Proteste gegen hohe Mieten – und was sie verschweigen

Von MAX ZIMMER | In mehreren deutschen Großstädten waren am Samstag Demonstrationen gegen hohe Mieten, zehntausende Menschen gingen auf die Straße.
Eingängiger Tenor hierbei war Kritik an den Wohnungsbaugesellschaften, an “Profitgier“ sowie an den “Finanzspekulanten“.

Laut den vor allem dem politisch linken Lager zuzuordnenden Demonstranten sind die privaten Unternehmen schuld an dem Wohnungsmangel, da sie die Mieten in die Höhe treiben, und damit spekulieren würden.
Die Hauptforderungen waren dementsprechend, die Gesellschaften zu enteignen, den staatlichen Wohnungsbau auszubauen, und weitere Regulierungen einzuführen – ein bisschen DDR Nostalgie und Cuba Libre an einem frühlingshaften Samstag Nachmittag.

Was bei den Protesten nicht zum Thema gemacht wurde, waren Zahlen und Fakten abseits populistischer Behauptungen und antikapitalistischer Reflexe.
Zunächst einmal sind nur 13% der deutschen Wohnungen im Besitz von privaten Gesellschaften.
Der mit Abstand größte Teil ist im Besitz von Privatleuten, mit 66%.
21% der Wohnungen – also noch immer weit mehr als der Anteil der Gesellschaften – sind Staatseigentum.
Dazu kommt, dass nur etwa die Hälfte der deutschen überhaupt zu Miete wohnt- womit der Anteil der Deutschen, deren monatliche Mietkosten von den achso bösen Konzernen bestimmt wird, bei schlappen 6,5% liegt.
Nach Marktmonopol sieht das nicht aus.

Gleichzeitig werden entscheidene Aspekte des Wohungsmangels, der zweifellos die Hauptursache der steigenden Preise ist, vollkommen ignoriert.
Die Annahme, dass staatliche Hürden und Markteingriffe wie die steigende Grunderwerbssteuer, unverhältnismäßige Bauvorschriften, Umweltregulierungen etc. keinen Einfluss auf die Bereitschaft zu bauen, und damit auch auf die Marktpreise haben, wäre Realitätsverweigerung.
Auch wird die hohe Migration entgegen aller eindeutigen Zahlen nicht als Ursache gedeutet- während die ohnehin unzureichenden Prognosen für den Wohungsbau Anfang der 2000er Jahre wohl kaum die Zuwanderung von millionen Flüchtlingen erwartet haben, wurde selbst inner europäische Migration kaum beachtet – ein Staatsversagen, für den der Markt wohl kaum Verantwortung trägt.
Jedoch werden wie so oft die Folgen der politischen Inkompetenz dem Markt zugeschoben, eine dogmatische Reaktion auf so gut wie jedes Problem innerhalb unserer Gesellschaft.
Die antikapitalistischen Ideologen in Berlin und Brüssel betreiben eine selbstzerstörerische Politik, was die privaten Unternehmen und Bürger letzlich ausbaden dürfen.