Regierung fordert höhere Bahnpreise


Von KARL DRAMM | Die Deutsche Bahn ist ein Unternehmen, welches sich in Staatshand befindet. Das Unternehmen gibt die Preise vor, aber dennoch kann der Staat jederzeit mitmischen.
Jetzt forderte der Verkehrsstaatssekretär Enek Ferlemann die Deutsche Bahn auf, im Zuge von Netzmodernisierungsmaßnahmen die Fahrpreise zu erhöhen.

Der Normalbürger empfindet die Preise bereits jetzt als zu hoch, Deutschland liegt bei Bahnpreisen zumindest im Überregional- und Fernverkehr im europäischen oberen Mittelfeld. Das aber auch nur, wenn man nicht den Normalpreis einberechnet, sondern den desöfteren angebotenen Sparpreis wählt. So zahlt man bei der Deutschen Bahn für eine Reise von Kassel nach Nürnberg (265 km) knapp 73 Euro. Alle Werte beziehen sich hierbei auf sofortigen Fahrtantritt außerhalb der Hauptverkehrszeiten.
In England hingegen zahlt man bei einer vergleichbaren Strecke (London – Sheffield) und sofortigem Fahrtantritt ca. 85 Euro. In Deutschland und England kann man, sollte man frühzeitig seine Fahrt buchen, oftmals von Sparpreisen Gebrauch machen, welche für die oben genannten Strecken in England bei einem Gesamtpreis von 15 Euro, und in Deutschland bei 35 Euro liegen.
In Frankreich und Italien sieht das ähnlich, aber dennoch leicht billiger aus: Für die Strecke von Dijon in die Hauptstadt Paris zahlt man 49 Euro und wer von Rom nach Florenz möchte, muss 43 Euro zahlen.

Dieser bisher noch auszuhaltende Preisunterschied soll nun noch größer werden: durch die höheren Preise für Fahrkarten könnte das Netz modernisiert und erweitert werden, was dem aktuellen Netz der Deutschen Bahn nur zu Gute kommen würde. Nebenbei sollen die bereits vorhandenen Sondertarife reduziert werden.
Verkehrsminister Scheuer und Ferlemann verhandeln nun mit der Spitze des Staatskonzerns, da die Forderung Ferlemanns, die Digitalisierung des Netzes bis 2040, jedes Jahr ungefähr 1,5 Milliarden Euro kosten wird. Laut Ferlemann könnte durch höhere Bahnpreise viel Geld gespart werden, da auf demselben Netz insgesamt mehr Züge fahren würden. Das erschließt sich daraus, dass in einem digitalisierten Netz durch computergesteuerte Gleisbelegungen genauere Informationen vorhanden sind die Pufferzeiten kleiner werden, was mehr Züge auf den Streckenabschnitten zulässt.

Dennoch soll die DB-Tochterfirma Arriva nicht verkauft werden, wie es zum Beispiel der Bahnchef Richard Lutz fordert – im Gegenteil. “Wenn ich die Milchkuh einmal schlachte, dann gibt sie keine Milch mehr”, so Ferlemann.

Völlig überraschend meldeten sich die Grünen – ganz anders als normal – mit einer wirtschaftlich gut durchdachten und zukunftsorientierten Antwort: “Höhere Bahnpreise und schlechtere Angebote werden dazu führen, dass Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen” meint Anton Hofreiter, was vollkommen richtig ist.

1 Antwort

  1. Nash Montana sagt:

    „Höhere Bahnpreise und schlechtere Angebote werden dazu führen, dass Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen“ meint Anton Hofreiter,

    Ja auch ein blindes Huhn findet mal ein Körnchen.