Ist das noch politisch korrekt oder kann das weg?

Von David Wick | Seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd ist in der westlichen Welt eine neue Rassismusdebatte entbrannt. Mit dem, während der Demonstrationen aufgetretenen, Vandalismus gegen historische Denkmäler echter und vermeintlicher Rassisten, versuchen einige Linksradikale der Mehrheitsgesellschaft ihr Geschichtsbild aufzuzwingen.

Das darf jedoch nicht einfach so hingenommen werden. Wenn in der Öffentlichkeit eine Straße, ein Platz oder eine Bahnstation nach einer historischen Persönlichkeit benannt wird, kann man sich meistens zu Recht etwas auf diese einbilden. Man muss wie selbstverständlich davon ausgehen, dass sich diese Person in herausragender Weise um das Wohl der Gesellschaft verdient gemacht hat. Die nächste Stufe der öffentlichen Ehrbezeugung ist in den meisten Fällen das Aufstellen eines Denkmals. Ein Denkmal auf einem öffentlichen Platz ist eine Verneigung der Gesellschaft vor der geehrten Person und eine stumme Ermahnung des Geehrten an diese zugleich: „Seht her und erinnert euch an mich und meine Verdienste um euch!“

Aber heute reicht es, im Zuge der Rassismusdebatte nach dem Tod von George Floyd, nicht mehr, sich in herausragender Weise, um die Gesellschaft verdient gemacht zu haben. Nein, heute muss eine historische Persönlichkeit moralisch über jeden möglichen Zweifel erhaben sein und darf nie auch nur in den Verdacht geraten sein, sich irgendwo, irgendwie, eventuell, möglicherweise „rassistisch“ verhalten zu haben. Ansonsten muss man damit rechnen, dass die Hohepriester der politischen Korrektheit dies im Nachhinein zum Anlass nehmen, ein entsprechendes Denkmal mit roter Farbe zu beschmieren (wie jüngst im Fall eines Bismarck-Denkmals in Hamburg) oder es mit der Aufschrift „… was a racist“ versehen (wie vor Kurzem das Churchill-Denkmal auf dem Parliament Square in London).

Im Fall von Churchill drängt sich direkt die Frage auf, wie kleingeistig, dumm und geschichtsvergessen die Verantwortlichen hierfür eigentlich sind. Haben diese sich je vorgestellt, wie eine Welt aussehen würde, in der es Winston Churchill nie gegeben hätte? Eine Welt, in der sich im Sommer 1940 kein Politiker von überragender Bedeutung dem Tyrannen Hitler in den Weg gestellt hätte? Wie dieses Beispiel zeigt, werden die Auswüchse der politischen Korrektheit immer absurder. Mittlerweile kann man ja an vielen Beispielen aus dem öffentlichen Leben erkennen, dass der hier beschriebene Vandalismus letztlich nur die Spitze des Eisbergs ist.


Dennoch liegt in den jüngsten Ereignissen auch eine Chance zur Debatte unter Demokraten, in Deutschland, in Europa und auch in den USA. So wie historische Persönlichkeiten immer Kinder ihrer Zeit sind, so sind auch deren Denkmäler immer der Ausdruck eines bestimmten Zeitgeists. Und deshalb lohnt es sich auch heute immer wieder gemeinsam über den Sinn und Unsinn von Denkmälern zu diskutieren und am Ende auf die Kraft des besseren Arguments zu vertrauen.

Anlässe gibt es auch ohne plötzlich aufbrechende Rassismusdebatten mehr als genug: Ist es etwa richtig, dass die Stadt Trier anlässlich von dessen 200. Geburtstages eine Statue von Karl Marx aufstellt, den man guten Gewissens als den intellektuellen Wegbereiter einer für Millionen von Menschen tödlichen Ideologie bezeichnen kann (auch wenn es sich dabei um ein Geschenk aus China handelte)? Oder sollte man nicht endlich die letzten Orte, die nach Paul von Hindenburg, dem Totengräber der Weimarer Demokratie, benannt sind umbenennen? Ich würde sagen, gerade Letzteres wäre nicht geschichtsvergessen, sondern sehr geschichtsbewusst.

4 Antworten

  1. Coven Berlin sagt:

    So sind die Linken halt. Gegen eine Lenin-Statue in Gelsenkirchen hat man nichts, aber verdiente Männer und ihre Namen werden wegen angeblicher Verfehlungen in den Schmutz getreten.

  2. Gerald S. sagt:

    Die moralische Bewertung geschichtlicher Personen ist besonders problematisch, wenn sich das Wissen der Menschheit in den Jahren, die seit dem Tode dieser Persönlichkeit vergangen sind, enorm weiter entwickelt hat. Dieses ist deutlich der Fall bei der Abstammungslehre. Die Entschlüsselung der DNA (Watson und Crick 1953) leitete diesen Weg der Erkenntnis an, dass der Mensch eben keine Unterarten hat, sondern eine einzige homogene Art ist. Davor erzeugten Bleichgesichter mit ihren seltsamen Riten bei Schwarzen und Braunen genau den gleichen Schrecken wie umgekehrt. Es entstand wie immer in der Menschheitsgeschichte ein Kampf auf Leben und Tod und Weißen gewannen.
    So weit so gut. Wenn man aber heutzutage jemanden aus dem 18ten oder 19ten Jahrhundert danach bewertet, wie “rassistisch” er nach heutigem Kenntnisstand war, dann ist das genau die gleiche Arroganz und Dummheit, die zu Kriegen zwischen den menschlichen Farbschattierungen geführt hat. Die Evolution des Menschen ist eben sehr langsam, wir sind eine junge Art und wir lernen nur langsam dazu. Über die zehntausenden dunkelhäutiger südafrikanischer Inder, die schon unter Mandela wegen Progromen das Land verlassen mussten redet keiner. Das ist nicht in fashion. Oh Gott schwarze Rassisten. Wenn der Gedanke an die eigene Überlegenheit wegen irgendeines Glaubens oder auch einer Farbe oder Herkunft weniger werden würde, wäre der Menschheit in ihrem Kampf gegen die negative Rück-Koppelung (einfach in Bezug auf Spezies googeln) schon sehr geholfen.

  3. emel sagt:

    Black shoes matter!
    Herren tragen auf Hochglanz gebürstete schwarze Schuhe.
    Wozu die ganze Aufregung ? Ich denke an Erdal und Mohrenkopf!

    Winston Churchill war eher Kriegsverbrecher an der deutschen Zivilbevölkerung denn Kolonisator des Empires. Dieses war damals schon über dem Scheitelpunkt der Macht.

  4. Marc Greiner sagt:

    Ich und vieler meiner Kollegen hätten nie gedacht, dass das Wort “Rassismus” überhaupt noch diskussionswürdig wäre, weil es war schon so ausgelutscht.
    Dr. Carol Swain sagt in diesem Video, dass die marxistische BLM aufgelöst werden sollte und auf die Frage ob es den systematischen Rassismus gäbe, antwortet sie, dass es syst. Ras. gäbe, dieser jetzt gegen die Weissen gerichtet sei und sie an allem Schuld sein sollen. Dr. Swain ist Schwarz, nebenbei bemerkt.