Hamburger Vorstadt: Wo kriminelle Gangs die Straßen kontrollieren und Gelegenheitskiffer mit Drogenspürhunden verfolgt werden

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Von MANUEL FREUND ǀ Ich wohne bereits seit meinem vierten Lebensjahr im Kreis Pinneberg – einem Kreis nahe Hamburg. Ich bin also hier aufgewachsen und kenne quasi nichts anderes. Jedoch habe ich erst in den letzten Jahren das wahre Gesicht meiner Umgebung kennen gelernt. Am Tag hat man das Gefühl, man lebe in einem Rentnerparadies. Bei Nacht offenbart sich jedoch das wahre Gesicht meiner Heimatstadt. Und falls du jetzt denkst: „Das klingt doch wie im Film“, dann hast du es erkannt: Der Kreis Pinneberg ist wie in Breaking Bad in Zonen eingeteilt. Jeder große Dealer hat ein Gebiet und wenn sich ein anderer Großdealer in diese Gebiete einmischt, dann will ich ehrlich gesagt gar nicht wissen, was passiert.
Zusätzlich gibt es in meiner Umgebung türkische Gangs, die ganze Straßen kontrollieren. Nachts laufen diese durch die Stadt und ziehen Leute ab. Ich bin froh, dass ich noch nie von einer der Gangs bedroht oder angegriffen wurde, jedoch wurde mir von Freunden viel erzählt. Wenn man 10 bis 20 Türken gebündelt auf einen zulaufen sieht, dann ist es meistens schon zu spät. Aber, kleiner Hoffnungsschimmer, wenn man sich nicht wehrt und den super männlichen Hobbygangstern, die 15 Mann hoch auf dich losgehen, freiwillig Geld und Wertgegenstände aushändigt, dann kommt man meistens ohne Verletzungen davon.
Ich könne jetzt noch vom ein oder anderem Akt, der sich nachts regelmäßig in unseren Straßen zuträgt, erzählen. Jedoch denke ich, dass ich recht deutlich gemacht habe, wie kriminell es in unserem Kreis zugeht. Jetzt würde man natürlich erwarten, dass die Polizei – unser Freund und Helfer – zumindest versuchen würde, sich um das Problem zu kümmern, aber nein, Fehlschlag! Anstatt den Kokainhandel in unserer Umgebung zu bekämpfen oder gewalttätige Gangmitglieder zu bestrafen, werden lieber Gelegenheitskiffer und Kleinstkriminelle „gefasst“. So kam es beispielsweise vor, dass die Kriminalpolizei Pinneberg einen Hinweis bekommen hat, dass ein Schüler (im Folgenden unter dem Synonym Tom) an unserer Schule angeblich dealen würde. Tatsächlich konsumierte er regelmäßig Cannabis und verkaufte manchmal ein wenig.Deswegen durchsuchte die KriPo Pinneberg Toms ganzes Haus. Schubladen wurden rausgenommen, Kissen und Decken untersucht und sogar ein Drogenspürhund war dabei. So fanden die Polizisten in dem Haus lächerliche 0,3 Gramm Cannabis. Letztendlich wurde das Verfahren eingestellt. Diese ganze Aktion, während Grossdealer die Geschäfte ihres Lebens machen? Damit will ich Drogenkonsum und -handel nicht gut heißen, aber es gibt in unserem Kreis nunmal dringendere Kriminalfälle. So viel Aufwand für einen Kleinkriminellen zu verwenden ist also fast schon Zeitverschwendung.
Nun überlege man sich, wie effizient die ganze Aktion war. Jeder Schritt, von der Bearbeitung des Hinweises bis zur Durchsuchung selbst, kostete die KriPo Zeit. Den genauen Aufwand kann ich nicht abschätzen, aber ich vermute, dass es sich nicht nur um einige Minuten handelt. Die Gesamtlage rund um den Drogenhandel im Kreis Pinneberg hat sich durch den Einsatz jedoch kein Bisschen geändert. Und wenn man bedenkt, dass dies kein Einzelfall in unserem Kreis war, dann wird einem schnell klar: Die KriPo Pinneberg verschwendet bewusst Zeit, um behaupten zu können, dass etwas gegen die Kriminalität in unserem Kreis unternommen wird. Die wirklichen Probleme werden jedoch erst gar nicht angegangen. Die KriPo kann mir allerdings nicht erzählen, dass sie von der ganzen Kriminalität in unserem Kreis nichts wisse, denn regelmäßig gehen Zeugen zur Polizei, um solche Verbrechen zu melden. Ich vermute vielmehr, dass die Polizei keine Lust hat, sich mit schwer zu bekämpfenden Problemen in unserer Umgebung auseinanderzusetzten.

Was allerdings noch schlimmer ist: Obwohl die KriPo mit ihren Sinnlosunterfangen nichts erreicht, stellt sie sich selbst als Retter und Helfer unseres Kreises dar. In Regionalzeitungen wird sich regelmäßig mit solch irrelevanten Minierfolgen gebrüstet, während mir weiterhin das Herz in die Hose rutscht, wenn ich nachts einer Gruppe Asozialer begegne. Und dieses Problem gibt es in ganz Deutschland. Wann nehmen die Behörden die wirklichen Kriminellen ins Visier?

2 Antworten

  1. baghira sagt:

    Hier in Kreuzberg herrschen bekanntlich ähnliche Zustände- mir tun aber die Polizisten eher leid. Man hat den Eindruck, die meisten von ihnen würden sehr gerne mal ordentlich „aufräumen“, Sie bekommen aber nicht die Mittel und vor allem nicht den Auftrag dazu.. Und wenn man mal mit Polizisten redet, sind die alle stocksauer über diese Politik.

  2. Marc E. sagt:

    Erschreckender und guter Erfahrungsbericht! Es wird immer absurder in Deutschland.