Migration und Islam – ein Argumentationsleitfaden

Von Daniela Wagner | Wer kennt es nicht: Man diskutiert im Familien- oder Bekanntenkreis zum 100. Mal über Flüchtlingspolitik und den Islam und es entsteht eine Situation, in der beide Seiten eher emotional argumentieren oder Behauptungen nicht belegen (können). Während Linke ständig von Medien und Öffentlichkeit in ihren Ansichten bestätigt werden und leicht sagen können: „Aber das hat man doch letztens auch wieder in der Tagesschau gehört!“, müssen Bürgerliche mehr Aufwand betreiben, um Argumente für ihre Position zu finden.

Sämtliche Faktenchecks zu „rechtspopulistischen“ Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen lassen häufig Fakten aus, die den bösen Rechtspopulisten in die Hände spielen könnten. Dieser Artikel soll vor allem Fakten für Debatten über Flüchtlingspolitik und Islam liefern.

1) Integrationsbereitschaft

Viele gehen noch immer davon aus, dass (muslimische) Migranten sich in unsere Gesellschaft eingliedern wollen und Integration nur eine Frage der Zeit ist. Wenn man sich jedoch Studien zur Integrationsbereitschaft nichtdeutscher Muslime anschaut, zeichnet sich ein anderes Bild ab.  Laut einer Studie, die im Auftrag des Innenminesteriums durchgeführt wurde, lehnen 48% die Integration in die deutsche  Gesellschaft ab. Weitere 24% haben nur eine mäßig ausgeprägte Integrationsneigung. Auch bei den Muslimen mit deutscher Staatsbürgerschaft haben 48% nur eine mäßige Integrationsneigung und 22% lehnen die Integration ab.  

Auch bei den verbleibenden 28 bzw. 30%, die sich integrieren wollen, stellt sich die Frage, wie hoch die Erfolgsaussichten sind. Man sollte sich selbst fragen wie gut man sich in Länder integrieren könnte, in denen strikte Geschlechtertrennung herrscht und in denen Homosexualität illegal ist wie bspw. in Syrien. In vielen Klassenzimmern bilden sich mittlerweile neue Mehrheiten. Worein soll man sich denn integrieren, wenn man kaum mit der deutschen Kultur in Kontakt kommt?  

2) Fundamentalismus

Ein Argument, auf das ich häufig stoße, wenn es um religiösen Fundamentalismus geht ist, dass es unter Christen ja auch Fundamentalisten gibt und dass das alte Testament auch gewaltverherrlichende Passagen enthält. Beide  Aussagen sind  korrekt, aber relativieren das Problem des viel häufiger anzutreffenden muslimischen Fundamentalismus. Laut einer Studie, die vom Wissenschaftszentrum Berlin veröffentlicht wurde, sind 44% der Muslime in Europa, aber nur 4% der Christen fundamentalistisch.  

In Deutschland stellen  47 bis 50% der Türken der dritten Generation ihre religiösen Gebote über das Grundgesetz. In Großbritannien wollen 52% der Muslime Homosexualität verbieten und mehr als 40% befürworten die Scharia. In einem östlich gelegenen Stadtteil Londons haben muslimische Sittenwächter bereits 2013 versucht die Scharia einzuführen. Frauen wurden beispielsweise dazu angehalten keine kurzen Röcke zu tragen  .

3) Kriminalität

Noch immer höre ich recht häufig das Argument: “Aber Deutsche begehen doch auch Straftataten.”, wenn es um Flüchtlingskriminalität geht. Auch dieses Argument berücksichtigt keine Proportionen. Im Jahr 2018 war jeder ca. jeder neunte Flüchtling kriminell (ohne ausländerrechtliche Verstöße). Im Vergleich dazu war aber nur jeder 49te Deutsche kriminell.  Auch wenn man berücksichtigt, dass Flüchtlinge jünger sind als Deutsche und es unter ihnen mehr Männer gibt, sind sie dennoch stark überrepräsentiert.  Ca. 6% der deutschen Männer im Alter von 30-40 Jahren werden kriminell, aber ca. 12% der männlichen Zuwanderer dieser Altersgruppe.  

4) Bildung und Arbeitsmarkt

Besonders zu Beginn der Flüchtlingskrise hat man häufig Artikel darüber lesen können, dass die Flüchtlinge für ein Wirtschaftswunder sorgen könnten, da sie jünger als die Deutschen und hoch qualifiziert seien. Diese Hoffnungen haben sich leider nicht bestätigt. 75% aller anerkannten syrischen Flüchtlinge beziehen Hartz IV. Überdies sind ca. 50% der syrischen Flüchtlinge in türkischen Flüchtlingslagern funktionale Analphabeten.  In Deutschland ist der Anteil niedriger als 10%.

Wenn ich mit Bekannten über diese Themen debattiere, stelle ich häufig fest, dass mein Gegenüber schon gespürt hat, wie es um Integrationsbereitschaft etc. bestellt ist. Allerdings reden sich viele ein, dass das ja alles gar nicht so schlimm ist und verdrängen diese Probleme so lange sie es können. Wenn ein Stadtteil zu bunt wird, zieht man in den nächsten und sagt allen, dass man sich aus irgendeinem Grund unsicher in der alten Wohngegend gefühlt hat. Diese Leute sind oftmals erleichtert, wenn jemand ausspricht, was sie sich schon lange gedacht haben. 

Andererseits gibt es natürlich auch Personen, die rationalen Argumenten überhaupt nicht zugänglich sind und bei diesem Thema schlicht abblocken. Egal wie sachlich man die eigenen Argumente formuliert. Es ist schwer bis unmöglich Menschen mit rationalen Argumenten zu überzeugen, die nicht mit rationalen Argumenten zu ihrer eigenen Position gekommen sind. Mit den Eindrücken bleibt jetzt nur noch eins zu sagen – fröhliches Debattieren!

 

 


Quellen: 

https://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Sozialwissenschaften/BF/Lehre/SoSe_2015/Islam/Lebenswelten_junger_Muslime.pdf ,
S. 608-609

https://www.liportal.de/syrien/gesellschaft/

https://bibliothek.wzb.eu/artikel/2013/f-18232.pdf

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_78149554/integration-der-deutsch-tuerken-die-merkwuerdige-dritte-generation.html

https://edition.cnn.com/2016/04/11/europe/britain-muslims-survey/index.html , https://www.secularism.org.uk/news/2016/12/over-40-percent-of-uk-muslims-support-aspects-of-sharia-law

https://www.youtube.com/watch?v=rcsG-u2GtZE

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung/KriminalitaetImKontextVonZuwanderung_2018.html?nn=62336, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/150613/umfrage/anzahl-der-deutschen-mit-und-ohne-migrationshintergrund/

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/Tabellen/migrationshintergrund-alter.html , https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2018/Standardtabellen/standardtabellenTatverdaechtige.html  (Tabelle 40), http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Bevoelkerung/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVIII3.pdf

https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-09/fluechtlinge-syrer-hartz-iv

https://www.ifo.de/DocDL/sd-2015-20-battisti-felbermayr-fluechtlinge-2015-10-29.pdf

https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2016-11/analphabetismus-deutschland-erwachsene-lesen-schreiben-studie

3 Antworten

  1. fröhlicher Landmann sagt:

    Gute Zusammenfassung die sich aber noch deutlich erweitern lässt. Gerade was den Fundamentalismus betrifft, sollte darauf hingewiesen werden, welch gewaltiger Unterschied da zwischen Christentum und Islam besteht. Nur ein Beispiel: Welche Gefahr geht denn für einen Nicht-Christen oder Andersgläubigen von einem fundamentalen Christen aus? Maximal darf er sich ein missionarisches Gespräch von ihm anhören, denn mehr als ‘die gute Nachricht’ weitererzählen verlangt die Bibel nicht im Umgang mit Nicht-Christen. Wenn jemand sie nicht hören will, dann solle man weiterziehen und den Staub von seinen Füßen schütteln.
    Anders sieht es beim Islam aus, der fundamentale Moslem darf letztlich auch Gewalt anwenden, denn sein Koran legitimiert ihn das, ja er fordert ihn sogar dazu auf. Auch wenn es immer wieder Bestrebungen gibt, den Islam in dieser Hinsicht liberaler zu leben, so werden sich doch auch immer Fundamentalisten finden, die sich am originalen unverfälschten Text orientieren.

  2. Meiner Meinung nach kann man die Argumentation unter Punkt 2 noch schärfen: Das alte Testament gehört zu allen “Religionen der Schrift”, also Christentum, Judentum und Islam. Was das Christentum auszeichnet, ist allein das Neue Testament. An diesem kann man allenfalls zu viel Appeasement (“dann halte die andere Backe hin”) kritisieren.

  3. nordseeschwalbe sagt:

    Schön, dass Sie überhaupt noch debattieren – ich habe es schon aufgegeben…