Schlachthöfe in Tönnies-Größe – war früher alles besser?

3 Antworten

  1. Joachim Bühler sagt:

    Der Leserbriefschreiber Werner schreibt oben: “ ein Artikel wie aus aus der EU-Zentrale“. Ich finde, er hat recht. Die Meinung des Autors ist auch – im Widerspruch zum erklärten Motto der Seite – keineswegs liberal. Liberal wäre eine Politik, die Gesetze und Vorschriften so gestaltet, dass sowohl Großbetriebe als auch handwerkliche Betriebe wirtschaftlich betrieben werden können und bauliche und sonstige Vorschriften für Großschlachtereien nicht unsinnigerweise auch eins zu eins auf Kleinbetriebe angewandt werden. Die EU-Vorschriften sind aber so gestaltet, dass tendenziell eine Lenkungswirkung zur Förderung von Großbetrieben im Vordergrund steht. Richtig ist, dass zur Befriedigung der Nachfrage industrielle Schlachthöfe und Fleischverarbeitungsbetriebe nicht wegzudenken sind, insbesondere um die Billigfleischregale der Discounter zu füllen. Die vor allem wirtschaftlichen Vorteile der Großbetriebe wurden im Artikel erwähnt. Nicht aber die Nachteile gegenüber regionaler handwerklicher Betriebe. Da wären zum einen die langen Transportwege und der damit verbundene Stress für die Tiere (Adrenalinausschüttung), die zu einer verminderten Fleischqualität führen. Dazu kommt die Massenbetäubung per CO2, die von einem Teil der Schweine regelmäßig als qualvolles Ersticken erlebt wird. Die Einzelbetäubung per Elektrozange beim Dorfmetzger macht mehr Arbeit, ist aber – richtig angewandt – die bessere Methode. Hier noch mein (nicht immer konsequent verfolgtes) Motto bezüglich Fleischverzehr: Ich genieße Fleisch nur dann richtig, wenn mir beim bewussten Betrachten des Tieres von der Aufzucht, Schlachtung bis zur Verarbeitung nicht der Appetit vergeht. Letzteres klappt bei Tönnies und seinen Fleischlieferanten nicht wirklich. Hier noch ein Artikel zum Thema:
    https://www.tagblatt.de/Nachrichten/EU-Verordnung-macht-Metzgern-die-Arbeit-schwer-71155.html

  2. Werner sagt:

    Mangelnde Kontrolle bei kleinen Bauern kann ich nicht bestätigen. Mit dem Bauer von der „Frischmilchzapfe“, zu 1 EUR/l am Automat, hab ich erst letzte Woche gesprochen. Dieses Jahr bereits 14 Kontrollen – 2 mal im Monat, und dabei ging es um Nichtigkeiten, wie Staubfussel neben einem Lüftungsgitter für die Kühlanlage der Frischmilch. Seine Meinung: nur Gängelei der Kleinen – Tönnies ist das egal – der macht in Polen oder Sonstwo mit noch geringeren Löhnen ein neues Werk auf – unser Familienbetrieb kann nicht weg, auch wegen der Kredite und vielviel Arbeit – muss jetzt weg zum Graseinfahren – durch 2 Jahre Trockenheit alle Reserven aufgebraucht – es regnet bald – Beeilung“. Die Wege zu den Schlachthöfen werden immer länger & teurer, weil die Aufgaben/ Beriebsschließungen zunehmen. Die Bauern/Schlachtereien können und wollen sich immer teurere Anlagen & Ausrüstung, durch immer höhere Auflagen und Vorschriften durch die EU, einfach nicht mehr leisten. Weil es sich immer weniger „rechnet“, und 20 Jahre und länger niemand mehr das Risiko für einen Kredit zum Abzahlen möchte/ kann. Außerdem durch politisches „Hickhack“ schwer… nicht mehr planbar. Im anderen Artikel des Autors ist die Rede von „Abschreibungen“, die das Ganze bezahlbar machen sollen. Abschreibungen kann man nur gegen die Steuer „ansetzen“, wenn man wenigstens einen kleinen „Deckungsbeitrag“ aus Verkauf minus Einkauf hat, oder einen Gewinn (Deckungsbeitrag abzüglich aller Nebenkosten, Abgaben… Beiträge) – zur Minimierung der Steuer für nötige Auszahlungen und Rücklagen für weitere Investitionen usw.. Ohne „passenden Deckungsbeitrag“ oder Gewinn kann man „Abschreibungen“ „erhalten“ und machen, wie man will – die Schulden für Fremdkapital bei Privat oder Bank-Kredite, für die Investition in Technik und Anlagen, verringert es nicht im Geringsten, wenn dazu kein bzw. zu wenig Ertrag/Gewinn vorhanden ist. Die Pleite steht dann schon so gut wie fest – das ist wiederum gut planbar. Und die Geldgeber/Banken wollen irgendwann ihr Geld zurück – oder/und die „Sicherheit“ für „Grund und Boden“ in einer möglichen Insolvenz einklagen – mit exponentieller Wertsteigerung für Banken und Investoren – natürlich erst nach der Insolvenz. In jeder mittleren Stadt mit Anfahrt/Wegen bis 20 km, gibt es eine Straße, die auf einen Schlachthof, Brauerei, Mühle… Schmied…. hinweist, der früher mal da gewesen sein muss. Oft steht nur die Ruine, „Club“ oder Museum. Nicht übelnehmen: Der Artikel liest sich wie direkt aus der EU-Zentrale, Ministerium oder Verband. Was für meinen Erkenntnisgewinn meist hillft: am Besten mit den Leuten reden, und sich ihre Meinung /Probleme / Nöte selbst anhören. Nicht wundern, dass die ganz nett und freundlich, aber bei diesem Thema „ziemlich sauer“ sind…. also eher „richtig auf Krawall“. Aber eins stimmt genau: 5 große Bauern/ Schlachtbetriebe lassen sich viel einfacher von EU = Konzern-Wirtschaft = Banken = Politik = Medien kontrollieren und steuern, als paar Hunderttausend…. Das steht als vermutliches Ziel der Genannten, solange das Gegenteil nicht nachgewiesen ist. Man muss bei Entscheidungen immer an alle denkbar möglichen Folgen denken. Gegen die weitere Zentralisierung/Globalisierung spricht, auch ohne „Corona“, Medikamenten- und Maskenmangel aus Indien/ China, insbesondere ein möglicher Stromausfall. Selbst 1986 erlebt – auch ganz ohne Handy & Smarthone ist damals schon ein mittleres Chaos ausgebrochen. Ganz banal: ohne Strom keine Pumpen für Benzin/Diesel an der Tankstelle = „enttäuschte Gesichter“ – heute keine Lieferungen aus Großschlachtereien, Großbäckereien… Lebensmittelindustrie an die Verkaufseinrichtungen… kein Kassen- und Lagersystem…. beschränkt TV/Radio… keine Operation im Krankenhaus (Notstrom hält ohne Sprit nur paar Stunden!), kein Whatsapp (das ist dann der SuperOberUltraGau, wo alle vermutlich mit schwersten Depressionen durchdrehen…) – nix geht mehr. Aber damals hatten paar Flaschen Schnaps und ne Kiste Haushalts-Kerzen gegen die Kälte (Heizungspumpen und Regelung AUS), in BAR auf handgeschriebenem Bon-Block, zumindest die Stimmung vorläufig wesentlich aufgehellt. Die hab ich heute noch als Andenken und Reserve – also nur die Kerzen – der Schnaps war ganz schnell alle….

  3. Demmel sagt:

    Leichtfertige und oberflächliche PR zugnsten der industrialisierten Nahrungsverarbeitung und gegen die Handwerksbetriebe.
    Warum nicht gleich Küche und Herd still legen und alles fertig produziert anliefern lassen.
    Auch in Fertiggerichten lauern beispielsweise Salmonellen und verbreiten sich im Störungsfall umso schneller und breiter.
    Der nächste Schritt auf dieser Straße des zivilisatorischen Forstschrittes ist das Menu aus der Tube , vorpüriert und gleich zum Schlucken und mit dem Vorteil, daß Coque au vin aus der Tube beispielsweise im ganzen Land gleich schmeckt.