Polizei jagt gefräßige Ausbrecherbande durch Schrebergärten

Von Pauline Schwarz | Dienstagnacht kam es in Berlin Reinickendorf zu einer wilden Verfolgungsjagd, nachdem sechs Flüchtige marodierend durch Nordberliner Vorgärten gezogen waren. Die Polizei stoppte und umzingelte die Bande, die trotz doppelt gesicherter Elektrozäune ihrer Anlage entflohen war, erst in einer Sackgasse und nach über vier Stunden Einsatz. Glücklicherweise gelang es den Beamten ihre Widersacher von der „Roten Liste“ ohne besondere Gegenwehr oder Verletzte zu überwältigen. Und zwar trotz des übermächtigen, geballten Kampfgewichts von etwa sechs bis sieben Tonnen.

Die asiatische Ausbrecherbande, die die Stadtteile Hermsdorf und Heiligensee in Aufruhr versetzte, gehört weder zu den japanischen Yakuza, noch zu den chinesischen Triaden oder der vietnamesischen Mafia, sondern zur Familie der Wasserbüffel – die anscheinend ein sehr ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis hat. Die sechs Tiere ahnten wohl, dass sie am nächsten Tag in ihr Winterquartier nach Potsdam verlegt werden sollten und entschlossen sich noch einen letzten kleinen Ausflug aus ihrem 14 Hektar großen Gehege zu machen. Etwa 4 Kilometer legten die unternehmungslustigen Büffel zurück und gönnten sich dabei das ein oder andere Schmankerl, wenn sie an einem Schrebergarten vorbeikamen – wer hat schon Lust, immer dasselbe olle Gras zu fressen.

Die gehörnten Wanderfreunde (von wegen Wandern wäre nur was für alte weiße Homo sapiens) scheinen aber nicht nur einen kulinarischen Sonntags- bzw. Dienstagsausflug gemacht zu haben, sie sind Wiederholungstäter – ihre Kumpels aus Brandenburg sind schon länger polizeibekannt. Erst im Mai 2020 war eine Herde von zehn Tieren aus ihrem Gehege an der Oberhavel ausgebüchst und fröhlich über Straßen, Wiesen und durch die Nachbarsgärten spaziert – freilich ebenfallsnicht, ohne sich ausgiebig und genüßlich an den leckeren Gartenpflanzen zu bedienen. Auch diese Bande konnte erst nach Stunden von der Polizei gestoppt werden, obwohl die Beamten eigentlich schon Wasserbüffeljagdprofis sein müssten. Die zehn aufmüpfigen Wasserbüffel hatten nämlich schon kurz zuvor den Duft der Freiheit gekostet und die Beamten mit vielen Fragezeichen zurückgelassen – man ist bis heute ratlos, wie die Büffel es geschafft hatten gleich zweimal aus dem Gehege zu entkommen.

Rat gäbe es vielleicht in Erfurt, wo sich vor zwei Jahren ein ähnliches Spektakel abgespielte. Nur hielt hier keine ganze Herde, sondern ein einsamer wild entschlossener Büffelmann die Polizei in Atem. Die Erfurter Beamten brauchten drei Stunden, um den flüchtigen Vater zu seinen Jungtieren zurückzubringen – in denselben Stall, aus dem sich schon einen Monat zuvor zwei Wasserbüffel-Kollegen einen unerlaubtem Freigang gegönnt hatten.

Geht das so weiter, könnte das widerspenstige Huftier in Zukunft genauso zu unserem Stadtbild gehören wie der Fuchs, der Hase oder die Kanalratte. Und er könnte uns ein Vorbild sein: So viel Freiheitsliebe und Oppositionsgeist wie der Wasserbüffel, haben die Deutschen schon lange nicht mehr gezeigt.

3 Antworten

  1. karlchen sagt:

    Wasserbüffel als Symbol gegen das Eingesperrt-Werden – sehr schön!
    Wann gibt es erste T-Shirts mit „Je suis Wasserbüffel!“?

  2. Heinz Schmidt sagt:

    Bullen jagen Büffel – dieser Text ist einfach genial. Und ja: wenn die Deutschen doch nur halb so viel Freiheitsdrang hätten wie diese prächtigen Tiere!

  3. Uwe Meyer sagt:

    Hochgeschätzte Pauline Schwarz
    Sie haben mir mut Ihrem Artikel meine Kaffeepause zu einem kleinen Genuss gefüllt u d dafür von Herzen DANKE 😊
    Und besonders die letzten Sätze waren dann nochmal wie eine Sahnehäubchen auf dem erwähnten Kaffee 👍
    Weiterhin ein solches Händchen wünscht Ihnen mit besten Grüßen
    Uwe Meyer