Rückfall ins Mittelalter: Wenn Deutsche Todesstrafe durch Zerstückelung fordern

Von Manuel Freund | Immer öfter hört man Menschen in Ländern mit westlichen Werten, die sich für mittelalterliche Methoden aussprechen. Damit meine ich nicht Schwertkämpfe, Schlachten oder Minnesänger, sondern Folter und sogar die qualvolle Todesstrafe.

Am 21. November 2018 wurde auf der Instagramseite „faktastisch“ ein Post veröffentlicht. In diesem wurde berichtet, dass der pakistanische Serienkiller Javed Iqbal 100 Kinder ermordet, zerstückelt und verätzt habe. Daraufhin wurde gegen ihn nicht nur die Todesstrafe verhängt, er sollte genauso wie alle seine Opfer zerstückelt und aufgelöst werden.

Mit ca. 100 Morden gilt er als größter Serienmörder in der gesamten Geschichte Pakistans. Iqbal selbst schrieb 1999 einen Brief an die Polizei, in dem er schilderte, wie er ca. 100 Jungs zwischen sechs und 16 Jahren entführte, missbrauchte, umbrachte und nach ihrer Zerkleinerung in Salzsäure auflöste. Dabei beschrieb er auch, dass die meisten seiner Opfer obdachlose Kinder waren. Des Weiteren schrieb er, dass er sich in einem Fluss für seine ganzen Verbrechen selbst ertränken würde, jedoch fand und verhaftete man wenige Tage später den lebendigen Iqbal. Daraufhin wurde er zum Tode verurteilt. Seine Leiche sollte in 100 Stücke geteilt und verätzt werden. Bei alldem sollten die Familienangehörigen der Opfer zuschauen dürfen. Letztendlich nahm sich Iqbal 2001 in der Haft das Leben.

Das Verbrechen, das von Iqbal begangen wurde, ist zweifelsfrei zu verachten, jedoch ist die Todesstrafe nicht mit unserem Recht und mit unseren Werten vereinbar. Trotzdem äußerten sich viele Instagram-Nutzer in den Kommentaren eher positiv zur Entscheidung des Richters. Er wird als „Held“ und „Ehrenmann“ bezeichnet. Viele fordern sogar, „Man sollte ihn so lange am Leben halten, wie es geht, und ihn zusehen lassen, wie Teile von ihm in Säure aufgelöst werden“, Forderungen, die grausamer und unmenschlicher nicht sein könnten.

Dieser Vorgang würde in Deutschland gegen etliche Artikel des Grundgesetzes verstoßen (unter anderem Artikel 1 und 2). Dieser Vorgang hat nichts mit unseren Werten zu tun und ist aus geschichtlicher Sicht nichts als grausam.

Auf einen Kommentar von mir unter dem Bild, der diese Problematik anspricht, kam neben einer großen Auswahl an übelsten Beschimpfungen auch das Gegenargument auf, dass der Täter ja auch gegen das GG verstoßen habe. Ich zweifle die Grausamkeit des Serienmordes auch nicht an, jedoch sollte inzwischen jedem in Deutschland klar sein, dass ein Rechtssystem nach dem Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ alles andere, als human ist.

Wer dem Urteil des Richters trotzdem noch zustimmt, oder sogar härtere Strafen fordert, kann gerne in ein Land wie Pakistan ziehen. Dabei muss ihm aber klar sein, dass in Ländern, die die qualvolle Todesstrafe erlauben, Werte herrschen, die mit den unseren vermutlich kaum etwas zu tun haben. So sollte jedem bewusst sein, dass in Ländern mit einer Rechtslage wie in Pakistan Frauen unterdrückt und Homosexuelle hingerichtet werden. Wer dem Richter zustimmt, vertritt also Werte, aus denen Rassismus, Sexismus und Homophobie resultieren.

1 Antwort

  1. le chaim sagt:

    Ja, wenn man genauso grausam reagiert, unterscheidet man sich kaum noch vom Mörder und Folterer. Und die Opfer werden dadurch auch nicht mehr lebendig.
    Für den Versuch, sich trotz unfassbarer unmenschlicher Verbrechen die Zivilisation nicht nehmen zu lassen, stehen für mich stellvertretend die Nürnberger Prozesse.