Madame Tussaud’s Berlin schmeißt Trump-Figur in den Mülleimer

Von Elisa David | Im Rahmen des Lockdowns sind viele verzweifelt, weil sie ihre Geschäfte nicht öffnen dürfen. Das Wachsfigurenmuseum „Madame Tussaud’s Berlin“ scheint dagegen regelrecht panisch sein, denn sie versuchten, sich mit einer ganz besonderen Attraktion nochmal Relevanz zu verschaffen, bevor sie die Türen für den nächsten Monat schließen müssen. Möglicherweise weiß man dort aber auch etwas, was wir nicht wissen. Denn das Museum lehnte sich diese Woche sehr weit aus dem Fenster, als sie die Wachsfigur des US-Präsidenten Donald Trump in einer Mülltonne ausstellten und ihn schließlich mitsamt Tonne aus dem Ausstellungsraum rollten.

Die Mülltonne trägt die Aufschrift „Dump Trump: Make America Great Again“, und in der Tonne ist die Trump-Figur umgeben von Müllsäcken und Sprechblasen im Twitter-Stil, auf denen zum Beispiel „You‘re Fired“ steht. „Die Aktion heute ist eher symbolisch gemeint, in Bezug auf die Wahlen in den USA. Und wir, Madame Tussaud’s Berlin, wollten schon mal vorsorglich die Wachsfigur von Donald Trump entfernen“, sagte eine Sprecherin. Auf Instagram postete man ein Foto dieser Ausstellung mit der Beschreibung: „Die US-Wahlen stehen kurz bevor, und wir machen schon mal Platz für den nächsten Präsidenten“ samt der Aufforderung noch einmal Tickets zu erwerben, bis das Museum am 2. November aufgrund verschärfter Corona-Maßnahmen schließen muss. Einige User äußerten sich empört, sie würden das Museum nie wieder betreten. Auch viele Amerikaner beschwerten sich. Einer schrieb zum Beispiel: „Ziemlich respektlos, die Nation zu beleidigen, die euch 70 Jahre lang beschützt hat, nachdem ihr die Welt in Brand gesteckt habt.“

Nichtsdestotrotz hat das Marketing gewirkt, die Nachricht ist im Internet viral gegangen und verbreitete sich über die ganze Welt. Die Twitter-Community der US-Demokraten feierten die Aktion. Der Schauspieler Mark Hamill (bekannt als Luke Skywalker), der für Joe Biden Wahlkampf macht, bedankte sich zum Beispiel bei Deutschland.

Unter den Kommentaren tummeln sich lauter Deutsche, die behaupten, sie hätten Erfahrung mit Faschisten und würden sie auf Anhieb erkennen, wenn sie sie nur sehen. Nun, dazu gibt es einiges zu sagen. Erstens ist es erstaunlich, wie schnell sie aus ihren Ecken gekrochen sind, um mit ihren Erfahrungen zu prahlen, man könnte fast meinen, dass sie stolz darauf sind. Zweitens stellt das Wachsfigurenkabinett auch eine Figur von Hitler aus. Die wurde zwar schon von Besuchern beschädigt und sogar geköpft, aber das Museum hat sie danach immer wieder repariert und bisher wurde sie noch nicht unter großem Presserummel in einer Mülltonne entfernt – so viel zum Thema Prioritäten setzten. Drittens, spielen wir das Ganze mal durch, nehmen wir an, Trump wäre ein Faschist. Und zwar einer von der Sorte, dass wir Deutsche alle ein Déjà-vu haben und unser Faschistenbarometer anspringt.

Ich behaupte, dass er diese Ausstellung als Kriegserklärung angesehen hätte, und das meine ich ganz im Ernst. Denn was wäre, wenn man das zum Beispiel mit Erdogan gemacht hätte? Oder Gott stehe mir bei – sogar mit Mohammed? Wie weit könnte Satire da noch gehen? Mit Beleidigungen Mohammeds haben wir gerade vor kurzem sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Und Böhmermann weiß wahrscheinlich auch noch, dass Erdogan zu beleidigen kein Osterspaziergang ist. Beides würde sich das Museum nicht trauen, nicht mal Hitler haben sie angerührt. Aber bei Trump trauen sie es sich ohne weiteres – das ist für mich ein Beweis dafür, dass er kein so gefährlicher Faschist sein kann. Aber da er ja böse ist, ist es ja auch kein Problem, menschenverachtende und respektlose Witze über ihn zu machen. Wir sind ja schließlich alle gegen Hass und Hetze. Trump selbst hat sich bisher noch nicht dazu geäußert. Aber er hat ja auch Besseres zu tun – eine Wahl zu gewinnen zum Beispiel.

Ich werde jedenfalls dabei sein, wenn sie die Tonne nach einem Wahlsieg Trumps wieder zurückrollen müssen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei TichysEinblick.

1 Antwort

  1. Christian Speicher sagt:

    Egal wie das heute ausgeht, mir werden sowohl solche und vergleichbare hochnotpeinliche antidemokratische (mit kleinem “d”) Aktionen in Erinnerung bleiben, als auch die tausenden und abertausenden dankbaren Menschen die z.B. auch in kiirrender Kälte in Pennsylvania “We love you” skandierten. Ich hoffe sehr, dass die Liebe zu Amerika 🇺🇸 noch einmal über die Lüge, die Boshaftigkeit und Dummheit siegen kann. Über Berlin und Deutschland hingegen versuche ich so wenig wie möglich nachzudenken.