Ist das Trumps Comeback?

Von Sebastian Thormann | Für eine Zeit lang sah es so aus als wäre der Sieg für Biden sicher. Er präsentierte sich als das moderate Gegenstück zu einem Dauertwitterer im Weißen Haus. Aber jetzt sind Trumps Chancen wieder im Aufwind, warum? “Alles was die Demokraten machen mussten, war es, nicht verrückt zu sein.” sagte der konservative Kommentator Ben Shapiro schon vor einem Jahr. Damals war der Vorwahlkampf der Demokraten im vollen Gange, Elizabeth Warren und Bernie Sanders lieferten sich ein Rennen nach links, zusammen mit Kampala Harris, Cory Booker, & Co. Pete Buttigieg der als Moderater gestartet war, rückte ebenfalls nach links in der Hoffnung dort die meisten Stimmen zu bekommen. 

Joe Bidens Vorwahlkampagne war demgegenüber vergleichsweise moderat – und damit fast immer in der Defensive. Als dann die Vorwahlen begannen, zog Sanders von Sieg zu Sieg: In Iowa gewann er die meisten Stimmen, Biden landete auf Platz 4, in New Hampshire ebenfalls, nur wurde Biden dort letzter mit gerade mal 8% der Stimmen. In Nevada gewann Sanders schon wieder. Für einen Moment sah es so als würde der offene Sozialist Sanders demokratischer Präsidentschaftskandidat. CPAC, das größte jährliche Treffen der amerikanischen Konservativen, stand unter dem Motto “America vs. Socialism”. Auch wenn es vielen Republikanern sicher nicht gefallen würde, wenn eine der beiden Parteien einen Mann nominiert, der Sympathie mit einigen von Amerikas Feinden hegt, das Szenario wäre einfach gewesen: Die Wahl wäre zu einer Wahl für oder gegen einen sozialistischen Präsidenten geworden, statt einem auf Trump und seiner Persönlichkeit fokussiertem Wettkampf.


Biden als „moderater Kandidat“ gegen Trump

Aber es kam anders, Biden – der alte, weiße Mann – gewann die Vorwahl in South Carolina, mit fast der Hälfte der Stimmen. Das war zum großen Teil seiner Unterstützung durch schwarze Demokraten geschuldet. Biden gewann deren Stimmen ganz ohne besondere, identitätspolitische Merkmale vorweisen zu können. Kurz darauf am Super Tuesday, an dem Vorwahlen quer durchs Land gleichzeitig stattfinden, ging Biden in deutliche Führung, unterstützt von vielen der ehemaligen Kandidaten. Ein Sanders-Sieg war damit unwahrscheinlich und Biden auf dem sicheren Weg zur Nominierung.

Obwohl Trumps persönliche Beliebtheitswerte nie besonders hoch waren, waren Wähler in Umfragen gerade mit seiner Wirtschaftspolitik zufrieden, er war also trotzdem mit dem Amtsbonus in einer guten Ausgangslage. Also würde Biden nicht als radikaler Kandidat für linke Veränderung, sondern als  moderater Kandidat für eine “Rückkehr zur Normalität”, was Anstatt und Respekt angeht, auftreten, das war die Idee. 

Aber mit dem Coronavirus änderte sich das politische Klima aufs neue. Innerhalb kurzer Zeit waren viele wirtschaftliche Errungenschaften aus Trumps Präsidentschaft verschwunden. Der Präsident wurde angreifbarer. Und Demokratische Strategen wurden aggressiver, jetzt sollte Bidens Agenda doch radikaler werden, Obama nannte ihn den linkesten Kandidaten aller Zeiten. Biden selbst verglich seine zukünftige Regierung mit der Franklin D. Roosevelts, der damals auf mehr als verfassungsrechtlich fragwürdige Weise den Staatsapparat der US-Bundesregierung im großen Stil erweiterte und massiv in die Wirtschaft eingriff.


Demonstranten brennen Häuser nieder, doch die Demonkraten kritisieren die Polizei 

Neben Corona war aber im Sommer noch etwas passiert: Biden unterstützte auch von Anfang an die wiederaufkommende Black-Lives-Matter-Bewegung. Aber längst nicht alle BLM-Proteste blieben friedlich – bei weitem nicht, in dutzenden amerikanischen Städten zogen Randalierer durch die Straßen, plünderten Geschäfte und brannten Häuser nieder. Und die demokratische Partei? Deren Vertreter aber kritisierten hauptsächlich Polizeieinsätze, es gab kaum ein Wort zu den Krawallen, nur am Rande erwähnte Biden, dass er Gewalt ablehnt. Währenddessen zerstörten die Randalierer Denkmäler amerikanischer Gründerväter, prügelten auf Unbeteiligte ein, versuchten mancherorts ihre eigene anarchistische Zone einzurichten. Biden kritisierte Trump dafür, dass er keine Maske trug, während Tausende dichtgedrängt in den Straßen demonstrierten oder eben randalierten. 


Gut möglich also, dass dieses Feuerwerk, dank dem Schweigen der Demokraten, am Ende der Startschuss für Trumps zweite Präsidentschaft war.



Letzte Woche fand nun über vier Tage der Republikanische Parteitag zur Wiedernominierung von Donald Trump als Präsidentschaftskandidat statt. Während der demokratische Parteitag eine Woche zuvor kein Wort zu den Randalen verloren hatte, waren diese eines der Hauptthemen bei den Republikanern. Nikki Haley fasste diese zentralen Motive des Parteitags in ihrer Rede zusammen; sie sagte:

“In weiten Teilen der Demokratischen Partei ist es mittlerweile Mode zu sagen, dass Amerika rassistisch ist. Das ist eine Lüge. Amerika ist kein rassistisches Land. […] Amerika ist eine Geschichte des Fortschritts. Jetzt ist es an der Zeit, auf diesen Fortschritten aufzubauen und Amerika für alle noch freier, gerechter und besser zu machen. Deshalb ist es so tragisch zu sehen, dass so viel von der Demokratischen Partei die Augen vor Unruhen und Wut verschließt. Das amerikanische Volk weiß, dass wir es besser machen können. Und natürlich schätzen und respektieren wir jedes schwarze Leben. Die schwarzen Polizisten, die im Dienst erschossen wurden, sind wichtig. Die schwarzen Kleinunternehmer, die beobachtet haben, wie ihr Lebenswerk in Flammen aufgeht, sind wichtig. Die schwarzen Kinder, die auf dem Spielplatz niedergeschossen wurden, spielen auch eine Rolle in ihrem Leben. Und ihr Leben wird durch die Gewalt auf unseren Straßen ruiniert und gestohlen.”

Und so steigen Donald Trumps Umfragewerte wieder, der seine Nominierung am Donnerstag in einer Rede auf dem Südrasen des Weißen Hauses in Washington D.C. annahm. Denn in manchen Städten ziehen Krawallmacher nun nicht mehr nur durch die Innenstädte, sondern auch durch kleine Vorstädte und Wohngebiete. Und die Antwort vieler Demokraten ist Schweigen. 

Am Ende könnte das Versagen hochrangiger Demokraten, die Plünderer und Randalierer zu verurteilen, Trumps beste Wahlkampfhilfe gewesen sein. Am Donnerstag Abend endete der Republikanische Parteitag nach Trumps Rede mit einem Feuerwerk in Washington D.C. während ein wütender Mob vor dem Weißen Haus protestiere und später Gäste auf dem Weg nach draußen attackierte. Gut möglich also, dass dieses Feuerwerk, dank dem Schweigen der Demokraten, am Ende der Startschuss für Trumps zweite Präsidentschaft war.

4 Antworten

  1. Marc sagt:

    Wenn der geplante Betrug von Seiten der Demokraten eingedämmt werden kann – Stichwort: Tote Hunde, welche gewählt haben 2016 – dann sollte hoffentlich Trump gewinnen.
    Und noch was: Briefwahl in einem Land, wo keine Meldepflicht besteht und die Post notorisch unzuverlässig ist, darf man nicht erlauben.

  2. Jo sagt:

    Ich empfehle hierzu auch die aktuelle und sehr detaillierte Umfrageauswertung:
    https://www.express.co.uk/news/world/1329041/US-election-2020-donald-trump-joe-biden-latest-polling

    Vor allem bei schwarzen Wählern hat Trump deutlich zugelegt im Vergleich zu 2016. Und mit Kimberly Klasik hat er nun auch noch ein starkes Zugpferd, um in der Black Community weiter zu zulegen.
    Ich tippe auf einen deutlich klareren Sieg als 2016.

  3. Tim Ludwig sagt:

    Wollen wir es hoffen! Nichts wäre für freiheitsliebende Büger im Kampf gegen die diktatorischen Tendenzen der EU “Demokratien” so schädlich wie wie eine Kommunistenmarionette im Weissen Haus….. (Auch die Flucht in den freien Westen wöre dann keine Option mehr!)

  4. moneypenny sagt:

    Vielen Dank für diesen fundierten Artikel über die Entwicklungen in den USA! So etwas liest man kaum woanders. Bitte weiter so.