„Okay, Boomer“ – wie unser Humor tickt

Von Michael Friese | Zwischen dem Humor der älteren Generation, den „Boomern“, und den jüngeren Leuten, den „Millennials“ und „Zoomern“, liegen mehr als nur Welten.  Die Art und Weise, wie wir Witze reißen und Sprüche klopfen, unterscheidet sich grundlegend von der der über 40-Jährigen.

Meine Generation, oft als „Generation Z“ oder „Zoomer“ bezeichnet, sieht sich völlig neuen Phänomenen ausgesetzt, welche die „Boomer“ in ihrer Jugend nicht miterlebt haben. Das dominanteste Beispiel dafür ist das Internet und die Kultur, welche sich bereits dort herum gebildet hat. Das Internet ist mittlerweile nicht mehr nur ein Weg zur bloßen Kommunikation; Unterhaltung, Geschäftliches und der restliche Zeitvertreib spielt sich für viele heutzutage zum großen Teil im Netz ab.
Natürlich haben auch die Boomer das Internet für sich entdeckt und benutzen es ebenfalls für ähnliche Zwecke. Jedoch ist der Spielplatz der Jungen im Netz teilweise sehr strikt von der Welt der Älteren getrennt. Insbesondere die sogenannten „Memes“ sind unter Jugendlichen weit verbreitet. Ein Meme ist ein Netzphänomen, das bedeutet, dass Menschen es sehen und an weitere weiterversenden und sich dadurch eine Information quer durch das Internet verbreitet. Die meisten Memes sind humoristischer Natur, also ein lustiges Bild mit einem coolem Spruch oder auch ein lustiges Video. Selbst Persönlichkeiten können zu Memes werden, wenn sich diese der Lächerlichkeit preisgeben.
Die sogenannten Boomer bedienen sich auch oft solchen Memes, allerdings werden sie von ihnen nicht so genannt. Für sie ist es halt „ein lustiges Bild“, was man gerade auf WhatsApp verschickt.


Wenn man sich nun mit der Internet-Jugend auseinandersetzt, wird es nicht lange dauern, bis jemandem mal ein Kommentar über die Lippen kommt wie „so schlimm wie WhatsApp-Familiengruppen“ oder „WhatsApp-Gruppen sind schon eine Qual“. Es wird dort u. A. auf die von den Teenagern als unlustig angesehenen Bilder angespielt, welche ähnlich wie die Memes aufgebaut sind, sich aber trotzdem anders verhalten und oft von den Eltern, Onkel, Tanten usw. in solche Gruppen versendet werden. Seien es Minions, die irgendetwas tollpatschiges anstellen, Katzenbilder mit Guten-Tag-Grüßen oder auch pseudo-tiefgründige Sprüche über das Leben. Während die Boomer solche Bilder abfeiern und an ihre Lieben weiterschicken, weil sie es für süß, lustig oder emotional halten, können sich die Teenager am anderen Ende der WhatsApp-Gruppe oft überhaupt nicht mit den Bildern identifizieren. Für sie sind diese Bilder nicht süß, lustig und emotional sondern nervig, unangenehm und käsig.


Was mag aber nun die Jugend? Was ist denn nun lustig und cool? Ich, der mit meinen 18 Jahren selbst dazugehört, sollte das doch am besten einschätzen können, oder? Nun ja, es ist schwierig. Memes sind, wie ich finde, der beste Anhaltspunkt für den Humor der Jugend, weil man in ihnen sehen kann, was gerade angesagt und lustig ist. Ein YouTuber, Streamer oder anderer Influencer, der einen lustigen Spruch gerissen hat oder einen neuen Begriff geprägt hat, wird eben auf dem Schulhof von jedem Schüler rezitiert.
Es kommt aber auch vor, dass Memes bekannt werden, bei welchen ich mir denke: „Das ist überhaupt nicht lustig. Wieso feiern Leute sowas?“ Damit stehe ich auch nicht vollkommen alleine da. In der jungen Generation gibt es oft Memes, die umstritten sind. Während andere sich totlachen, sitzen die anderen daneben und denken sich: „Alter, ist das cringe!“ – das Wort „cringe“ als Adjektiv kann man mit „fremdschamerregend“ übersetzen.


Was man aber allgemein über Memes sagen kann ist, dass sie sich oft Themen bedienen, welche typisch für die jungen Leute sind wie Schule/Studium, Eltern und Hobbys. Es gibt für allerlei Alltagssituationen das richtige Bild, zu welchem man „relaten“ (sich mit identifizieren) kann: Wenn man erst zu Stundenbeginn die Hausaufgaben anfängt zu machen, wenn die Mutter einen ruft und am Ende nichts von einem will und man deshalb umsonst nach unten gelaufen ist und wenn man im Sportunterricht sich den Salto total geschmeidig vorstellt, man sich am Ende aber das Genick bricht und im Krankenhaus landet, sind Situationen, mit welchen man sich identifizieren kann.


Die Art und Weise, wie wir lachen, ist definitiv undurchsichtig und oft auch etwas unvorhersehbar. Selbst ich verstehe den Humor meiner Generation nicht zu 100 Prozent, weil es so viele Szenen und Communitys mit ihren eigenen Insidern und Running-Gags gibt. Allerdings sind die Muster, nach welchen die meisten Witze entstehen, etwas vollkommen neues und ziehen sich wie ein roter Faden durch uns junge Leute, weshalb es den älteren Leuten noch schwerer fallen dürfte, diese überhaupt nachzuvollziehen. Nicht umsonst ist der Spruch „Okay, Boomer!“ zu einem Meme geworden.

2 Antworten

  1. Melina Müller sagt:

    Habe mich letztens mit einer 18 Jährigen unterhalten, die 9gag nicht kannte. Da kam ich mir mit meinen 27 auch schon alt vor. Aber ich glaube neu ist dieses Phänomen nicht, das du beschreibst. Jede Generation hat das Bedürfnis sich von der vorherigen abzusetzen, jede hat ihre Insider und möchte etwas Eigenes. Und das man das Gefühl hat das die Eltern den eigenen Humor nicht verstehen kommt bestimmt den meisten bekannt vor.

  2. Olaf sagt:

    Also nur wundern und zur Kenntnis nehmen