New York quartiert Obdachlose in Luxushotel – und muss das Projekt schnell wieder abbrechen

 

Von Elisa David | Die Upper West Side von Manhattan ist als ein angesehener, wohlhabender Stadtteil von New York bekannt. An der Grenze zum Central Park gelegen, mit vielen bekannten Film Locations, Museen und Galerien zieht er immer wieder viele Touristen aus aller Welt an und bietet dem gehobenen Mittelstand ein Zuhause – jedenfalls war das einmal so. Denn zu Coronazeiten hatte die New Yorker Regierung einen glorreichen Einfall, auf den auch nur die Demokraten kommen konnten. Um die Ausbreitung von COVID in den Obdachlosenheimen zu verhindern und um die Armen und Reichen von New York zusammen zubringen, wurden kurzerhand hunderte Obdachlose in einigen Hotels der Upper West Side untergebracht – Hotels in der Bronx waren wohl nicht gut genug.

Das „Lucerne“ war eines dieser zu Obdachlosenunterkünften umgestalteten Hotels. Ich habe mal die Angebote des Hauses recherchiert, um herauszufinden, wie viel die Schwächsten der Gesellschaft dem Staat New York wert sind, und – nun ja, sagen wir: es ist vielleicht gerade mal erträglich. Ein Zimmer kostet 200$ pro Nacht. Die Bruchbude gegenüber dem Central Park verfügt über kostenloses WLAN und pro Zimmer nur über einen einzigen Flachbildfernseher mit Premiumkanälen und ist mit Markenpflegeprodukten und einer popeligen Keurig-Kaffeemaschine (~500€) ausgestattet. Zimmerservice wird gerade mal 24 Stunden am Tag angeboten.

Von Fotos her zu urteilen, scheinen die Betten mit Seidenbettwäsche bezogen zu sein. Gerade das ist meiner Meinung nach ziemlich enttäuschend, wenn es sich nicht – und das befürchte ich – um die originalen mit Goldfaser bestickten Moët-Champagner-farbenem Lotusseidenbettdecken handelt, in denen Marie Antoinette am 15. Oktober 1771 bei ihrem Staatsbesuch in Monaco schlief. Fazit: ich will diesen billigen Schund dort nicht mal für geschenkt – das dachten sich die 300 Obdachlosen die dort residieren sollten wohl auch. Denn trotz der großen, edel gefliesten Badezimmer mit denen die Zimmer ausgestattet sind, zogen einige von ihnen es laut Anwohnerberichten vor, ihre Notdurft auf der Straße zu verrichten. Zu diesen (öffentlichen) Geschäften kamen noch weitere hinzu: Etliche der alkoholabhängigen und psychisch kranken Männer sollen Drogen verkauft und öffentlich konsumiert, sowie Fußgänger bedroht haben.

Das Projekt, das dazu gedacht war, den heimatlosen Menschen eine bessere Lebensperspektive zu bieten, wird wohl eher zur Folge haben, dass die eigentlich linksliberal geprägten Anwohner zu Republikanern bekehrt werden – denn nach Anwohnerprotesten musste das Experiment frühzeitig abgebrochen werden. Es bildete sich der Verein „West Side Community Organization“, der sich für den renommierten Anwalt und ehemaligen stv. Bürgermeister New Yorks, Randy Mastro, engagierte – mit der Drohung die Stadt zu verklagen. Bevor es allerdings dazu kommen konnte, hat New York das Wohnprojekt freiwillig abgebrochen. Nun hagelt es Kritik – aber nicht gegen die Regierung, die veranlasst hat, psychisch kranke Menschen unbeaufsichtigt auf die Nachbarschaft loszulassen, und sich selbst als die tollen Retter darstellt, sondern gegen die Anwohner, die sich das nicht gefallen lassen wollten. Sie werden nun als Heuchler beschimpft, die ihren Wohlstand ausnutzen, um gegen sozial Schwächere vorzugehen, während sie sich gleichzeitig mit einer linken politischen Einstellung schmücken. Und ja, man könnte sicherlich vielen von ihnen vorwerfen, dass sie sich für soziale Projekte nur solange begeistern, wie sie diese nicht vor ihrer Haustür haben. Aber ich würde auch der grünen Wählerschaft und meinen größten Feinden nicht wünschen, dass verurteilte Sexualstraftäter in einem Luxushotel unweit des Kinderspielplatzes auf Kosten ihrer Steuern untergebracht werden, wie es bei dem Hotel Belleclaire der Fall war. Die New York Times berichtete in dem Artikel „Inmitten von Verbrechen und Chaos – New Yorker Mütter fliehen aus der Upper West Side“, dass viele wohlhabende Familien sich so unsicher gefühlt haben, dass sie weggezogen sind.

Das Projekt erinnert mich sehr an Erzählungen meiner Eltern aus der DDR. Meine Familie stammt aus Binz auf Rügen – einem schönen Bade- und Kurort. Wer schon einmal dort war, kennt vielleicht die prunkvollen Villen aus der Gründerzeit, die direkt an der Strandpromenade erbaut wurden. In der DDR wurden die Besitzer dieser Villen allesamt enteignet und die Grundstücke zu Volkseigentum gemacht. Das hatte zur Folge, dass mein Onkel in einem riesigen Anwesen mit Säulen und Marmorlöwen am Eingang, in den Kindergarten ging. Man kann sich vorstellen, was davon heute übergeblieben ist. Genau wie in der DDR prallen jetzt in New York sozialistische Wunschträume auf die Realität. Das Ergebnis ist skurril, für die normale Bevölkerung aber ein ernsthaftes Problem. Und: Welche Regierung kommt schon auf die geniale Idee, Kriminalität mit aller Macht in ein funktionierendes Viertel zu drücken? 

3 Antworten

  1. Dominik Cnyrim sagt:

    Durch Zufall Eure Seite entdeckt und mehr als angenehm überrascht!

  2. karlchen sagt:

    Wie naiv kann man sein?
    Witzig geschrieben!

  3. Max Media sagt:

    Vielen Dank für diesen informativen Artikel!
    Davon hab ich bisher nirgends was gehört.