Sachsen und Brandenburg: Der „Kampf gegen Rechts“ als erbärmlicher Rohrkrepierer

Von Max Roland | Die Haltungsdeutschen werden diesen Artikel nicht lesen. Sie sind wohl gerade zu sehr damit beschäftigt, voller Unverständnis auf den blauen Balken des Ergebnisses aus Sachsen und Brandenburg zu gucken. Oder sie twittern darüber, wie ihre ausgedachte Oma jetzt wieder Angst habe, weil ja „alles sei wie damals“.  Schade. Ich hätte ihnen gerne ihr eigenes Versagen erklärt, welches sie wohl nicht verstehen können. Immerhin haben sie doch so heldenhaft „gegen Rechts“ gekämpft. Man hat doch wirklich alles versucht – trotzdem fährt die AfD de facto einen Wahlsieg ein. Die ganzen Nazi-Vergleiche, irgendwelche Geschichten über Andreas Kalbitz veröffentlicht, und immer wieder gemahnt, dass die Wahl ja am 1. September sei – immerhin Jahrestag des Nazi-Überfalls auf Polen. Und trotzdem wird der „Kampf gegen Rechts“ zum erbärmlichen Rohrkrepierer. Warum?

Ganz einfach: Die Wähler interessiert euer Gehabe wohl nicht.  Ihr könnt 40.000 Leute zu „Unteilbar“ karren – das kauft euch keiner ab, wenn ihr dann dabei seid, alles und jeden rechts von euer Position als „Nazi“ zu diffamieren. Ob Leute wie Andreas Kalbitz tatsächlich „Nazis“ sind, ist übrigens im Endeffekt auch egal – ihr habt das Wort zu einem derart inhaltsleeren Kampfbegriff mutieren lassen, dass euch niemand mehr zuhört, wenn ihr andere mit diesem betitelt. Euer gesamtes Gehabe glich weniger einer politischen Auseinandersetzung zwischen Bürgern als einem Gespräch zwischen Pädagoge und Kind. „Wählt nicht die AfD, die sind böse“ – ohne inhaltlich auf die Probleme Ostdeutschlands, die Aussagen der AfD, oder tatsächlich irgendwas einzugehen. Jetzt beweihräuchert ihr euch, weil die AfD nirgendwo stärkste Kraft wurde – und gebt euch damit der Lächerlichkeit preis. Ernsthaft? Ihr wollt uns SPD und CDU, die in Brandenburg und Sachsen zwar stärkste Kräfte sind, aber starke Verluste eingefahren haben, als Sieger verkaufen? Wer soll euch das glauben?

Die AfD hat es trotz eines wochenlangen Trommelfeuers einer Einheitsfront aus Medien, Parteien und der „Zivilgesellschaft“ geschafft, souverän zweitstärkste Kraft zu werden. In Sachsen hat die AfD sogar alleine mehr Stimmen erhalten als SPD, Grüne und Linke zusammen. Wenn das der „Sieg“ über die AfD sein soll, von dem alle reden, dann ist es ein Pyrrhussieg.  Doch aus den eigenen Fehlern lernen? Die eigene Taktik überdenken? Fehlanzeige. Stattdessen ist jetzt Wählerbeschimpfung angesagt. Linkstwitter ist sich mittlerweile einig: Jetzt muss Schluss sein mit Verständnis für diese Ossis. Jetzt muss anerkannt werden, dass diese Leute keine Protestwähler oder ähnliches, sondern Nazis sind. Macht das mal! Das wird bestimmt helfen, die AfD-Wählerschaft zu reduzieren. Die Nazi-Keule war ja vorher schon extremst effektiv. Eine unerträgliche Arroganz tritt zutage, die die AfD am Ende sogar stärken wird. Viele Ostdeutsche werden sich frei nach SPIEGEL-Cover denken: So isser, der Wessi. Ihr Verhalten ändern werden sie aber nicht. Das einzige, was so gestärkt wird, ist die Mauer im Kopf.

Die Behandlung der Ostdeutschen als verhaltensauffällige Kinder ist übrigens nicht nur herablassend, sondern auch im Blick auf den internationalen Trend unangebracht. Denn global oder auch nur europäisch betrachtet stellen nicht  die Ossis, sondern eher die Wessis die Anomalie dar. Die Ergebnisse aus Sachsen und Brandenburg sind wie die Wahlergebnisse Frankreichs, Spaniens, Schwedens, Hollands und vieler anderer europäische Länder der Ausdruck von Unsicherheit oder Unmut. Die Grünen fanden vergleichsweise kaum statt. Neulich sah ich in einer Zeitschrift eine Karikatur, die es auf den Punkt bringen dürfte: Sie zeigte Westdeutschland inklusive Berlins als grüne Insel in einem ansonsten blauen Europa. Westdeutschland ist tatsächlich wie der Geisterfahrer, der sich lautstark empört, dass alle in die falsche Richtung fahren würden. Der unerträgliche Chauvinismus der Leute, die doch eigentlich vorgeben, dem Nationalismus entsagt zu haben, isoliert sie mittlerweile nicht mehr nur in Europa, sondern auch von einem Teil ihrer Landsleute. 

Jetzt werden wieder Phrasen gedroschen. Ja, 75% oder sowas haben die AfD nicht gewählt. Doch diese Zahl wird euer eigenes Versagen und eure konsequente Realitätsverweigerung nicht überdecken. Liebe Haltungsdeutsche aus Politik, Medien und „Zivilgesellschaft“: Vielleicht solltet ihr aufhören, Seelenklempner der Ossis spielen zu wollen, und mal eure eigene Psyche en Detail analysieren.

3 Antworten

  1. Andreas Kalbitz sagt:

    Vielen Dank Jungs, ich sehe wir verstehen uns.

    Macht weiter so! Falls ihr Unterstützung beim Aufbau eurer Jugendorganisation benötigt, ich bin gerne für euch da.

    Aufrichtige Grüße

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Treffer! Mit Wumms und Witz geschrieben, würd ich mal sagen… Das tut gut bei dem ganzen Hochmut gegen „rechts“.

  3. moneypenny sagt:

    Touché, Monsieur Roland!