleinpackungen mit Marihuana an der Supermarktkasse klingen erstmal erschreckend, aber wie bei anderen akzeptierten Drogen kann so eine einfache Alterskontrolle kombiniert mit Diebstahlschutz durchgesetzt werden. 15-jährige aus schwierigen Verhältnissen kommen dann nicht mehr so leicht an „Gras“, um sich abzuschießen – und freie, selbstbestimmte Erwachsene werden entkriminalisiert.

Klar, jetzt kann man sagen: Dann schickt man als Minderjähriger eben einen Erwachsenen vor. Aber wer so dringend Cannabis will, würde wahrscheinlich auch zum Dealer gehen. Dann ist es besser, wenn das Cannabis wenigstens nicht gestreckt ist. Das wird leider oft übersehen: Man kann zwar mittlerweile überall Drogen von Dealern kaufen, diese sind aber teils gefährlicher als die ursprünglichen Varianten. Gestreckt mit Weiß-Gott für Zeug kann aus Cannabis schnell richtig gefährliches Gift werden. Auch diese Gefahr ist mit einer Legalisierung gebannt, die Herkunft der Produkte nachverfolgbar. Der Schwarzmarkt wird ausgetrocknet. Durch die Erhebung der Steuer hat der Staat sogar was davon. Ich sehe dafür zwar schwarz, aber ein Teil des Erlöses könnte theoretisch in Suchtaufklärung und –prävention gesteckt werden.

 

Wir müssen lernen, mit der Realität umzugehen

Als wir Kinder waren, wurde uns durch unser Umfeld vermittelt, dass die Welt gefährlich ist und wir aufpassen müssen. Gerade im „Babylon“ Berlin. Und zurecht: Merkte man sich das „Links-rechts-links“ nicht, konnte der Schulweg sehr riskant sein. Okay: Meine Mama meinte mit dem Merksatz den Straßenverkehr, für Pauline ging es um kapuzenverhüllte Gestalten neben ihrer Haustür. Das Prinzip bleibt das gleiche. Verständlicherweise ist sie jetzt in dieser Haltung gefangen. Sollten wir uns die Dinge nicht lieber objektiver anschauen?

Als angehende Psychologin spreche ich Pauline auf keinen Fall ihr Urteilsvermögen ab. Neben den alltäglichen Belästigungen durch Dealer und so weiter, hat sie bestimmt schon oft gesehen, wie auch das vergleichsweise ungefährliche Cannabis Leben zerstört hat. Zwar stirbt fast niemand unmittelbar an der Droge, doch können auch hier Süchte entstehen; die Effekte des Konsums haben Folgen. Leider ändert sich das aber nicht, wenn weiter auf Kriminalisierung gesetzt wird.

Erwachsene, die in ihrer Freizeit selbstbestimmt und in Maßen konsumieren, sollten das dürfen. Für so etwas sind wir ein freies Land. Ihnen das zu verbieten, fördert nur den Schwarzmarkt, riskantes Strecken und die Verfügbarkeit für Jugendliche. Und ein moralischer Impetus ist meiner Ansicht nach mal überhaupt nicht angebracht. Es ist vielleicht unschön, aber Drogen sind ein Bestandteil des Alltags. Alkohol ist mehr als gesellschaftsfähig, er wird überall konsumiert. 2018 waren 1,6 Millionen Menschen deutschlandweit alkoholabhängig. 74.000 Menschen sterben geschätzt jährlich direkt oder indirekt am „Muntermacher aus der Flasche.“ Bei Cannabis ist die Lebensgefahr deutlich geringer.

Auch Paulines heiß geliebter „Soja Latte“ enthält den Wachmacher Koffein, der weltweit und regelmäßig konsumiert wird – das ist auch eine Art Droge. Statt andere dafür zu verurteilen, fände ich einen vernünftigen und differenzierten Umgang mit Drogenkonsum am besten.

Auch in Kreuzberger Gotteshäusern tönt es schließlich immer wieder Sonntags: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Chiasamen.“


Schluss mit Liberalalala – Cannabis sollte verboten bleiben!

Von Pauline Schwarz | Haben Sie schonmal von der „Bubatz“-Fraktion gehört? Ne? Ich bis vor kurzem auch nicht – dabei dachte ich, dass ich durch mein Leben in Berlin-Kreuzberg schon jeden Blödsinn gesehen und jede Wahnsinnsidee gehört habe. Ich meine, ich bin damit aufgewachsen, dass der Typ an der Ecke mit dem Aluhut glaubte, Merkel wäre ein Alien und habe ihm einen Computerchip in sein Hirn gepflanzt, um seine Gedanken zu kontrollieren. Klingt irre? Ist es auch. Im Vergleich mit den Wahnvorstellungen der Bubatz-Fraktion scheint mir die Merkel-Alien-Theorie aber schon fast naheliegend. Jetzt fragen Sie sich sicher, wer diese Bubatz-Leute sind – ich will es Ihnen verraten: Das sind solche wie Simon. Solche, die ein Christian Lindner-Poster über ihrem Bett haben und dreimal am Tag davor niederknien, um ihrem König zu huldigen und ihm dafür zu danken, dass er sich mit den wirklich wichtigen Problemen in unserem Land auseinandersetzt – zum Beispiel mit der Legalisierung von Bubatz – das ist Super-Fancy-Coolen-Sprech für Cannabis.

Wenn es nach Legalize-Lindner und seine rot-grün-gelben Kollegen geht, soll der feuchte Traum jedes verlotterten Kiffers und jedes libertären Hohlkopfs bald also endlich wahr werden – und anscheinend auch der von Simon. Dabei habe ich gedacht, dass ich so komische Leute nur in den Tiefen des Görlitzer Parks und nicht bei Apollo treffen würde. Und ich dachte eigentlich auch, dass der Simon ein ganz schlauer Bursche und so insgesamt recht gesittet ist – immerhin studiert der Jura. Bei seiner Beurteilung der geplanten Gesetzesänderung scheint der Gute aber entweder selbst high gewesen zu sein oder schlicht nicht zu wissen, wovon er da eigentlich redet. Die Cannabis-Legalisierung wird mitnichten zur Bekämpfung des Drogen-Handels und auch nicht zum Schutz der Konsumenten beitragen. Simon, tut mir echt leid dich zu enttäuschen, aber wir leben nicht in Bullerbü. Das Einzige, was passiert, ist die Normalisierung einer Droge voranzutreiben, die alles andere als harmlos ist.

Eines der ersten Argumente, das seit jeher für die Legalisierung von Marihuana aus der Debatierkiste gekramt wird, ist die Bekämpfung des illegalen Drogenumschlags – kurz: der Drogendealer. Auch Simon scheint vor Verwirrung von den ganzen Paragraphen in seinem Juristen-Kopf auf den alten Trick reingefallen zu sein. Er sieht das genauso wie unser neuer Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert (SPD), als einen der ausschlaggebenden Gründe, die für die geplante Legalisierung sprechen: „Unser Ziel ist, die Gesundheit der Konsumenten zu schützen, Kinder und Jugendliche vom Konsum fernzuhalten [und] den Schwarzmarkt trocken zu legen“. Doch, mit Verlaub, ohne dem SPD-Mann zu nahe treten zu wollen oder ihm eine etwas zu große Leidenschaft für seinen Beruf zu unterstellen – an dieser Aussage ist einfach alles falsch. Zu glauben, die Dealer würden ihre Drogenpäckchen wegschmeißen und einen ordentlichen Beruf ergreifen, nur weil der Staat ein paar „Coffee Shops“ aufmacht, ist mehr als nur naiv – schreib dir das mal hinter die Ohren Simon. Ich weiß du kennst die fiesen, dunklen Gestalten mit den Drogen-Tütchen nur aus dem Fernsehen. Deswegen erklär ich dir jetzt mal, wie´s wirklich läuft: Sollten den jungen Männern tatsächlich ein paar Kunden abhandenkommen, werden sie maximal die Preise ein bisschen runter drehen – und da kommen wir zum ersten Knackpunkt.

 

Von wegen Konsumenten-Schutz

Wer wie ich am Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen ist, kennt die mehrheitlich afrikanischen Drogendealer, besser als ihm lieb ist – und weiß, dass die „Jungs“ ungern schlechte Geschäfte machen. Das sieht man an ihren teuren Klamotten, iPhones, Dr. Dre Kopfhörern und an der Tatsache, dass sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, wenn jemand in ihr Revier eindringt – ich habe das unfreiwillig schon einige Male miterlebt. Innerhalb von Sekunden wird aus einem Zischen ein Brüllen, dann greifen sie zu Flaschen, Messern oder im schlimmsten Fall zu Schusswaffen. Die Männer verstehen also wenig Spaß, wenn es an ihre Knete geht. Müssen sie jetzt mit dem Preis runter gehen, ja was werden sie dann wohl machen? Den Shit strecken, bis kein Halm mehr auf der Wiese steht – und ja ich meine hier wortwörtlich Grashalme, die stopfen sie nämlich gerne in ihre Drogentütchen. Allerdings ist das noch das Harmloseste. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als vor etwa zehn Jahren das Gras im großen Stil mit Rattengift gestreckt wurde. Eine nicht unübliche Methode, die unter anderem auch in den USA zu Todesfällen führte, weil die Konsumenten teilweise schwere Blutungen durch fehlende Blut-Gerinnung hatten. 

Jetzt denkt der Simon vielleicht: „Ja genau, das meint ich doch, man muss den Konsumenten schützen!“ – aber so einfach ist das nicht. Sicher wird es Leute geben, die in die staatlichen Shops rennen, um sich ungestreckten Shit zu holen, aber das wird nicht die Masse sein. Das sind Leute, die sich schon vorher bei ihrem Dealer qualitativ hochwertigeres Zeug beschafft haben – nicht die, die an den üblichen Umschlagplätzen verkehren. Ich meine im Ernst Simon: Hast du dir so einen durchschnittlichen Cannabis-Konsumenten mal angesehen? Du kommst doch aus´m Pott, da gibt’s doch auch so komische Gestalten. Die meisten Leute, die heute in den Görlitzer Park gehen, um Drogen zu kaufen, werden dort auch in Zukunft weiter „shoppen“ gehen und sich das richtig miese Zeug reinziehen – ganz einfach, weil es billiger ist und sie sich so mehr kaufen können.

Das betrifft zum einen Leute, die nicht selten schwere Suchterkrankungen und wenig Geld haben, und zum anderen Jugendliche. Der vermeintliche Jugendschutz ist damit das größte Hirngespinst, das die Ampel-Partner in die Welt gesetzt haben. Wenn sie nicht in die staatlichen Shops dürfen, gehen sie in den Park – so wie sie es schon immer gemacht haben. Da kriegen sie alles, was sie wollen, zum kleinen Preis, ohne Nachfragen. Und künftig, wenn die Dealer tatsächlich nicht mehr so viel Weed verticken können, wahrscheinlich noch schneller, mehr und günstiger auch harte Drogen wie Ecstasy, Kokain, Christal Meth, Speed und was das Drogi-Herz sonst noch so begehrt – vielleicht sogar mit Probier-Angeboten, das wäre auch nichts Neues oder Ungewöhnliches. Wenn man darauf einmal eingeht, kommt man nicht mehr so schnell runter. Ich habe so mehr als nur einen meiner alten Freunde an die völlige Verwahrlosung und Beschaffungs-Kriminalität verloren – ich weiß ja nicht, ob Simon der nächste meiner Bekannten sein will, der so endet. Lustig ist das jedenfalls nicht, zwei von ihnen führte das am Ende bis in den Knast.

 

Mit Cannabis in den Abgrund

So eine Abwärtsspirale fängt eigentlich immer mit dem Konsum von Cannabis an – was ist es also für ein Signal, diese Droge als „Genussmittel“ zu legalisieren? Marihuana ist und bleibt eine Einstiegsdroge, das ist keine Floskel – und das ist nicht dasselbe wie mit Alkohol – zumindest, wenn man sich nicht jeden Tag ins Koma säuft -, und schon gar nicht wie bei Zigaretten oder Koffein. Jeder meiner früheren Freunde hat mit dem Joint hinter der Turnhalle oder auf der Parkbank angefangen. Aus einem wurden schnell zwei, drei, vier und mehr. Dann ist man morgens, mittags und abends stoned, wartet nur noch darauf, sich den nächsten Bong-Kopf oder XL-Joint reinzuziehen – auch in der Schule und selbst bei Abitur-Klausuren. Und ehe man sich versieht, kickt das Zeug irgendwann nicht mehr so richtig. Man hat sich so daran gewöhnt, dass es kaum noch für den Rausch und das „gute Gefühl“ reicht. Wenn man Drogen nimmt, macht man das in der Regel aber aus einem bestimmten Grund: Weil man sich wegballern will. Weg von seinen Problemen, weg vom Alltag und weg von schlechten Gefühlen. Reicht das Gras nicht mehr dafür aus, werden härtere Geschütze aufgefahren – bei mir in der Schule war das als erstes Ecstasy, dann Kokain und Pilze. Am Ende nahmen eine paar Freunde von mir sogar schon im Sportunterricht Speed, um schneller laufen zu können. Umso mehr man in der Szene drin ist und so mehr man ausprobiert hat, desto kleiner wird die Hemmschwelle sich an das ganz schwere Zeug zu wagen.

Marihuana ist aber nicht nur als Einstiegsdroge gefährlich, das grüne Zeug selbst wird maßlos unterschätzt. Es schadet seinen Konsumenten gerade bei regelmäßigem Gebrauch psychisch und körperlich massiv. Es kann ihr ganzes Leben zerstören – wie etwa bei einem frühen Freund von mir. Er fing mit fünfzehn an zu kiffen, weil er cool sein wollte. Ab dem Zeitpunkt wurden seine Noten immer schlechter, er bekam Ärger mit den Lehrern, weil ihm alles egal war und er grade, wenn er high war, auf jede Autorität und alle Konsequenzen gepfiffen hat. Kurze Zeit später flog er nach zahllosen Tadeln und Verweisen von der Schule – und von da an, ging es nur noch bergab. Auf unseren Partys trank er jeden unter den Tisch und das, obwohl wir alle ziemlich abgehärtet waren – in Kombination mit Marihuana endete das oft übel. Kurze Zeit später gesellten sich zur „guten alten Mary Jane“ Pilze und Ecstasy. Manchmal trank er zum Spaß eine ganze Flasche Kodein. Etwas später drückte ihm auf einem Festival irgendjemand eine Pulle in die Hand, die der naive Dauer-Stoner – ein eigentlich netter aber völlig verwahrloster Kerl – ohne zu zögern aussoff. Minuten später war er klinisch tot – konnte von Sanitätern aber Gott sei Dank noch wiederbelebt werden. Ich habe immer gesagt: „Der? Der wird niemals älter als dreißig“ – und habe mir damit einiges an Ärger mit unseren Freunden eingehandelt, aber ich habe das nicht böse gemeint. Ich hatte Angst um ihn und habe das wirklich geglaubt. Ob er heute noch lebt? Keine Ahnung. Das letzte was ich von ihm gehört hab, ist das er mit 22 ein Kind bekommen hat – ausversehen.

Simon kennt solche Leute wahrscheinlich nicht – und das ist ja eigentlich auch gut so. Wenn er gesehen hätte, was ich erlebt habe, wäre er aber wahrscheinlich nicht so naiv. Denn dieses Schicksal ist leider kein Einzelfall – die Leute, die dem Gras verfallen und übel geendet sind, kann ich lange nicht mehr an zwei Händen abzählen. Selbst unseren Schulbesten hat´s damals erwischt. Er war ein absoluter Überflieger, ein Ass in Mathe und Sport, nachdem er das Gras für sich entdeckte, machte er aber am Ende ein wesentlich schlechteres Abitur als ich. Danach verfiel auch er den harten Drogen und bekam mit 20 ein Kind, um das er sich nicht kümmern wollte.  

Cannabis ist aber nicht nur als Einstiegsdroge gefährlich – es birgt ernste gesundheitliche Gefahren. Der Konsum kann bei Jugendlichen unter anderem die normale Hirnentwicklung stören. Er erzeugt unter Umständen Gedächtnisschwächen, vermindert die Koordinationsfähigkeit und kann im schlimmsten Fall -etwa bei Veranlagung gepaart mit massivem Konsum- zum Auftreten von Psychosen führen. Und das ist dann gar nicht mehr lustig, denn dann ist das normale Leben für immer vorbei. Psychosen wie Schizophrenie sind chronische, nicht heilbare Krankheiten, die zu völligem Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Paranoia und damit verbundenen Fehlhandlungen, wie etwa Gewaltausbrüchen, führen können.

 

Das Legalize it-Märchen

Für mich ist die Legalisierung von Marihuana aus all diesen Gründen ein fataler Fehler. Sie hilft weder Konsumenten, noch schützt sie Jugendliche oder vergrault irgendwelche Drogendealer. Sie führt nur zu einer Normalisierung des Drogenkonsums und dazu, dass das stinkende Zeug noch ungenierter in der Öffentlichkeit konsumiert werden kann – am Ende wahrscheinlich in jedem Café, jeder Bar und auf dem Kinderspielplatz. Und da frag ich dich nochmal Simon, willst du das wirklich? Und ich frag dich noch was: Du bist doch Jurist – glaubst du nicht, dass es Leute gibt, die etwas nur deswegen nicht tun, weil es verboten ist? Ich bin davon überzeugt, dass zumindest ein paar wenige Leute gibt, die nur deshalb kein Cannabis konsumieren, weil es verboten ist. Es gibt sie noch, die Leute, die Angst vor der Polizei und strafrechtlichen Konsequenzen haben – sicher sind´s nicht viele, aber ich kannte ein Paar. Und schon deshalb, selbst wenn es nur Einzelne betreffen sollte, finde ich, dass das Zeug verboten bleiben sollte.

Die Milliarden an Steuereinnahmen, die man sich durch den Verkauf verspricht, sind für mich weder den zunehmenden gesellschaftlichen und sozialen Verfall noch die Verwahrlosung eines einzelnen Menschen wert. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem es normal ist, dass auf der Straße offen Drogen konsumiert werden – sei es Heroin oder Marihuana. Oder siehst du das anders Simon? Dann bin ich in diesem Punkt vielleicht weniger freiheitlich als du, aber ich steh dazu. Ich mag es, wenn die Leute wie normale Menschen aussehen und sich auch so benehmen können.

Wenn man den Schwarzmarkt wirklich „austrocknen“ und Jugendliche schützen will, geht das nur durch eine strikte Strafverfolgung und Null-Toleranz – ich finde dafür könntest du dich mal einsetzen. Wie wär´s wenn du mit dem Liberalala-Mist aufhörst und der nächste „Richter Gnadenlos“ wirst? Ich wäre dein größter Fan.

7 Antworten

  1. Hermann sagt:

    Erstmal denk ich mir: ja, dann legalisieren wir en scheiß halt, konsumiert wird so oder so, Vater Staat zahlt so oder so. Was ich ich als Arbeitgeber dann aber Frage: muss ich dann toleriere, das sich mein Angestellter in seiner Mittagspause einen Schuss setzt? Weil legal ist das ja dann. Ergo auch kein Kündigungsgrund. Heroin ist dann wie Tabak. Oder der Arzt zieht dann vor der OP mal an seinem Joint zur Beruhigung, kriegt dann aber leider Halluzinationen beim operieren, ups Affe tot. Klage? Hmm war ja legal.

  2. Cookie Monster sagt:

    Wer Cannabis legalisiert, der wird am Ende mit denselben Argumenten auch Heroin freigeben. Dann kann mündige Bürger sich legal und selbstbestimmt seinen Druck setzen und in der Folge selbstbestimmt sein Leben auf den Müll werfen. Und der Staat verdient durch Steuereinnahmen Milliarden an diesem Elend.

    Nur wenn der Drogenkonsument weiß, dass er ein gesellschaftliches Tabu bricht, nur wenn es Polizisten gibt, die bekiffte Jugendliche im Park aufgreifen, nur dann werden einige wenige die Kraft finden, das Zeug ein für alle Mal das Klo runterzuspülen. Ohne dieses Tabu würden bei vielen, die eh schon gefährdet sind, alle Hemmungen fallen.

    Liberalismus in allen Ehren – aber es gibt Verbote, die retten Leben.

  3. Christian sagt:

    Liberal vs Konservativ, wenn man Frau Schwarz so nennen will. Die Dealer, die sie im Görli beschreibt sind doch noch echte Kleinunternehmer. Sie werden sich dem Markt wohl anpassen. Bei einer Legalisierung bleibt wohl zu befürchten, dass man dann Kinderleichen im Park findet. Keine schöne Vorstellung. Allerdings muss man auch sagen, wer Erwachsen ist und sich das Zeug reinknallen will, den wird man wohl nicht daran hindern können. Für die gesundheitlichen Folgen zahlt die Kasse, sprich der Normalbürger, so oder so…

  4. Emma Siegert sagt:

    Bin auch ein Gegner der Legalisierung, allerdings ist ein Berlin ein Sumpf mit eigener Ordnung, auf ganz Deutschland lässt sich das nicht übertragen. Von daher: Simon, für mich eindeutiger Sieger des Battles!

  5. Sofie sagt:

    Auch in Kreuzberger Gotteshäusern tönt es schließlich immer wieder Sonntags: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Chiasamen.“ – so siehts aus! Hut ab!

    Bin aber trotzdem kein Teil der Legalizer – also Team Spießer!

  6. Kara Brandt sagt:

    Ich hab herzlich gelacht! Vielen Dank ihr beiden, habt euch gut geschlagen und gut argumentiert. Am Ende muss ich sagen, auch wenn Berlin ein Biotop ist, Cannabis zu legalisieren, davon bin ich kein Fan.
    Ich freu nich schon auf das nächste Battle!

    • Helene Baden sagt:

      Ich bin auch gegen „Legalize it“, die Forderung gabs ja schon in meiner Jugend, da fand ich die, dumm wie ich war, gut. Aber ich habe manche abstürzen sehen in schlimmere Drogen, allesamt eingestiegen mit Marihuana. Auch die fromme Hoffnung, die Dealer geben dann Ihren Job auf und gehen dann putzen oder Ähnliches , ist doch sehr an der Wirklichkeit vorbei. Und das legal verkaufte Zeug hat vermutlich auch nicht den gewünschten Wumms, den gibts dann im Park und da werden dann auch gern die Kleinen betreut..