Millionäre gegen den Kapitalismus: Das mit dem Wein und dem Wasser

Von Max Zimmer | Es ist ein paradoxes Phänomen:

Gerade Persönlichkeiten, die von der Marktwirtschaft besonders profitieren, große Unternehmen führen, Erfolge am Markt feiern und auf den Wellen unseres Wirtschaftssystems reiten, üben scheinbar besonders gerne Kritik am Kapitalismus.

Ob der CEO von JP Morgan, der sich über die Ungleichheiten des Kapitalismus besorgt zeigt, Siemens-Chef Josef “Joe” Kaeser, der vor einer Spaltung von Arm und Reich warnt, und einen “inklusiven Kapitalismus“ fordert, ehemaliger Top-Manager Peter Grassmann, der mit seinem Buch eine stärkere Regulation der Marktwirtschaft propagiert, oder Mode Designer Wolfgang Joop, der sich über den Markt ein multi-Millionen Vermögen aufgebaut hat, und jetzt mit Sahra Wagenknecht zusammen Kapitalismus-Kritik übt, und ein bekennender “Linken“-Wähler ist.

All diese Leute haben eines gemeinsam:

Sie alle haben die Freiräume des privaten Wirtschaftens genutzt, und sich über die freien Kräfte des Handels ihr Vermögen aufgebaut.

Aus dieser persönlichen Erfolgsgeschichte ziehen sie nicht etwa den Schluss, dass der Kapitalismus etwas Gutes ist, der genau diesen Aufstieg ermöglicht, und dass somit jeder ein Anrecht auf freien Handel, privates Eigentum und möglichst freie Märkte haben sollte. Vielmehr zeigt sich eben das genaue Gegenteil, mit großem unternehmerischen Erfolgen scheint paradoxerweise eine Skepsis gegenüber der Marktwirtschaft einherzukommen.

Nicht bei allen, freilich.

So ist Elon Musk ein bekennender Unterstützer des Kapitalismus, genauso wie ein Steve Jobs es war, und auch viele andere Koryphäen des Unternehmertums.

Die Tatsache aber, dass gewisse Unternehmer und Manager die Chuzpe haben, das System anderen vorenthalten zu wollen, dass ihnen ihre Lebensgrundlage gegeben hat, halte ich für verstörend.

Gerade der Unternehmer, der tagtäglich beweist, welche Möglichkeiten der Kapitalismus und die Marktwirtschaft offen halten, was man mit genügend harter Arbeit, Willensstärke und einer guten Idee erreichen kann, gerade diese Menschen sollten leidenschaftliche Fürsprecher dieses großartigen Wirtschaftssystems sein.

Statt weniger Kapitalismus zu fordern, der in unseren westlichen Industrienationen sowieso schon an Boden verliert, und dessen Märkte immer weniger Platz haben zwischen Staat und Staatskonzernen, sollten es gerade die Vorbilder der Marktwirtschaft sein, die sich für mehr Freiheit und weniger Staat einsetzen, und somit allen die Chance geben, an den Möglichkeiten der Marktwirtschaft zu partizipieren.

3 Antworten

  1. flamma sagt:

    Grundsätzlich eine interessante Feststellung – bis auf einen Denkfehler: Die angeführten Kapitalismuskritiker sind – abgesehen von Joop – gerade KEINE Unternehmer, die ein Vermögen aufgebaut haben, sondern Lohnsklaven, wenn auch in Führungspositionen, die dennoch als leitende Angestellte nie etwas aufgebaut, sondern lediglich verwaltet (denn nichts anderes als ein Verwalter ist ein Manager) haben. Wohingegen die angeführten Befürworter des Kapitalismus tatsächlich selbst etwas aufgebaut haben und somit (im Gegensatz zu den anderen) wissen, worüber sie sprechen.

  2. moneypenny sagt:

    Ja, das erinnert in der Tat an den Teil des mittelalterlichen Klerus, der Abstinenz predigte, jedoch selber weltliche Genüsse liebte – diese bisweilen ja auch kultivierte. Keiner will schließlich der heiligen Inqusition zum Opfer fallen…