Antisemitismusbeauftragter bewertet Antisemitismus mit “gefällt mir”

Von Max Roland | Michael Blume ist Antisemitismusbeauftragter in Baden-Württemberg. Nur zur Klarstellung: Ein Antisemitismusbeauftragter ist nicht mit Antisemitismus beauftragt, sondern mit der Bekämpfung von Antisemitismus, oder? Wenn das so ist, dann scheint Blume sein Amt aber wirklich falsch verstanden zu haben. 

Vor einer Woche markierte Blume einen Facebook-Post eines gewissen Alexander Omar Loh mit “gefällt mir”. Loh schrieb, alle “Zionisten, Nazis und Radikale” sollten sich schnellstmöglich von seiner Freundesliste entfernen. Loh und Blume sind auf Facebook befreundet. Und ich komme wieder ins Grübeln, was denn nun eigentlich die Jobbeschreibung von Blume ist. In einem Land, wo der Frauenbeauftragte sich für Frauen einsetzt, sollte sich auch der Antisemitismusbeauftragte für Antisemitismus einsetzen – denkt sich Blume wohl. Es wäre nicht das erste mal, dass der Mann mit einer ausgefallenen Interpretation seines Jobs auffällt: Im Sommer diesen Jahres erklärte Blume, wer Antisemitismus bekämpfen wolle, müsse die Dekarbonisierung vorantreiben – “Energiewende gegen Judenhass” haben wir damals bei Apollo getitelt. Ich wünschte mir fast, er wäre unter den Ökos geblieben. 

Wenn man das Thema googelt, stößt man auf nichts. Wie es momentan aussieht, sind wir wohl noch immer das erste deutschsprachige Medium, welches das Thema überhaupt aufgreift. Dröhnendes Schweigen erfüllt die deutsche Medienlandschaft, die doch sonst über Social-Media-Verfehlungen so gerne herfällt – wenn sie von AfD’lern kommen. Der einzige, der das Thema augenscheinlich bis dato behandelt hat, war Ben Weinthal, Korrespondent der “Jerusalem Post”. 

Deutsche Antisemitismusbeauftragte machen jetzt alles, außer Antisemitismus zu bekämpfen. Warum streichen wir dieses Amt nicht einfach komplett und schenken das Geld, was da pro Jahr ausgegeben wird, den jüdischen Gemeinden in diesem Land für umfassende Sicherheitsmaßnahmen? Denn wer heute auf die Situation deutscher Juden blickt, der muss leider feststellen, dass Holztüren mehr gegen Antisemitismus getan haben als alle Antisemitismusbeauftragten zusammen.

2 Antworten

  1. dasLinkeParadox sagt:

    Diese Personalie reiht sich wunderbar in die Schusters, Knoblochs, Friedmanns… und was die jüdische Bevölkerung hier sonst noch so an “Fürsprechern” zu bieten hat. Das schöne jiddische”Chuzpe” für dergleichen Verhalten, eigentlich für rotzfreche, halbcharmante Umdeutungen reserviert, passt wohl kaum noch für solch offensichtlichen, wenn nicht gar böswilligen Verrat!
    Eine positive Ausnahme scheint die jüdische Gemeinde Halle zu sein. Nach dem grauvenvollen Anschlag gabs sogleich ein Statement von dieser, das nun so garnicht ins übliche Gewäsch der anderen Offiziellen passt! Mazel-tov liebe hallensener Juden!

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Ich fand die Bezeichnung „Antisemitismus-Beauftragter“ immer schon merkwürdig- vielleicht ist sie ja aber einfach nur unabsichtlich ehrlich?