Privatsphäre! (aber nur gegenüber Konzernen)

Von MAX ZIMMER | Am laufenden Band verabschieden die Europäische Union, die Bundesregierung oder gar soziale Netzwerke selbst Gesetze, Richtlinien oder Regelungen, die die “Privatsphäre” der Nutzer gegenüber den datensammelnden Konzernen sichern sollen, in Wahrheit jedoch die Nutzbarkeit und in letzter Konsequenz die Freiheit des Internets massiv einschränken. Ein Beispiel hierfür ist die Datenschutzgrundverordnung (DsgVo), die kleine Unternehmen nötigt, umfassende Maßnahmen gegen Copyrightverstöße zu verwirklichen, die diese wiederum kaum oder nur teilweise erfüllen können. Die Begründnung hierfür ist die angebliche Gefahr, die von Facebook, Google und Co. ausgehen soll, wenn diese massiv an die Daten der Internetnutzer gelangen. Nun könnte man Privatsphäre als hohes Gut ansehen, das auch im Internet nicht an Relevanz verliert, und die Verordnungen folglich als eine logische Reaktion auf die Sammelwut gegen genannten Konzerne betrachten.

So einfach kann man es sich jedoch nicht machen: Beim Gebrauch von Websiten, sozialen Medien und anderen Dienstleistern erfolgt eine Zustimmung des Nutzers für die AGBs, die wiederum das Daten-Sammeln begrenzt. Somit kann von einer freiwilligen Interaktion und von einem bedingten Tausch die Rede sein – Daten gegen Dienstleistung. Das muss einem nicht gefallen, aber so funktiort das Geschäft – dafür sind die Dienste ja auch kostenlos. Gleichzeitig ist die Kontrolle der Firmen über das Individuum begrenzt, diese erfahren nur so viel über ihn wie dieser durch seine freiwillige und bewusste Nutzung preis gibt, und im Rahmen der AGBs möglich ist.

Die viel größere Datenkrake und Gefahr für die Privatsphäre ist weitaus seltener Gegenstand öffentlicher Empörung, medialer Aufmerksamkeit oder gar juristisch bindender Einschränkungen ist der Staat. Geheim- und Sicherheitsdienste und ganze Behördenapparate wissen weitaus mehr über den Bürger, als dieser jemals freiwillig zugestimmt haben kann.

Ob Inernet, Festnetz oder Handy: Metadaten werden in den Regierungsrechnern fleißig gesammelt, Privatsphäre mit nichten. Das ist kein amerikanisches Privileg, wie die medianwirksame Snowden-Affäre suggerieren könnte. Auch der BND betreibt Abhöranlagen in Deutschland, die britischen und französichen Geheimdienste hören ebenfalls mit, und dass die Regierungen in Moskau und Peking wenig von individuellen Rechten bezüglich des Datenschutzes halten, muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnt werden. Wenn wir uns also mit dem Thema Privatsphäre im Internet und darüber hinaus auseinandersetzen, ist die alleinige Reduzierung auf private Anbieter – die im Gegensatz zur Regierung eine weitaus unschuldigere Position inne haben – fatal kurzsichtig. Statt die Firmen Google und Facebook zu reglementieren, sollten Aktivisten und jene, die sich den Schutz der Privatsphäre auf die Fahnen schreiben, ihr Hauptaugenmerk auf die staatlichen Strukturen lenken, die die mit Abstand größte Datenkrake überhaupt darstellen.

1 Antwort

  1. karlchen sagt:

    Deshalb gruselts much auch immer, wenn Merkel
    von “Digitalisierung” redet…