Jugendliche Intensivstraftäter in Berlin: Schockierende Zahlen, schockierende Fälle

Von Pauline Schwarz | Seit man dank der Corona-Maßnahmen in keine Bar und keinen Club mehr gehen konnte und Spaß zu haben ein Privileg für Geimpfte wurde, tummeln sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Berliner Parks. Die Polizei versuchte immer wieder gegen die feuchtfröhliche „partywütige Meute“ vorzugehen und versuchte sie durch Kontrollen und Absperrungen zu vertreiben. Doch es nützte alles nichts: die jungen Leute verlagerten ihre Treffen nur von einer zur nächsten Grünfläche und lieferten sich zum Teil heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei, die weitgehend machtlos blieb. Jetzt warnte Polizeipräsidentin Barbara Slowik gegenüber der Berliner Morgenpost davor, dass sich unter die Feiernden sogenannte Intensivtäter mischen, um gezielt Straftaten zu begehen und Beamte und andere Partygäste zu attackieren. Frau Slowik spricht damit ein weitaus größeres Problem an, als irgendwelche betrunkenen Jugendlichen, die sich nicht an die Corona-Regeln halten: In Berlin sind aktuell 552 Intensivstraftäter registriert – das sind vorwiegend junge, teils minderjährige Straftäter, die besonders viele und besonders schwere Verbrechen verüben.

Laut Behördeninformation sind unter den 552 jungen Straftätern 20 im Alter von 14 bis 16 Jahren, 59 zwischen 16 und 18 Jahren und ganze 114 zwischen 18 und 21 Jahre alt. Diese bislang unveröffentlichten Zahlen nannte die Senatsverwaltung für Inneres auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (Freie Wähler), der seit einiger Zeit immer wieder mit -für den Senat- unangenehmen Fragen auffällt. Laut Berliner Zeitung führen die Polizei und Staatsanwaltschaft in ihren Akten erschreckenderweise auch sechs Kinder, die in diese spezielle Kategorie von Straftätern fallen. Nach Definition bedeutet das konkret, sie haben „eine den Rechtsfrieden besonders störende Straftat herausragender Art“ begangen, innerhalb eines Jahres in mindestens fünf Fällen schwere Straftaten wie Raub und schwere Körperverletzung verübt oder in mindestens zehn Fällen „Straftaten von einigem Gewicht“ begangen, bei denen die Gefahr einer sich verfestigenden kriminellen Karriere besteht. Intensivstraftäter begehen laut Innenverwaltung außerdem besonders schwere Fälle von sexueller Nötigung oder Vergewaltigung.

Aktuell steht genau so ein Fall in Hagen vor Gericht. Dort hatte der 15-jährige Justin D. im März eine 21-jährige Frau in einem Parkhaus direkt über der Polizeiwache vergewaltigt, nachdem er sie zuvor mit einem Freund ausgeraubt hatte. Der zum Tatzeitpunkt 14-Jährige muss neben diesem grauenvollen Vergehen nun weitere 34 Anklagepunkte vor Gericht verantworten und hat -wahrscheinlich nicht erst seit gestern- eine dicke fette Polizeiakte. Justin wuchs nach Angaben von Bild in einer Großfamilie auf, die sich aus „Überforderung“ nicht um ihr Kind kümmerte, wodurch er in verschiedenen Heimen aufwachsen musste – aus meiner Erfahrung bei der Arbeit für einen Berliner Erziehungsbeistand ein ganz typischer Werdegang für junge Intensivstraftäter. Unsere jungen Klienten stammten ausnahmslos aus völlig verwahrlosten Familienverhältnissen und mussten mit drogenabhängigen oder psychisch schwerst gestörten Eltern aufwachsen, die sich -wenn vielleicht auch krankheitsbedingt- einen Dreck um ihre Kinder scherten. Solche Jugendlichen suchen auf der Straße nach Anschluss und Zugehörigkeit, weil sie sie Zuhause oder im Heim nicht bekommen. Sie landen in den einschlägigen Milieus und rutschen so tief ins Elend und in die Kriminalität, dass sie trotz Hilfe und staatlicher Präventionsmaßnahmen nicht mehr herauskommen.

Die meisten jungen Intensivstraftäter, die im Rahmen unserer vom Jugendamt finanzierten Hilfemaßnahme begleitet wurden, sind männlich und haben ausländische Wurzeln. Die offiziellen Zahlen der Senatsverwaltung zeigen ein ähnliches Bild: Unter den 552 jungen Kriminellen sind nur 6 Mädchen. 212 hatten keine deutsche Staatsbürgerschaft – wie viele von den übrigen Intensivtätern mit deutschem Pass einen Migrationshintergrund aufweisen, wird nicht genannt – der wird im polizeilichen Informationssystem nämlich nur bei Tatverdächtigen unter 21 in Fällen von Rohheitsdelikten, Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen oder Mord und Totschlag erfasst.  Ich vermute es sind deutlich mehr als die Hälfte. Das würde auch den Ergebnissen einer Untersuchung von Akten der Staatsanwaltschaft Berlin aus dem Jahr 2007 entsprechen, in der der Kriminologe Claudius Ohder feststellte, dass 70 Prozent aller Intensivstraftäter einen Migrationshintergrund aufweisen – sie waren damals mehrheitlich arabischer und türkischer Herkunft. Ein weiteres Indiz ist die Verteilung auf die Berliner Bezirke: 2018 kamen mit Abstand am meisten Intensivstraftäter aus Neukölln, gefolgt von Mitte und Kreuzberg – den Bezirken mit dem höchsten Ausländeranteil. In Neukölln werden viele Intensivstraftäter dem Clan-Milieu zugerechnet. Wie etwa Nidal R., der als „jüngster Intensivstraftäter“ Berlins zu trauriger Berühmtheit gelangte und seine kriminelle Karriere solange fortsetzte bis er 2018 im Alter von 36 Jahren erschossen wurde.

Das Phänomen des Intensivstraftäters ist in Deutschland und vor allem in Berlin aber bei weitem kein neues Problem. Bis 2018 waren die Zahlen leicht rückläufig: 2015 waren 458 Intensivtäter in Berlin registriert, 2016 waren es 461, 2017 dann 437 und im Juni 2018 „nur noch“ 431. 2019 stiegen sie aber sprunghaft wieder an: Die Polizei registrierte ganze 617 Intensivstraftäter und letztes Jahr trotz Corona-Lockdown ebenfalls 606 Personen. Unsere Rot-Rot-Grüne Regierung hat es in all den Jahren also nicht geschafft die Kriminalität einzudämmen – im Gegenteil: Berlin ist und bleibt der traurige Spitzenreiter in der deutschen Kriminalitätsstatistik. Unsere Stadt wird mehr und mehr zu einem rechtsfreien Raum, in dem junge Leute zunehmend in die Verwahrlosung, Gewaltspirale und Kriminalität verfallen. Sieht man sich den hohen Ausländeranteil bei den jungen Intensivstraftätern an, scheint die allumfassend angestrebte Integration ebenfalls gescheitert.

3 Antworten

  1. Stefan Spumant sagt:

    Kinder und Jugendliche werden immer mehr sich selbst überlassen. In der Politik heißt das sie dürfen selber entscheiden. Die Realität heißt Verwahrlosung, Orientierungslosigkeit und unerzogen. Die Corona Maßnahmen haben vielen Jugendlichen nochmal den Rest gegeben. Den ganzen Tag im Park verbringen – Homescooling hat viele nicht erreicht -einige Jugendliche haben da sehr lernbereit kriminelle Aktivitäten erlernt, für die sie auch eine Bezahlung bekamen.

  2. karlchen sagt:

    Bald brauchen wir in Berlin einen Giuliani.

  1. 23. September 2021

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