Schlager-Hit „Layla“: Gröle ich noch oder sexualisiere ich schon?

Von Jonas Aston | Vor gut einem Monat habe ich mit ein paar Freunden übers Wochenende einen Campingausflug gemacht. Schnell bauten wir unsere Zelte auf und der feuchtfröhliche Abend konnte los gehen. Einige Bier später meinte mein Kumpel er sei auf ein neues Lied namens „Layla“ gestoßen. 5 Minuten später war es dann soweit und wir grölten: „Ich hab n´ Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler“ über den Zeltplatz. Gedacht haben wir uns dabei wenig und ahnten nicht, dass wir eine Sexismus-Debatte auslösen sollten, die das gesamte Land in Schockstarre versetzt.

Nach Welt-Information sind wir gar russischer Propaganda auf den Leim gegangen. Das „Nervengift in Notenform“ soll höchstpersönlich von Putin komponiert worden sein, um Deutschland zu destabilisieren. Okay, das meinte die Welt wohl satirisch. Keine Satire ist allerdings folgender Beitrag der Ostsee-Zeitung. Von dieser hatte ich vorher noch nie gehört, was aber ganz offensichtlich auch nicht weiter schlimm ist. Diese erklärt: `Layla` bestärkt die Vorurteile derjenigen, die Schlager ohnehin ablehnen. Meist sind das jüngere und gebildetere Gruppen, die die einfachen und damit eingängigen Melodien und Texte mit primitiven Hörerinnen und Hörern assoziieren. Schlager sehen sie als billige Musik für die stumpfe Masse. Ihre Vorurteile über Schlagerfans mischen sich daher oft mit solchen über Alte, Arme oder Ostdeutsche, für die einfache Lieder gerade recht seien. Ich und meine Freunde stehen plötzlich vor der Frage: Grölen wir noch oder sexualisieren wir schon?

Die Debatte um „Layla“ steht spiegelbildlich für eine Durchpolitisierung des Alltags. Wer heute Schlager singt muss sich mit Sexismusvorwürfen auseinandersetzen. Wer morgen über die Straße geht, wenn das Ampelmännchen grün zeigt, manifestiert womöglich schon das Patriarchat. Die Debatte ist heuchlerisch und von Doppelmoral durchsetzt. Im Deutschrap hat mit frauenfeindlichen Texten niemand ein Problem. Als die Rapper Farid Bang und Kollegah in einem Track „mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ sangen, wurden sie sogar noch mit einem Echo für das Album des Jahres ausgezeichnet.

Alles „Whataboutism“, wenn es nach der Ostsee-Zeitung geht. Deutschrap mag sexistisch sein, der Schlager müsse sich aber dennoch seiner Verantwortung stellen. Deswegen kommt die Ostsee-Zeitung nicht nur mit Hetzte gegen Alte, Arme und Ostdeutsche daher, sondern hat für den Schlager auch noch ein paar Verbesserungsvorschläge parat. Statt nachkriegsdeutsche Urlaubssehnsüchte nach italienischen Inseln zu besingen, könnte er in Zeiten von Pandemie, Krieg in der Ukraine und Klimakrise die Sehnsucht nach einer friedlichen und gesunden Welt zum Thema machen

Ich bewerbe mich hiermit schon mal als der neue Ikke Hüftgold. Im Sommer 2023 grölen wir alle zusammen: „Joana, du nette Frau. Geboren, um Spritzen zu geben. Inzidenzen erhebenOhne Viren an dem Morgen danach.

1 Antwort

  1. Maya B. sagt:

    Wo kann man denn das neue Album von Hütfgold streamen?