ÖPNV? Nein Danke! Ohne Moped bewegt sich auf dem Land nichts

Von Jonas Aston | “Mama fährst du mich“? An fast keinem Tag kam mein 14-jähriges Ich an dieser Frage vorbei. Wollte ich Freunde treffen oder zum Fußballverein – ohne fahrwilliges Elternteil war ich auf dem Land verloren. Tagsüber kommt der Bus nach Plan theoretisch alle zwei Stunden. Ich schreibe theoretisch, da der Bus nur dann fährt, wenn das Busunternehmen einen Tag zuvor informiert wird, dass eine Transportmöglichkeit benötigt wird. Abends werden die Bordsteine sowieso mitsamt der Bushaltestelle hochgeklappt.  

An meinem 15. Geburtstag wurde ich aber schlagartig unabhängiger. Um die Mobilität von Jugendlichen zu erhöhen, wird in den neuen Bundesländern ein Modellversuch durchgeführtDemnach kann die Führerscheinklasse AM (für Mopeds) schon mit 15 und nicht erst mit 16 Jahren erworben werden. Der Modellversuch wird sehr gut aufgenommen. In meiner Klasse hatte jeder dritte diesen Führerschein gemacht.

Die Simson-Mopeds sind für die ostdeutsche Jugend also nicht nur fahrbarer Untersatz. Sie stehen für Freiheit, Identität und ein Lebensgefühl.

Die meisten fuhren ein Moped der Marke „Simson“, Roller werden eher verpönt und das nicht nur weil man mit den Simson-Mopeds 60 statt 45 km/h fahren darf. In den neuen Bundesländern werden zahlreiche Simson-Treffen und gemeinsame Ausfahrten durchgeführt. Außerdem kann an den Mopeds sehr einfach “gebastelt“ werden. So lernte man einiges über Motoren und hat sich nicht immer an die zugelassenen 50 ccm gehalten (Ich natürlich schon!). Die Simson-Mopeds sind für die ostdeutsche Jugend also nicht nur fahrbarer Untersatz. Sie stehen für Freiheit, Identität und ein Lebensgefühl.

Das Mopedfahren wird jedoch immer mehr zu einer Luxusangelegenheit. Simson wird seit dem Ende der DDR nicht mehr produziert, erfreut sich aber weiterhin großer Beliebtheit. Hierdurch sind die Preise für Mopeds in der Vergangenheit massiv gestiegen. Die Politik wirft uns Jugendlichen weitere Steine in den Weg. Die hohen Rohstoffpreise schlagen auf die Kosten von Ersatzteilen durch, die gerade bei Mopeds massenweise benötigt werden. Die Spritpreise tun ihr Übriges. Denjenigen, die nicht doch auf das Lastenfahrrad umsteigen wollen, wird damit Nostalgie und ihre Unabhängigkeit geraubt.