Proteste bei Kopftuchausstellung – Schwestern wo bleibt ihr?

Von ELISA DAVID | Am  4. April  öffnete die Ausstellung  “Contemporary Muslim Fashions “  im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main ihre Türen. Die Veranstaltung über zeitgenössische muslimische Mode hatte schon vor der Eröffnung für Kritik gesorgt (Apollo berichtete). Am Freitag, dem ersten Tag der Ausstellung, protestierte nun eine kleine Gruppe iranischer Frauen dagegen. Sie sehen den Schleier als „Gefängnis für die Frau“. In den islamischen Ländern, in denen es Pflicht ist sich als Frau zu verhüllen, setzten sich alle Frauen gemeinsam dafür ein, den Hidschab zu bekämpfen, dass er im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa einfach so ausgestellt wird, sei absurd.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass die Demonstrantinnen aus dem Iran kommen. Einem Land in dem Frauen rechtlich gesehen nur halb 

so viel wert sind wie Männer. Einem Land in dem häusliche Gewalt gegen Frauen weitgehend erlaubt ist und innenfamiliäre „Ehrenmorde“ durch die iranischen Rechte praktisch straffrei sind. Einem Land in dem eine Verschleierungspflicht besteht, die von einer Sittenpolizei streng kontrolliert wird und es immer wieder zu Säureanschlägen gegen Frauen kommt, die sich nicht korrekt kleiden. Diese Frauen haben nicht nur im Internet darüber gelesen wie ich vorhin. DieseFrauen haben in dieser Gesellschaft gelebt, sind dort aufgewachsen. Sie wurden selbst unter den Schleier gezwungen, bevor sie nach Deutschland kamen. Wenn genau diese Frauen sich zusammen finden um gegen die Verharmlosung von Unterdrückung zu demonstrieren, wissen sie wovon sie reden. Also warum war der Aufschrei nur auf „eine kleine Gruppe iranischer Frauen“ reduziert? Wenn ein paar Schauspielerinnen in Hollywood nach 30 Jahren wieder einfällt, dass ihnen damals ans Knie gefasst wurde – was ihren Karrieren ganz sicher nicht geschadet hat – werden Hashtag- und Protestaktionen gestartet. Darf ich daran erinnern, dass die Ausstellung von einem Mann initiiert wurde? Der ein Kleidungsstück, dass dafür erfunden wurdeFrauen zu unterdrücken, verharmlost und ausstellt? 

Also Schwestern wo bleibt ihr? Holt eure Häkelmützen raus, es wird demonstriert! Ich meine die Vorraussetzungen für den nächsten Feministenmarsch sind doch 

alle erfüllt. Wir haben den bösen weißen Mann, der als Direktor eines Museums bestimmt  ein gewisses Einkommen hat und diese Ausstellung betreut auf der einen Seite. Auf der anderen Seite eine Gruppe von Frauen mit Migrationshintergrund, die aus ihrer patriarchalischen Heimat entkommen sind und sich jetzt weiterhin für Frauenrechte einsetzten. Das ist doch der absolute Klassiker, praktisch ein Selbstläufer. Alles was jetzt noch fehlt sind so tiefgründige Sprüche wie 

„Women ́s rights are human rights“ und die Demonstration ist vollkommen. Wo  bleiben dann alle? Warum war kaum jemand da, warum hat kaum jemand darüber berichtet? 

Oh ich vergaß, der Iran ist ja unser Freund und der Islam die Religion des Friedens. Wenn also Frauen, die das ganze selbst erlebt haben, ihre Stimme dagegen erheben, dann nur deshalb, weil sie da etwas falsch verstanden haben. Man müsste sie mal bei der Hand nehmen und ihnen erklären, warum das Kopftuch ihnen in Wahrheit nur Freiheit schenkt und dass ihr Ehemann das alles nur tut, weil er sie so sehr liebt – genau wie seine anderen fünf Frauen auch. Es ist schließlich unmöglich, dass unser Weltbild von der Realität abweichen könnte. Also zurück zur Tagesordnung.

3 Antworten

  1. Carl sagt:

    Zitat “In den islamischen Ländern, in denen es Pflicht ist sich als Frau zu verhüllen, setzten sich alle Frauen gemeinsam dafür ein, den Hidschab zu bekämpfen,[…]”
    Das kann ich einfach nicht glauben und wie wolltet Ihr das wissen?

  2. DasLinkeParadox sagt:

    Es gibt diese Nabelschau-Feministinnen und es gibt echte Frauenrechtlerinnen. Eine halbwegs löbliche Ausnahme ist terre des femmes und hin und wieder Frau Schwartzers Emma, Der Rest dieser Post-Eministinnen ist nicht nur unsolidarische sondern hochgradig frauenfeindlich. Wie kann man seinen muslimischen Schwestern derartiges massenhaft, systemisches Leid zumuten, ja es sogar aktiv befueren? Wqas für ein erämliches Heuchlerinnnen-Kabinett.
    Ubrihgens: Die ersten Opfer des Islam sind die Muslime selbst! Frag mal nach, in den überfüllten Frauenhäusern was die Abertausende Zwangs-Muslimas dort vom Islam so halten, oder frag nen schwulen Moslem, wie akzeptiert er sich fühlt, oder einfach den ECHT liberalen muslimischen Gemüsehändler wie seine Familie neurding unter dem immer “frommer” werden Anhängern der Friedens-Religion zu leiden hat! — und überhaupt ihr Guten und Engagierten, tut doch mal selbst was für die Integration und verteilt nächsten Freitag in der nächsten Moschee ein paar eurer schicken Gender-Broschüren!

  3. nordseeschwalbe sagt:

    Klasse Artikel! “Holt Eure Häkelmützen raus” – köstlich…!
    Aber im Ernst, das macht mich so wütend, dass diesen Sch… Feministen echte Misshandlungen von Frauen komplett egal sind, wenn sie im Namen des Islam stattfinden. So dumm, verlogen und feige ist das, dass einem die Worte fehlen.