Reich durch Investieren?

Von Simon Ben Schumann | Finanziell ganz oben zu stehen – das wäre schon was. Uns Normalos scheint nur die Existenz im maximal oberen Mittelmaß beschieden. Aber muss das so sein, oder kann es jeder an der Börse zum Erfolg bringen?

In drei Jahrzehnten zum Börsenmillionär

Bevor wir uns Star-Investoren wie Warren Buffet, André Kostolany oder dem berüchtigten Bernie Madoff widmen: Rein mathematisch steht finanziellem Erfolg an der Börse schon mal nichts im Weg.

Beispiel gefällig? Wer 35 Jahre lang monatlich 900,00 € in sein breit gestreutes Börsendepot investiert, ist am Ende dieser Zeitspanne Millionär (vor Steuern). Angenommen wird hierbei ein durchschnittlicher Zinssatz von 5,00 % pro Jahr. Er ergibt sich aus dem vergangenen, langfristigen Durchschnittswachstum des Gesamtmarktes, welches ca. 7,5 % beträgt. Abgezogen werden hierbei (momentan traumhafte) 2,5 % für die durchschnittliche Inflation. 900,00 € – das ist viel Geld, aber nicht unrealistisch. Als Gutverdiener in der Mittelschicht ist dieser Betrag mit einiger Sparsamkeit aufzubringen. Das Wachstum des Vermögens verläuft hierbei nicht linear, sondern profitiert vom „Zinseszinseffekt“. Das Kapital in unserer Beispielrechnung beträgt nach 29 Jahren noch nicht einmal 750.000,00 €. 6 Jahre später sind die Millionen geknackt.

Die Bestandteile dieser „Millionärsformel“ lassen sich beliebig verändern. Die eingesetzten Zahlen sind das Realistische. Erhöht sich beispielsweise die Sparrate auf 1.500,00 €, sind die Millionen bereits nach 25 Jahren drin. Umgesetzt werden kann unsere Rechnung z. B. mit einem Investment in einen Index, der die Weltwirtschaft abbildet. Dieser könnte mit einem „Exchange traded funds“, kurz „ETF“ oder anderen Finanzprodukten bespart werden.

Hier ist Vorsicht geboten: Logischerweise muss es Index und Produkt noch geben, wenn Christian Lindner lange nicht mehr Finanzminister ist.

Langfristig zur goldenen Rente – oder lieber schnell reich?!

Der bekannteste Börsen-Investor der Welt ist der Amerikaner Warren Buffet. Er hält sich an erwähnte „Buy and Hold“-Strategie. Sie besagt, seine Investments weise auszuwählen und lange im Depot zu behalten. So soll von stabilem Wertzuwachs profitiert werden. Buffet bedient sich einer Fundamentalanalyse. Sie bewertet Aktien nach der Situation der Unternehmen, die hinter dem „Papier“ stecken. Mit einem Vermögen von 118 Milliarden US-Dollar ist er einer der reichsten Menschen der Welt und macht seiner Strategie alle Ehre.

Aber mal im Ernst: Wer hat schon Lust, langfristig reich zu werden? Selbst wenn man über die Sparrate und etwas riskantere Investments (je riskanter, desto höher die potenzielle Verzinsung) die Zeitspanne verkürzen kann – wir wollen mit 25 in der Karibik Cocktails schlürfen, nicht mit 68 an der Costa Brava.

So sah das auch André Kostolany. Der Börsenjournalist ist im Finanzsektor eine Legende. Aus Budapest stammend, wuchs er an der Börse auf und machte zwei Weltkriege mit. Er war dem Spekulieren verpflichtet. Darunter verstand er das kurzfristige Antizipieren von Marktbewegungen. Der Autor mehrerer humorvoller Finanzbücher formulierte: „Wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren, wer viel Geld hat, kann spekulieren aber wer gar kein Geld hat – der muss spekulieren!“ So sah er den Aufstieg der Bundesrepublik nach dem 2. Weltkrieg voraus und profitierte durch Kauf deutscher Staatsanleihen aus der Weimarer Republik enorm davon. Ein guter Spekulant brauche nur eine Zeitung, einen Stift und ein Telefon, um den Broker anzurufen.

Das ist natürlich riskant und nicht berechenbar. Aber der freien Gesellschaft sei Dank legal.

Ganz im Gegensatz zur Methode von Bernie Madoff. Er baute einen Fonds auf, der professionell Wertzuwächse fälschte und die Anleger betrog. Mit Hilfe eines „Ponzi- Schemes“, ähnlich einem Schneeballsystem, führte er Investoren hinters Licht. Wenn jemand Geld ausbezahlt haben wollte, finanzierte Madoff das mit monetären Zugängen anderer Anleger. Am Ende flog alles auf, Madoff kam ins Gefängnis. Von diesem Ansatz ist eher abzuraten.

Das Schöne an der Börse ist: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Man kann investieren und langfristig dabeibleiben, spekulieren bis sich die Balken biegen, auf seinen Lieblingssektor wie die Technologiebranche setzen und mehr. Oder seine eigene Strategie aufbauen.

Ob man dabei strikt nach einer Formel reich wird oder es nur aus Spaß daran macht – an der Börse kann jeder von der Wirtschaft profitieren. Solange kein dringend benötigtes Geld riskiert wird, ist sie ein Ort von Freiheit, Gleichberechtigung und des Strebens nach mehr.

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