Politische Jugend: Fünf Meter weiterdenken!

Von MANUEL FREUND | Immer mehr treten parteiunabhängige, politische Jugendorganisationen ins Rampenlicht der Gesellschaft. Aktuell besonders groß: Fridays for Future. Aber auch außerhalb der Schulschwänzergemeinschaft gibt es immer wieder kleinere Grüppchen, die ihre Utopien in die Welt tragen wollen. Erst kürzlich habe ich in der TAZ (ja, ich schäme mich) einen Artikel über die „Demokratische Stimme der Jugend“, einer substanzlosen Organisation wie aus dem Buche, gelesen. Das besonders emotionale und dadurch eben auch besonders unsachliche Vorstellen der DSDJ hat aber mein Interesse geweckt, sodass ich mich nun einmal genauer mit dieser Posthippie-Jugendgruppierung auseinandergesetzt habe.

Wie zu erwarten befürworte ich als 16-jähriger es, wenn Jugendliche sich politisch engagieren. Zum Engagement gehört aber auch immer vernünftiges Informieren. Wenn ich schreie: „Treibhauseffekt ist schlecht“, dann muss mir klar sein, dass es auf der Erde ohne den Treibhauseffet vllt. Höchsttemperaturen von -30 Grad gäbe. Ein etwas ungriffiges Beispiel: Aber es ist doch so, dass man bedenken sollte, was man sich wünscht. Die Amerikaner sagen da „be careful what you wish for“, Goethes Zauberlehrling sprach von „den Geistern, die ich rief“.  Wenn also ein unbedarfter Jugendlicher sich hinstellt und sagt: „Wir müssen das Klima retten und den Individualverkehr einschränken“, dann denkt er leider allzuhäufig nicht fünf Meter weiter – die fünf Meter bis zu der Stelle, wo Mama ihn mit dem Auto abgesetzt hat, damit er pünktlich zur Demo kommt. 

Nun zum konkreten Fall, der Demokratischen Stimme der Jugend. Schon wenn man den Namen hört und auf die erste Seite der DSDJ geht erkennt man wofür genau diese Gruppe sich einsetzt: ähm, warte mal. Tut man nicht. Das ist vermutlich auch das größte Problem dieser Chaostruppe, sie haben keine Ideologie. Überall steht, dass die Gruppe den Jugendlichen eine Stimme geben will. Dann frage ich mich natürlich, welchem Jugendlichen gebt ihr durch eure Gruppe eine Stimme. Für jeden Jugendlichen, der politisch aktiv werden will gibt es schon Unmengen an politischen Jugendgruppen, also welche ideologische Lücke vertretet ihr bitte? Das Problem ist, dass viele Jugendliche einfach nicht aktiv werden wollen und daran kann die DSDJ auch nichts ändern. Meine Klasse ist ein Paradebeispiel dafür: Ständig wird sich über die Missstände in Deutschland beschwert, keinem passt das Schulsystem und so weiter, aber was machen die ganzen Pseudopolitiker? Nichts! Ein Problem, was viele Jugendaktivisten (und die, die sich dafür halten) haben: Aktivismus ist toll, bis man aus der eigenen Komfortzone raus muss. Greta Thunberg ist da ja wenigstens noch konsequent, viele ihrer Anhänger eher weniger. 

Aber zurück zur DSDJ. Nach einigem Einlesen in die Website und in Artikel über die Jugendgruppe merkt man schnell, dass es sich hier nicht um eine Gruppe handelt, die sich mit  Inhalten tiefgründig auseinandersetzt und ein durchdachtes Ziel formuliert . Vielmehr ist das quasi eine Gruppe Hippies, die sich nicht etwa für bestimmte Lösungen zum Beheben von Problemen einsetzt, sondern lieber mit Sprüchen wie „Friede für die Welt“ und „Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist zwölf!“ auf den Marktplatz stellt und Lieder vor sich her singt. Ihr für den Weltfrieden und eine heile Welt? Schön, herzlich willkommen im grundliegensten Konsens.  Wie wäre es, wenn ihr euch einmal ernsthaft mit den Missständen in der Welt auseinandersetzt und konstruktive umsetzbare Lösungsvorschläge bringt? Aber nein, Fehlanzeige. Die DSDJ versucht ja nicht einmal so zu wirken, als hätten sie vernünftige Ansätze. Sie singen „Es ist Zeit für das Jüngste Gericht! Jugend auf die Barrikaden, wir erobern das System, weil wir sonst keine Zukunft haben!“ und denken sie hätten die Weisheit mit Löffeln gegessen. Bei solchen Phrasen frage ich mich regelmäßig: Was glaubt ihr macht die gesamte Regierung, und was glaubt ihr was machen die ganzen Forscher, die versuchen globale Probleme zu lösen? Glaubt ihr die tun nur so, als würden sie arbeiten  und sitzen eigentlich den ganzen Tag vor dem PC, um Candy Crush zu spielen, anstatt unsere aber eben auch deren Probleme zu lösen? Ok, bei Politikern würde ich dem nichtmal ganz widersprechen – aber weiter im Text. Wenn ich zu einem Mitglied der DSDJ gehe und sage: „Ich habe Depressionen“, dann ist deren Antwort vermutlich: „Dann sei doch glücklich!“, denn genau das so argumentieren sie, wenn es um Politik geht.

Frieden ist die Lösung für Krieg, alle Flüchtlinge reinlassen ist die Lösung für das Flüchtlingsproblem, Reichen das Geld nehmen und es den Armen geben ist die Lösung für Armut und alles abschaffen, was CO² produziert ist die Lösung für den Klimawandel. Dass diese Pseudolösungsansätze in der Realität nicht den Hauch einer Substanz haben ist der DSDJ leider nicht klar. Und die, die wohl am verwundersten wären, wenn man ihre Forderungen umsetzten würde, wäre die DSDJ selbst. 

2 Antworten

  1. K.Fraundorf sagt:

    Ich halte es für bedenklich, die Sankt-Greta-Jünger als „unabhängige“ Organisation zu bezeichnen. Man sehe sich nur mal ein wenig an, wer die Sache finanziert, pusht und letzten Endes ausnutzt (auf EIKE gibt es nette Artikel dazu). Ja, ich bin einer von diesen „alten weißen Männern. Und als solcher habeich in meiner Jugend leider ähnliche „ganz freiwillige“ Kinder- ud Jugendaufmärsche mitmachen müssen. Damals ging es nicht um die Rettung der Welt vor dem ach-so-furchtbaren Klimawandel, sondern um den „Siegeszug des Sozialismus“. Ich bin nicht 1989 auf die Straße gegangen und habe Prügel von Stasi und Vopo riskiert, damit heute tiefrote Kommunisten im grünen fadenscheinigen Mäntelchen meine Kindern und Enkeln wieder in ein totalitäres Regime mit staatlich verordneter Mangelwitschaft zwingen und sich selbst dafür noch feiern. Diese „Bewegung“ der Schulschwänzer ist für mich nichts als Kindesmissbrauch: Die Arg- und Ahnungslosigkeit der Kinder wird wieder ausgenutzt um politisches Kapital daraus zu schlagen. Leider hat dies lange unselige Tradition: Russland (Lenin-Pioniere, Komsomol), Nazideutschland (Hitlerjugend), China (Rote Garden), DDR (Jungpioniere, FDJ). Ich hätte nicht gedacht, dass das geschichtliche Gedächtnis jemals so kurz werden könnte! Also bitte: Nicht verharmlosen, sondern alsdas brandmarken, was es ist: Der erneute Versuch, die Jugend politisch zu indoktrinieren ud auszunutzen.

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Naja aber eine Ideologie kann man da schon erkennen. Die hat ja auch meist nicht soo viel mit Nachdenken zu tun…