Neues von der Deutschen Bahn

Karl Dramm | Wir kennen sie alle und sind alle auf sie angewiesen: die Deutsche Bahn. Wie viele unzählige Male verzweifeln arme Touristen, gestresste Pendler oder frustrierte Neu-Bahn-Fahrer an diesem staatlich-privaten Konstrukt. Ob Verspätungen oder Geldprobleme, für eine Schlagzeile ist die Deutsche Bahn nunmal leider immer zu haben. Dieses Mal ist es erneut Letzteres.

Bereits in einem früheren Artikel ging es darum, dass Cem Özdemir (Bü90/Grüne) die Bahn aufforderte, wegen der immensen Geldprobleme, die Tochterfirmen DB Schenker und DB Arriva zu verkaufen. Man solle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. So weh es einem auch tut es zuzugeben, hat der Grünen-Politiker damit absolut Recht. Das Konstrukt Bahn “AG” ist nichts Halbes und nichts Ganzes und stürzt so sich, und vor allem die Millionen auf sie angewiesenen Fahrgäste ins Verderben.

Wie bereits seit langem bekannt, geht es der DB aktuell wirtschaftlich nicht optimal, oder um es realitisch auszudrücken: sehr schlecht. Trotz hoher Fahrpreise und Einnistung in andere Wirtschaftszweige, Länder und Themengebiete fehlen dem Unternehmen solide drei Milliarden Euro im Jahr 2019, so jedenfalls die Einschätzung des Bundesrechnungshofes.

Die Empfehlung dabei ist, die Tochterfirma DB Arriva wieder zu verkaufen. Erst 2010 übernahm die Deutsche Bahn die Firma für 2,8 Milliarden Euro, doch sie bringt kaum Gewinn. Nach dem Verkehrswissenschaftler Christian Böttger von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft erwirtschafte Arriva nicht mal die eigenen Kapitalkosten. Ob der Verkauf die DB weiter bringt, weiß man also auch nicht genau. 

Sollte die Deutsche Bahn die Geldlücke durch den Verkauf nicht schließen können, muss sie sich wieder “gesund schrumpfen”: sie kann, sollte der Verkauf von Arriva nicht genug Geld bringen, ihre Investitionen nicht mehr “aus eigener Kraft finanzieren”, laut einem Dokument. Hauptgrund dafür sind die typischen Übeltäter: neue Züge, “Digitalisierung”, und der Bahn-BER, Stuttgart 21. “Gesund schrumpfen” müsse man sich dann eben mit dem Verkauf der Logistiktochter DB Schenker, so der Rechnungshof. Aber von all dem habe die Bahn nichts gehört, “die finanzielle Stabilität des DB-Konzerns zeigt sich unter anderem auch in dem unverändert guten Rating am Kapitalmarkt”, so die Bahn. 

Um den Ernst der Lage besser darzustellen: der Bundesrechnungshof hat deen Eigentümer, also den Bund dazu aufgefordert, nicht benötigte Teile des Unternehmens schlichtweg zu verkaufen. Die Schulden der Bahn haben bereits am 30. Juni den Grenzwert für das gesamte Jahr überschritten. Von der Seite des Bundesverkehrsministers Scheuer (CSU) kam nur ein weiterer lascher Motivationsspruch an die Deutsche Bahn. Er beauftragte den Bahn-Vorstand, “die Konzernstrukturen effizienter zu organisieren sowie zu verschlanken”. Das Ergebnis einer völlig fehlgeschlagenen Bahn-“Privatisierung” nach der Wende. Appeasement vom Bund und keine Änderungen bei der Bahn – im Westen nichts Neues. 

Es wird Zeit, dass sich beim Monopol-Konzern Bahn etwas ändert, aber nicht nur kleineres. Das Konstrukt wird von dem öffentlich-rechtlichen Medien immer wieder gelobt, dabei wird das Auge geschlossen, wenn der nächste irreversible Schaden droht. Der eigentlich alleine Auftrag, den Schienenverkehr in Gut und Person zu übernehmen ist schon lange nicht mehr die selbstermachte Hauptaufgabe des Staatsunternehmens, und genau da liegt das Problem. 

Wir brauchen eine richtig privatisierte Bahn und einen stärkeren Willen, diesem gescheitertem halb-halb Konstrukt durch Privatisierung wieder an die eigentliche Aufgabe zu binden: Verbinden.

1 Antwort

  1. moneypenny sagt:

    Ich möchte so gerne einen Kommentar zu Ihrem sympathischen Artikel schreiben, aber zur Deutschen Bahn fällt mir einfach nix ein – außer, dass Sie irgendwie immer theoretisch ein schönes Verkehrsmittel ist, praktisch jedoch (zumindest hierzulande) meist eher nicht…