Planlos in den Klassenraum zurück?

Von Leopold Vogt | Eine Hoffnung bleibt den Besiegten: die Hoffnung, keine Hoffnung mehr zu haben.

So oder so ähnlich fühlte sich vielleicht manch prospektiver Abiturient, als die Hoffnung auf das Paradies auf Erden a.k.a. “Durchschnittsabi” begraben wurde – schade! Und zu allem Übel wurde für uns Zwölftklässler eine Wiedereröffnung der Schule beschlossen.

Aber die Umsetzung zumindest ist ganz lustig: Desinfektionsmittel am Eingang, Maskenpflicht auf den Gängen und Treppenhäuser im Einbahnbetrieb. Nur im Klassenzimmer, da setzt jeder seine Maske ab und der Hintersitzer erzählt stolz von seinem Covid-Fall in der Familie. Spätestens jetzt, am zweiten Schultag kommen einem ernsthafte Zweifel ob der eigenen Sicherheit in der Schule.

Auch kommen einem Zweifel ob des Nutzens der verschiedenen Maßnahmen zum Infektionsschutz, wenn man Fahrgemeinschaften von und zur Schule beobachtet.  Doch auch die Gefahr für die eigene Gesundheit erscheint marginal im Gegensatz zur Gesundheit meiner – doch etwas älteren – Eltern, mit Asthma und Diabetes. Bitte verstehen Sie mich hier nicht falsch, die Abiturprüfung an sich ist ja mit geringem Ansteckungsrisiko durchzuführen und auch das Kultusministerium (zumindest in Bayern) ist sehr entgegenkommend im Hinblick auf die letzte Halbjahresnote, die teils nicht mehr fertiggestellt werden konnte und eigentlich jeder, dem eine Note fehlt, bekommt eine sehr entgegenkommende Regelung, sollten die bisherigen Noten schlechter ausgefallen sein als die der restlichen drei Halbjahre.

Die Situation ist vertrackt und wie man’s macht, macht man’s falsch: wenn die Schule geschlossen bleibt, laufen Eltern sturm weil sie ihre Nachzucht zwar oft gerne motiviert im Stundentakt von einer Bespaßung zur nächsten fahren, aber niemals zwei Monate daheim aushalten könnten (was bei kleinen Kindern ja auch irgendwie nachvollziehbar ist). Wird dagegen der Schulbetrieb wieder aufgenommen öffnet man einen der größten Infektionsherde. Wenn 17- und 18-Jährige vielleicht noch einigermaßen Abstand halten, wie soll das bei 14- oder sogar 10-Jährigen funktionieren? Und selbst wenn die meisten Schüler eine Infektion gut überstehen würden, wie will man davor ernsthaft die oft im Haus lebenden Großeltern oder auch nur die Eltern bewahren?

Eine große Erkenntnis auch aus der spanischen Grippe ist doch gerade, dass die Schließung von Schulen und Kindergärten wichtig ist: “Als besonders wirksam erwiesen sich dabei, den Forschern zufolge, Schulschließungen und Versammlungsverbote, sowie generell die Kombination mehrerer Maßnahmen. Sobald die Maßnahmen aber gelockert wurden, stiegen die Verstorbenenzahlen der Studie gemäß wieder, es folgte eine „zweite Welle“.” ( inzwischen hinter der Paywall, abgerufen von faz.net am 28.4.)

Es gehört faktisch zum Anforderungsniveau für 17-jährige Aspiranten für die allgemeine Hochschulreife, sich selbstständig Material zur Übung zu besorgen (zum Beispiel Abituraufgaben mit Lösungen). Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand nicht über eine Internetverbindung verfügt kann die Schule auch Material zum Abholen anbieten (oder dieses auch vorbeibringen). Damit wäre das Ansteckungsrisiko drastisch niedriger als Präsenzunterricht für alle.

Jedenfalls ist die anfängliche Unsicherheit ob des Stattfindens der Prüfungen beendet, jede Hoffnung auf Ausfall begraben und die unbeschwerte Zeit mit zwei bis drei Stunden Abiturvorbereitung pro Tag zu Ende. Mit jeder Woche ohne Beschulung stieg meine Motivation, mehr für die Abiturvorbereitung zu tun. Ich bin mir sicher ohne weitere Beschulung wären 14 Punkte möglich gewesen (entspricht 1,00) – naja, jetzt muss die Motivation nach fünf bis sechs Stunden Schule halt wieder aufgebaut werden. Auch das ist zu schaffen, vorausgesetzt mein Mitschüler steckt mich nicht an…

2 Antworten

  1. Dr. Götze sagt:

    In Zeiten der angeblichen, mittlerweile schon Post Corona Krise verfällt Apollo News offensichtlich in kollektives ängstliches Bibbern! Bei sonst doch scheinbar aufgeklärten Menschen irgendwie nicht wirklich verständlich! Die reifen Kollegen von “ach gut”, die doch eigentlich eher Grund hätten sich zu fürchten, sind da deutlich entspannter… Jungs und Mädels, informiert euch mal dort, wo nicht der Mainstream nur Panik und Horror verbreiten möchte im Geiste der Politiker!

  2. karlchen sagt:

    Endlich schreibt das mal jemand, was das für ein Käse ist mit den Schulöffnungen! Danke dafür!