Psychische Krankheiten und Suizide – die katastrophale Bilanz der Corona-Politik

Von Pauline Schwarz | Es ist inzwischen mehr als anderthalb Jahre her, dass das Corona-Virus in Deutschland ausgebrochen ist und unser aller Leben über Nacht auf den Kopf stellte: Schule, Uni, Party und Arbeit adé, dafür Lockdowns, Kontaktverbote und Masken wohin man sieht. Kinder und Jugendliche wurden von den Maßnahmen am härtesten getroffen. Obwohl sie selbst nur im geringen Maße durch das Virus gefährdet sind, wurden die Schulen und Kitas geschlossen und die Kleinen damit in die Isolation und Einsamkeit gestürzt.

Für viele bedeutete das, sich von einer normalen Entwicklung und der Chance auf gute Bildung zu verabschieden – mit gravierenden Folgen: Über die Lockdowns stieg die Zahl psychischer Krankheiten und Suizide schon bei den Kleinsten massiv an. Statt sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen, will man Kinder, Jugendliche und junge Leute nun dazu nötigen, sich als eine Art Solidarakt impfen zu lassen – und ob offen kommuniziert oder nicht: wem seine eigene Gesundheit wichtiger ist, droht der Rückfall in die soziale Isolation und Ausgrenzung.

Dabei ist inzwischen sehr gut belegt, was die soziale Isolation mit jungen Menschen machen kann. Bereits im Juli 2020 stellte man im Rahmen der COPSY-Studie bei 31 Prozent aller untersuchten 7-17-Jährigen deutliche psychische Auffälligkeiten fest – ein Plus von 13 Prozent in Bezug auf die Referenzdaten. Ängste, emotionale Probleme und psychosomatische Beschwerden nahmen deutlich zu. Eine Umfrage der Pronova BKK unter 150 Kinderärzten stützte diese traurigen Erkenntnisse. 89 Ärzte berichteten einen Anstieg von psychischen Problemen, 37 Prozent diagnostizierten eine Zunahme körperlicher Beschwerden und 4 von 5 beobachteten Entwicklungsverzögerungen bei ihren kleinen Patienten. Die Pädiater machten die fehlende Tagesstruktur, die Isolation, Konflikte in den Familien und mangelnde Freizeitmöglichkeiten neben Handy- und Computerkonsum für die Beschwerden verantwortlich.

Deutsche Kinderärzte meldeten offiziell, was schon länger zu befürchten stand – eine Triage in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Im Mai diesen Jahres kam dann die Schreckensbotschaft: Deutsche Kinderärzte meldeten offiziell, was schon länger zu befürchten stand – eine Triage in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die gefürchtete Corona-Triage auf den Intensivstationen blieb aus, dafür wurden Kinder, die „nur“ Depressionen hatten und (noch) nicht suizidgefährdet waren, in den Psychiatrien überhaupt nicht mehr aufgenommen. Laut DAK wurden schon im ersten Halbjahr 2020 fast doppelt so viele Kinder und Jugendliche in der Psychiatrie behandelt wie noch 2019 – spätestens im Mai 2021 übertraf der Andrang dann die Behandlungskapazitäten.

Dabei sind Klinikaufnahmen laut dem Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Charité Campus in Berlin Mitte, Christoph Corell, „nur die Spitze des Eisbergs“. Man lässt sich schließlich nicht wegen irgendwelcher Befindlichkeiten oder weil es einem mal ein bisschen schlecht geht in eine Klinik einweisen. Es geht um schwere Krankheiten wie Essstörungen, Schlafstörungen, Substanzabhängigkeiten und Depressionen – wenn solche Störungen nicht behandelt werden, können sie chronifizieren, gravierende psychosoziale Einschränkungen mit sich bringen und das Auftreten weiterer psychischer Krankheiten im Erwachsenenalter begünstigen. Unbehandelte Essstörungen können zu Stoffwechselstörungen und Organschäden führen. Auf Dauer droht bei vielen unbehandelten Krankheitsbildern sogar Suizidalität.

Und der überwältigende Ansturm beschränkte sich leider nicht nur auf die stationären Behandlungsmöglichkeiten. Nach Angaben der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) ist die Zahl der ambulanten Therapieanfragen von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent gestiegen. Das Ärzteblatt versuchte damit zu trösten, dass man immerhin 25 Prozent der jungen Therapieanwärter innerhalb von zwei Wochen und mehr als der Hälfte innerhalb eines Monats ein Erstgespräch bei einem Therapeuten vermitteln konnte – man verschwieg aber, dass ein solches Gespräch kein Garant für einen freien Behandlungsplatz ist. Zumindest im Erwachsenen-Bereich sind Therapeuten verpflichtet Erstgesprächstermine anzubieten, auch wenn sie keine freien Behandlungskapazitäten haben. Viele Patienten bringen deshalb etliche Gespräche hinter sich, bevor sie endlich einen der wenigen heiß begehrten Plätze ergattern oder die Suche aus lauter Frustration wieder aufgeben.

Trotz der katastrophalen Versorgungslage, dem immensen Zuwachs psychisch kranker Kinder und Jugendlicher und deutlich erhöhter Suizidzahlen, hielt man lange an der Lockdown-Politik und strikten Corona-Maßnahmen wie den Schulschließungen fest. Die deutschen Schüler mussten landesweit für 14 Wochen komplett und für 20 Wochen teilweise die Schulbank im Distanzunterricht drücken – laut Unesco deutlich häufiger als bei unseren westlichen europäischen Nachbarn wie Großbritannien, Spanien und Frankreich. Und das obwohl bei verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen kein Zusammenhang zwischen dem Pandemiegeschehen und der Dauer der Schulschließungen gefunden werden konnte.


Folgen noch gravierender als bislang angenommen 

Immer wieder bestätigt wurde nur der Zusammenhang zwischen Schulschließungen und dem Anstieg psychischer Krankheiten. Zuletzt kamen Forscher des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) im Juli zu dem traurigen Ergebnis, dass die Folgen noch gravierender sind als bislang angenommen. Laut den Wissenschaftlern leiden unglaubliche 477.000 zusätzliche Jugendliche im Alter von 16 bis 19 an depressiven Symptomen. „Wir sehen, dass sich bei einem von sechs Jugendlichen während des Lockdowns eine depressive Symptomatik entwickelt hat.“, sagte Studienmitautor und Wissenschaftler Dr. Martin Bujard. Dabei sind Mädchen mit einem Anstieg von 13 auf 35 Prozent am schwersten betroffen. Aber auch bei den Jungs stieg die Zahl betroffener Jugendlicher von 7 auf 15 Prozent.

Inzwischen sind unsere Schulen zum Glück wieder geöffnet – doch die Angst, sich bald wieder von Freunden und Lehrern verabschieden zu müssen, wenn die Inzidenzwerte im Winter steigen, bleibt. Gleichzeitig steigt der Impfdruck und damit bei vielen sicherlich auch die Sorge, auf diesem Weg abermals vom sozialen Leben ausgeschlossen zu werden. Bei Studenten ist das durch die hohen Testkosten für Umgeimpfte bereits zu Teilen der Fall. Man kann nur hoffen, dass wenigstens die Schüler auch auf Dauer vor der Entscheidung zwischen dem angeblich so heilbringenden Piks oder der Rückkehr in die soziale Isolation und all dem damit verbundenen Leid bewahrt werden.