Keine besinnlichen Festtage in Bagdad

Von Jan Schneider | Die Weihnachtszeit ist – ob Christ, Atheist oder Angehöriger einer anderen Gemeinschaft – traditionell eine Zeit der Liebe und des Friedens. Für Millionen von Christen weltweit sind es jedoch Tage voller Angst. Angst vor Anschlägen und Schikane durch die ,,Religion des Friedens” und deren Angehörige. So geht es auch der katholischen Minderheit im Irak. Viele von ihnen leben versteckt und in Angst vor Terror und Verfolgung – Weihnachten war eine der wenigen Gelegenheiten, an denen sie sich ablenken konnten.

Doch dieses Jahr fällt zumindest die traditionelle Mitternachtsmesse an Heiligabend in allen Kirchen in Bagdad aus. Grund seien Sicherheitsbedenken, schenkt man Patriarch Louis Raphaelb Seko Glauben. An einem Punkt muss aber fair zur ,,Religion des Friedens” sein: immerhin finden die Gottesdienste am ersten Weihnachtstag statt. Außerdem ist der primäre Auslöser, der das Fass zum Überlaufen brachte, ein anderer: nach dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Abdel Mahdi im Novemeber sollte das Parlament eigentlich einen Nachfolger gefunden habe, Islamisten, Konservative, Liberale und Sozialisten aus allen großen Glaubensrichtungen war es jedoch nicht gelungen, sich zu einigen.

Also ist Religion doch wieder im Spiel. Wen wunderts. Bei den Massenprotesten wurden etwa 460 Menschen getötet, laut offiziellen Angaben wurden 25.000 verletzt. Aus Respekt vor den Opfern verzichteten die Christen auf Weihnachtsfeiern und öffentlichen Weihnachtsschmuck. Wohl auch, um nicht selber zur Zielscheibe zu werden. Bleibt am Ende nur noch zu sagen: Frohe Weihnachten, vor allem an die zahlreichen Christen, die an diesen Tagen allein wegen ihres Glaubens verfolgt werden. 

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