Schattenwirtschaft im Aufschwung

Von  Daniel Hammer | Tagtäglich hören wir in den Medien vom verzweifelten Kampf der Politik und EZB gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Kaum etwas scheint noch undenkbar, bei dem verzweifelten Versuch der Reanimation der Wirtschaft. Viele Milliarden sind hier offenbar von Nöten um das Schlimmste zu verhindern. Sogar eine Senkung der Mehrwertsteuer wurde durchgesetzt. Dabei ist man andernorts schon viel weiter. Daher möchte ich hier einmal die Gelegenheit nutzen um ein Wirtschaftsphänomen ins Blickfeld zu rücken, das ganz ohne Hilfe von oben floriert: Die ,,Schwarzarbeit“.

Wo die Wirtschaft brummt

Offenbar führt Corona dazu, dass nun vielerorts langwierig aufgeschobene Projekte in die Tat umgesetzt werden. Besonders scheinen hiervon bisher Heimwerker-Projekte aller Art betroffen zu sein. Corona sehen offenbar viele als eine Möglichkeit, sich wenigstens in den eigenen vier Wänden selbst zu verwirklichen. Also werden nun fleißig lang gehegte Wohnträume realisiert.

Vom einfachen Neuanstrich, bis hin zur neuen Innenwand ist alles möglich. Wer besonders viel vorhat, kümmert sich sogar um bisher ungenutzten oder verfallenen Wohnraum und nimmt somit vielleicht sogar etwas Druck vom Wohnungsmarkt. Wobei bei solchen eher komplexen Maßnahmen viele schnell mit dem eigenen Können überfragt sind. Daher werden kurzerhand „außergewerblich“ tätige Helfer engagiert, um ein Gelingen sicherzustellen. Dies wäre ohne Corona wahrscheinlich alles nicht möglich, weder zeitlich noch finanziell.

“Außergewerbliche“ Nebentätigkeiten schnell lukrativ 

So werden Hausbau, Ausbau und Sanierung im Privaten mehr und mehr zu einer Mischung aus Eigenleistung und privat tätigen Helfern und Arbeitern. Und gerade in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten kann so eine Nebentätigkeit für viele ein willkommenes Zubrot sein. Sei es nur um Einkommensminderungen abzufangen oder auch um den teils sowieso bescheidenen Lohn aufzubessern. Das gilt insbesondere, wenn man bedenkt, dass hier oft ein höherer Stundenlohn als regulär erreicht wird. In Zahlen muss man sich das folgendermaßen vorstellen: Kostet eine Stunde eines Handwerkers Netto etwa 45 Euro, entfällt davon lediglich 1/3 auf den Lohn des Arbeiters. Die anderen 2/3 auf die Lohnnebenkosten und die internen Posten des Betriebs. Also bleiben noch etwa 15 Euro für den Arbeiter und das auch noch vor Steuern und Abgaben!

Netto verbleibt vom einst stattlichen Stundensatz also erstaunlich wenig. So ist eine Nebentätigkeit schnell verhältnismäßig lukrativ. Auch für den Auftraggeber wird so plötzlich einiges möglich. Wenn dieser für die Bruttostunde vorher 4 oder 5 Stunden arbeiten musste um sich eine Dienstleistung von einer Stunde zu finanzieren, ist das jetzt womöglich schon mit eineinhalb oder sogar nur einer Stunde getan. Das deckt sich mit der Feststellung, dass etwa 50% dieser Arbeiten offiziell ausgeführt schlicht nicht stattfinden würden. Sozusagen ist das dann eine „Win-Win Situation“ für Kunden und Beschäftigte. Die „Coronawirtschaft“ macht also einiges möglich. Wenn auch mit einem seltsamen Beigeschmack.


Vor Zoll, Kontrollen und Strafen scheint sich im Allgemeinen kaum jemand zu fürchten – die Überprüfungen gelten allgemein als eher lasch und wenig effizient.



Und wer sich nun um den Fortbestand der Bauwirtschaft sorgt, der kann ebenfalls beruhigt werden. Denn auch hier wird teils zusätzlich zur normalen Beschäftigung auch noch per Lohntüte abgerechnet. Hier kann auch gleich ein Synergieeffekt geschaffen werden. Denn wer so seinen Chef unterstützt, verdient nicht nur zusätzlich, sondern sichert auch langfristig seinen regulären Arbeitsplatz. Vor Zoll, Kontrollen und Strafen scheint sich im Allgemeinen kaum jemand zu fürchten – die Überprüfungen gelten allgemein als eher lasch und wenig effizient. Und selbst wenn Unregelmäßigkeiten gefunden werden, sind die Strafen oft, wenn auch nicht immer, nur wenig mehr als ein Posten in der Kalkulation. Allgemein lässt sich für das Baugewerbe somit sagen, dass hier jeder gefragt ist, der ein paar Schönheitsreparaturen auf einem etwas höherem Niveau durchführen kann. Vom Maler bis hin zum Fliesenleger. Aber auch in anderen Branchen, wie der Gastronomie und besonders bei Haushaltshilfen, existiert eine gehäufte Nachfrage.

Flucht nach vorne

Wer jetzt aber doch den offiziellen Weg gehen muss oder will, kann seine Kosten eigentlich nur auf zwei Arten drücken. Entweder versucht man seine Maßnahmen steuerlich geltend zu machen. Das ist für den durchschnittlichen Mittelschicht-Eigenheimbesitzer nur sehr beschränkt möglich, obwohl dieser der Politik ja so am Herzen liegt. Gewerblich geht hier aber schon einiges. Ansonsten also ,,Pech gehabt“.

Alternativ besteht die Möglichkeit sich seine ,,legalen Mehrkosten“ durch vielseitige Fördermaßnahmen des Staats ,,wegsubventionieren“ zu lassen. Generell gilt hier: Je grüner und umso teuer das Projekt ist, desto mehr Förderung ist möglich. Ob das aber so viel fairer gegenüber den Mitbürgern ist, die sich solche teuren Projekte nicht leisten können, ist also zumindest zweifelhaft. Besonders wenn man dabei bedenkt, dass diese Mitbürger dann einem sozusagen ungefragt den Umbau des Nachbarn finanzieren. Und sich vielleicht nicht zuletzt deshalb keine eigenen vier Wände leisten können.

Die beschriebene Schattenwirtschaft ist zwar bei weitem nichts Unbekanntes oder gar Neues. Dennoch zeigt es auf dramatische Weise, wie es dank der hohen Lohnnebenkosten und des Steuersystems um den Dienstleistungssektor steht. Ob sich der „Trend zur Schwarzarbeit“ nach der Rückkehr zum „neuen Normal“ noch einmal abflachen wird, ist also fraglich. Besonders in einer wirtschaftlich angespannten Lage wie momentan, werden die Anreize für die Tätigkeit in der Schattenwirtschaft nicht gerade abnehmen. Mehrwehrsteuerermäßigung hin oder her. Ein gesundes Wirtschaftssystem sieht auf jeden Fall anders aus.

2 Antworten

  1. Tim Ludwig sagt:

    Sehr schön zusammengefasst! Man könnte etwas zugespitzter formulieren: der grüne Gesamtschullehrer und seine NGO Tante lassen sich das “klimaneutrale Haus” und das Elektroauto vom Schlosser und der Friseursalonbetreiberin finanzieren bevor sie zum bäckpäcken nach Australien fliegen und sich am liebsten noch auf ihrem Blog darüber auslassen dass arbeitende Menschen teilweise noch Fleisch essen (statt Avocados und Flugananas)

  2. karlchen sagt:

    Schöner Artikel!
    Zum Wegschmeißen das Bild dazu… 😂