Kipping wird nicht wieder als Linke-Vorsitzende kandidieren – Zeit für eine „neue Linke“?

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Von Jerome Wnuk | Katja Kipping wird nach acht Jahren als Linke-Vorsitzende nicht erneut für den Posten des Parteivorsitzes kandidieren. Auch Bernd Riexinger, Co-Chef der Partei, stellt sein Amt zur Verfügung.  Es sei an der Zeit, nach dem Bundesparteitag im Herbst etwas Neues zu beginnen, schrieb Kipping, genaueres gab sie nicht bekanntWas sich verändern wird, ist also unklar, wer das Amt im Herbst übernimmt und welche Linie die Linke im Superwahljahr 2021 verfolgen wird, darüber kann man nur spekulieren. Interessenten für dieses Amt wird es aber auf jeden Fall geben.

Noch vor einem Jahr führten Kipping und Riexinger einen monatelangen erbitterten Richtungsstreit gegen Sandra Wagenknecht, die nach diesem ihr  Amt als Fraktionsvorsitzende im Bundestag aufgab. Spätestens danach galt Kippingals die neue, starke Frau der Linke. Doch schon kurz darauf  dachte sie über einen Rücktritt nach, ein Leben abseits der Führungsämter nannte sie schon damals „sehr verführerisch“. Nun zieht sie sich zurück und gibt den Weg für eine  „neue“ Linke frei. Doch wie wird diese aussehen? Wird die Linke eventuell sogar ein Stück bürgerlicher und schweift ein wenig vom sozialistischen ab, um auf eine RRG Koalition im Bund hinzuarbeiten? Fährt die Linke die Ramelow-Linie?

Kipping warb in den letzten Wochen intensiv für eine rot-rot-grüne Machtperspektive. Ihre Partei müsse lernen das Regieren „zu wagen“, schließlich sei dort der Unwille, politische Verantwortung zu übernehmen, noch weit verbreitet. Aus Reihen der SPD hörte man in den letzten Wochen – seit dem Bekanntgeben Scholzs als Kanzlerkandidat – die Bereitschaft ein Bündnis mit den Linken einzugehen, sei noch nie so groß gewesen. SPD Generalsekretär Lars Klingbeil bestätigte dies bei einem Treffen mit Kipping letzte Woche nochmals. Doch RRG stehen noch viele Hürden im Weg, man beachte die fundamentalen Unterschiede bei Themen wie Außenpolitik, ob das allein ein neuer Parteivorsitzender bewältigen kann?Fraglich.

Zu einer rot-rot-grünen Koalition fehlt also noch ein ganzes Stück, mit oder ohne Kipping und Riexinger. Für das Land wäre RRG sowieso eine Katastrophe. Eine andere Möglichkeit für den Fortgang der Linke ist, dass sie einfach so weiter macht, wie wir sie kennen. Sozialismus, die DDR nicht als Unrechtsstaat ansehen und demokratische Wahlen für undemokratisch erklären. Egal wer das neue Gesicht der SED-Nachfolger Partei wird, das Ziel, gegen den ach so bösen Neoliberalismus anzukämpfen, wird bleiben. Vielleicht werden, wenn Riexinger seinen Posten freigibt, bei Wahlsieg der Linken immerhin nicht die Superreichen an die Wand gestellt.

1 Antwort

  1. Andreas A. Lindner sagt:

    Die Linke ist nicht Nachfolger der SED, sie ist die SED mit neuem Namen. Dazu gekommen ist ein Wurmfortsatz aus West Linken aus der SPD und den DGB Gewerkschaften, die den Schröderschen Hartz4 Reformen nicht folgen wollten. Der harte Kern der SED unter neuem Namen sind die Spießbürger aus der DDR, die den alten Zeiten und ihren Privilegien hinterher trauern. Seit Stalin nichts Neues unter der Sonne.