Lieber Linkspartei als AfD? Die Union verrät ihre Wurzeln – und macht der AfD ein Geschenk

Von JAN SCHNEIDER | In einem am Montag veröffentlichten Beschluss des CDU-Bundesvorstands heißt es, die Partei will ,,jegliche Koalitionen oder ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen”. Dass die Union damit nicht nur sich selbst schadet, sondern auch die AfD in ihrer ,,Opferrolle” bestärkt, ist in den AKK-Kreisen wohl ignoriert worden. Außerdem funkt das Präsidium so den einzelnen Landes- und Kreisverbänden dazwischen, welche vielleicht konstruktive Gespräche mit der dortigen AfD geführt haben und eine Zusammenarbeit für sinnvoll halten. So geschehen in einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern, in der die CDUler im Stadtrat mit dem einzigen AfD-Abgeordneten kooperierten. Auch führende CDU-Politiker in Sachsen-Anhalt sagten, man dürfe Koalitionen mit der AfD nicht im Vorhinein ausschließen. Doch, sagt also die Bundesspitze. Die Begründungen sind abenteuerlich: Mal soll die AfD Schuld am  Mord an Kassels Regierungspräsident Lübcke sein, mal eine undemokratische Partei sein, und auch die offensichtlich nicht stattgefundenen Hetzjagden von Chemnitz werden noch als Begründung angeführt. Belege? Fehlanzeige. Stattdessen werden vor allem in Brandenburg Stimmen laut, man müsse näheren Kontakt zur Linkspartei suchen – Genosse Günther aus Schleswig-Holstein lässt an der Stelle herzlich grüßen. In einigen brandenburgischen Dörfern gibt es solche Koalitionen auf lokaler Ebene bereits, in Frankfurt/Oder sogar im Stadtrat. Bei der Landtagswahl im Herbst könnte es passieren, dass gegen AfD oder Linke keine Regierung gebildet werden kann. Dann würde die Union wohl die Linkspartei bevorzugen. Die Einheitsfront der (sogenannten) Demokraten. Mit Sozialisten kann man koalieren, nicht aber mit rechtskonservativen Kapitalisten. Besonders bizarr ist, dass die AfD-Inhalte gar nicht so weit von dem entfernt sind, was die Union mal gefordert hat. Eine Union, die lieber mit der Linkspartei als mit der AfD koaliert, schaufelt sich ihr eigenes Grab nur noch schneller und tiefer. Ein besseres Geschenk kann man der AfD tatsächlich kaum machen.

 CSU-Chef Söder begrüßte die Entscheidung des Präsidiums übrigens und führt seine Partei weiter auf dem Kurs der kontrollierten Rebellion eines Merkelschen Bettvorlegers. 

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