Kreuzberg legt Autofahrern Steine in den Weg

Von MAX ROLAND | Ja ich weiß ,als Bremer sollte ich bloß nicht weiter über Berlin herziehen. Normalerweise hätte ich jetzt gesagt, dass die Hauptstadt wie ein Laborversuch ist, bei dem jeder live und in Farbe die fast schon satirische Destruktivität von Rot-Rot-Grün beobachten kann: Aber da die gleichen Parteien nun auch in der Hansestadt über eine gemeinsame Regierung verhandeln und so den klaren Wahlverlierer Carsten Sieling im Amt halten wollen, sollte ich besser ruhig sein. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.


Apropos Steine. Dass Rot-Rot-Grün eine eher angespannte Beziehung zu Autofahrern hat, sollte bekannt sein. In Bremen wird jetzt bald das Konzept der „autofreien Innenstadt“ Realität – allein diese Schnappsidee wäre einen eigenen Beitrag wert. Berlin ist noch nicht so weit. Selbst die Hauptstadtkoalition hat wohl erkannt, dass man das Auto nicht aus der Stadt verbannen kann – schon gar nicht in Berlin. Aber allerlei Gemeinheiten, wie z.B. Flächendeckend Tempo 30, hat der Senat doch parat.  Neulich muss man in der Bezirksverordnetenversammlung in Kreuzberg mal wieder zusammengesessen und sich gefragt haben: Wie legen wir den Autofahrern am besten Steine in den Weg? Und irgendein Rot-Rot-Grüner Vollhorst hat das wörtlich genommen. Vielleicht ein Praktikant, der im berliner Bildungssystem nicht gelernt hat, was eine Metapher ist. In diesem Falle sei dem armen Menschen verziehen. Auf jeden Fall liegen in der Bergmannstraße in Kreuzberg jetzt riesige Steine auf bzw. an der Straße. Diese riesigen Steine sind testweise dort platziert worden, als eine weitere Maßnahme zur „Verkehrsberuhigung“. Die Anwohner haben das Geschenk noch nicht ganz verstanden und sind empört, dass das Bauamt eine solche Maßnahme ohne vorherige Information umsetzt . Jetzt sei „eine völlig unübersichtliche Situation entstanden“, so eine Anwohnerin gegenüber dem „rbb“. Dabei gebietet doch eine gute Kinderstube, dass man Geschenke nicht ausschlägt – zumal, wenn sie teuer sind. Denn die Testphasensteine in der Bergmannstraße haben Berlin mal eben schlappe 1,1 Millionen Euro gekostet. Wer hat, der hat. 

Teilweise scheint die Straßenführung durch die Steine derartig Eng zu sein, dass man schon mit einem Kleinwagen ganz vorsichtig fahren muss, um Kratzer zu vermeiden. Eine Maßnahme, die keiner wollte und ehrlich gesagt auch keiner braucht, wird bezahlt mit Geld, welches im klammen Berlin eigentlich keiner hat – ein normaler Tag in der progressiven Metropole also.  In Kreuzberg ist jetzt Stein-Zeit.

2 Antworten

  1. blaumilchkanal voll sagt:

    Wäre es Satire, fände man sie übertrieben plump, diese Stein-Installation…

  1. 28. Juni 2019

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