Israel – meine ursprüngliche Heimat

Von EVA GOLDERBIET | Vor über 2000 Jahren haben sich meine Vorfahren aus Judäa in der Diaspora zerstreut. Nun habe ich dieses Land meiner Vorfahren, meine ursprüngliche Heimat, wenn man so will, das erste Mal in meinem Leben besucht. Obwohl ich schon zuvor eine große Begeisterung im Bezug auf Israel (nicht nur auf Grund der Politik, sondern auch der Menschen und der Kultur) verspürt hatte, habe ich mich, während und auch jetzt nach meinem Besuch, zu diesem wunderschönen Land und zu seiner Mentalität besonders verbunden gefühlt. In diesem Erfahrungsbericht werde ich sowohl auf Teile der Politik Israels eingehen, als auch auf die dort lebende Gesellschaft, dessen Atmosphäre immer wieder inspiriert.

Schon der Ben Gurion-Flughafen in der Nähe von Tel-Aviv machte auf mich einen starken Eindruck. Er ist der sicherste Flughafen der Welt – und das ist vor Ort direkt spürbar. An jeder Ecke stehen Sicherheitsbeamte, immer mit einem geladenen Gewehr um die Schulter, die Soldaten und Polizisten nehmen niemals ihre Hand von der Waffe.   In den Wänden zahlreiche kleine Löcher, durch die erstklassig ausgebildete  Scharfschützen m Notfall auf Terroristen zielen können. Unter den Reisenden tummeln sich hier und da Agenten, die selber als Touristen getarnt sind, um die Situation besser beobachten und im richtigen Moment Alarm schlagen zu können. Man kann diese Agenten unter den normalen Leuten nicht ausfindig machen, die Tarnung ist tatsächlich viel zu perfekt. Mehr will Israel über das Sicherheitssystem im Flughafen nicht verraten, da durch zu viel Wissen Kriminelle selbstverständlich bei ihren Vorhaben Vorteile erzielen könnten. Die Passagiere werden besonders strengen Kontrollen unterzogen. Was jedoch im Gegensatz zu Deutschland die Israelis besonders schlau ausgetüftelt haben: unnötige Kontrollen werden konsequent vermieden. Psychologisch geschulte Kontrolleure stellen Fragen, analysieren die Reaktion des Passagiers und entscheiden, ob weitere Befragungen und zusätzliche Sicherheitskontrollen nötig sind. Außerdem ist es nicht verboten, Flüssigkeiten mit an Bord des Flugzeuges zu nehmen: nachdem sich die junge Frau am Schalter den Inhalt meiner 1-Liter Wasserflasche abgecheckt hatte, ließ sie die Flasche mit dem Wasser durchgehen. Ich erinnere mich an den deutschen Flughafen in Stuttgart, als ich mit meiner Familie nach London gereist bin: die Kontrolleure wollten unsere fest gefrorene Butter uns nicht lassen und haben uns alles weggenommen… In Israel folgt man keinen Formalitäten; man untersucht nicht die Mengen, sondern den Wesensgehalt- und das ist definitiv sicherer, da man schließlich immer noch in vielen kleinen Fläschchen etwas Verbotenes mitnehmen kann. Und- was kann man sagen?  Sicherheitsgefühl pur!

Israel setzt in seiner Politik, und das unterstützen auch fast alle Parteien im Knesset, auf hohe Sicherheitsmaßnahmen. Im Judentum ist das wertvollste und größte, was es gibt und was wirklich zählt, das Menschenleben. Und Israel ist in erster Linie das Land der Juden. Die höchste Priorität Israels ist, das Leben seiner Bürger zu schützen und zu verteidigen- mit allen Mitteln. Leider ist Israel wortwörtlich „von Feinden umzingelt“: Jedes der Nachbarländer bezeichnet den Staat der Juden entweder als Terror-und Besatzerstaat oder wollen ihn direkt komplett auslöschen. 

Schon kurz nach meiner Abreise wurden aus Gaza Bomben auf Tel Aviv gefeuert, die dank des Raketenabwehrsystems „iron Dome“  über Tel Aviv abgeschossen werden konnten. Dieses System ist jedoch wie jedes andere leider noch nicht lückenlos: einige Tage nach diesem Angriffsversuch fiel eine Bombe der terroristischen Organisation Hamas auf ein Familienhaus im Vorort von Tel Aviv: die Bombe wurde leider viel zu spät entdeckt, weil die automatische Sirene im Ort aufgrund eines technischen Fehlers nicht losging. Solche Fälle sind in Israel jedoch trotz der enormen Gefahr von außen eine große Seltenheit – normalerweise können die Bomben rechtzeitig abgewehrt werden. Das Geheimnis dieser enormen Leistung: nahezu perfekte Sicherheitskontrollen an den Grenzen, an den Flughäfen, an öffentlichen Plätzen, Theatern, Opern, Museen, Stadien, sämtlichen Veranstaltungen, Schulen, Universitäten und besonders auch bei heiligen Orten, wie zum Beispiel an der Klagemauer in Jerusalem. Wer zur Klagemauer will, der muss seine Taschen genauestens inspizieren lassen und eine Ganzkörperkontrolle durchgehen. Das geht jedoch relativ schnell.

Die ersten drei Tage meiner Israelreise verbrachte ich in Jerusalem. Die Hauptstadt Israels ist ein sehr spezifischer Ort an sich, durch den man  das Judentum und sein enges Zusammenleben mit dem Islam und Christentum näher bringen kann, jedoch spiegelt er nicht das moderne Israel wider. In der Altstadt Jerusalems, die schon 3000 vor Christus gegründet wurde, findet man vier verschiedenen religiöse Viertel: Das jüdische, das muslimische, das christliche und das armenische. Obwohl Juden und Muslime oft, auch aufgrund der verschiedenen Weltanschauungen oder der häufigen Inakzeptanz der Muslimen gegenüber Juden, zwei Gruppen sind, die sich nicht immer gut vertragen können, kommen die Muslimen und Juden in Jerusalem wunderbar miteinander aus, so gut wie sonst nirgendwo auf der Welt. Sie leben gemeinsam in Jerusalem (wenn auch in verschiedenen Vierteln) zusammen und respektieren sich und die heiligen Orte des jeweils anderen. Juden können problemlos in dem muslimischen Viertel spazieren gehen: falls doch noch eine feindliche Auseinandersetzung zwischen Personen geschehen sollte, bleibt dies nicht unbemerkt. In Jerusalem sorgen an jeder Ecke junge Soldaten der IDF, die ihre Wehrpflicht leisten und für Sicherheit und Frieden zwischen den Menschen sorgen. Die meisten Soldaten in der Stadt sind junge Frauen im Alter von etwa 18 bis 25 Jahren, die meisten Männer kämpfen an den Grenzen Israels gegen ständige Angreifer.

Ein junger IDF-Soldat mit M16-Sturmgewehr an einer Ecke in Jerusalem.

Ich würde gerne die Zustände in den zwei Vierteln erläutern. Im jüdischen Viertel ist es ziemlich ruhig. Es gibt nicht besonders viele Menschen, die einzige Ansammlung erfolgt vor der Klagemauer. Es ist sehr sauber und es gibt nur wenige Läden. Im jüdisch orthodoxen Viertel leben Juden, die sich in die moderne Gesellschaft nicht gerne integrieren. Deshalb leben über 90% alle orthodoxen Juden Israels in Jerusalems: dort können sie passend zum heiligen Ort ihre Religion auf ihre strenge Weise ausüben und brauchen nicht mit dem europäisiertem Rest in Kontakt treten. Das einzige Moderne, was auch die orthodoxen Juden bewegt, ist das Smartphone. Oft sieht man einen streng religiös gekleideten Juden über WhatsApp chatten- das ist immer wieder ein äußerst amüsanter Anblick. Jedoch sind das wirklich Menschen, die voll und ganz von ihrer Religion abhängen. Wenn sie sich beeilen müssen, um den Bus außerhalb der Altstadt nicht zu verpassen, rennen sie die Tora lesend…

Das muslimische Viertel ist hingegen überfüllt und es ist schwierig, sich durch die engen Gassen durchzuschlagen. Es besteht praktisch nur aus kleinen Läden, wo die verschiedensten orientalischen Produkte verkauft werden. Im Gegensatz zum jüdischen Viertel ist es hier jedoch ziemlich schmutzig. Jerusalem ist kurzgesagt eine altmodische, aber vielleicht auch gerade deswegen einzigartige Stadt, dessen Atmosphäre es sonst nirgendwo gibt. Erst wenn man sich weiter von der Altstadt entfernt, bemerkt man, dass man sich ein einem stark westlich geprägten Land befindet. Vom Orient gibt es hier nichts mehr zu riechen. Teenager, die den uns hierzulande bekannten Modetrends folgen, elektrische Straßenbahnen mit WLAN und Netzanschluss, um sein Handy aufzuladen etc. Eine Welt, wie wir sie kennen. Abgesehen von der hohen Sicherheit, die geleistet wird. Wenn man auch noch nach Tel Aviv geht, macht sich das besonders deutlich: Gayparaden und andere Freizügigkeiten. In den großen Städten wie Haifa oder Tel Aviv leben derart viele jüdische Einwanderer aus Russland, dass sogar die arabischen Inschriften von den Straßenschildern verschwinden und Zahlreiches nur auf Hebräisch und Russisch beschriftet ist. Europäischer geht es nicht. In diesen modernen Städten mit ausgeprägtem Nachtleben ist man weit von der religiösen Wichtigkeit entfernt. Hier hat die Religion einen deutlich weniger großen Wert als in Jerusalem. Jerusalem ist auch der einzige Ort, wo dies von solcher großen Bedeutung ist. Allgemein ist Israel vor allem eines: Eine Oase der westlichen Freiheit. 

Foto aus dem Akko, dem arabischen Stadtteil

Nachdem ich die Gesellschaft beschrieben habe, würde ich gerne noch auf die Politik in Israel eingehen. Die meisten Israels, genauer gesagt, fast alle, unterstützen  US-Präsident Donald Trump. Die Begeisterung dieser Unterstützung ist beinahe schon größer, als die der amerikanischen Trump-Befürworter. Nicht zuletzt liegt diese Begeisterung an dem historischen Ereignis, dass Trump als erster Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkannt hatte. Niemand sonst wollte dies anerkennen. Das soll man sich mal vorstellen, dass all die langen Jahre man die Hauptstadt einer bestehenden Nation nicht anerkannt hatte! Außerdem hat die aktuelle Entscheidung Trumps, Israels Souveränität über die Golanhöhen anzuerkennen, diese Begeisterung noch mehr gestärkt. Man kann sagen, das Israels Premierminister Benjamin Netanyahu (Likud) und Donald Trump sehr stark mit besten Freunden vergleichbar sind. Dafür sind die Israelis äußerst dankbar. 

Im Knesset, dem israelischen Parlament, sitzen insgesamt nahezu 30 verschiedene Parteien. Die stärkste Partei Israels ist derzeit der Likud. Es ist eine konservative Partei, die als  Rechtskonservativ eingestuft wird, vergleichbar wohl mit der AfD in Deutschland.  Ich bin in Tel Aviv auf einen Juden und einen Moslem getroffen, mit denen meine Eltern und ich ein äußerst interessantes Gespräch hatten: beide sind Wähler des Likuds und Fans von Trump. Sie haben erzählt, dass die AfD (interessanterweise) in Israel sehr bekannt ist und dass sie ihre Politik unterstützen, da sie im Grunde identisch mit der des Likuds ist. Der Moslem war besonders begeistert von Alice Weidel: er hatte mal eine Dokumentation über sie gesehen. Die beiden wünschen Deutschland alles Gute bezüglich der inneren Sicherheit: sie waren entsetzt, wie gefährlich es in Deutschland sein kann. Ich fand dieses Statement der beiden Freunde sehr interessant zu Hören. Solche Statements bekommt man hier in Deutschland nicht mit. 

Die meisten Israelis sind eher rechts oder mittig, es gibt aber auch eine schwache linke Minderheit. Es gibt Linke, die vergleichbar mit den deutschen Grünen sind, die der Regierung gewaltig „auf den Sack gehen“. Dabei geht es meistens um die Befreiung von „Palästina“ oder um den Klimawandel. Diese Partei findet kaum Unterstützer. Und es gibt auch einige linke Parteien, die mehr Erfolg haben. Diese Parteien könnte man mit der SPD, wie diese in den guten alten Zeiten mal gewesen ist, vergleichen.

Das 5G Netz wollen die Israelis nicht haben: israelische Ärzte sehen eine starke gesundheitliche Bedrohung und die Regierung ist dieser Warnung nachgegangen. Israel ist ein kapitalistisches,  freies Lands mit einer freien Presse: es gibt zwar keine neutrale Medien, jedoch gibt es sowohl rechte als auch linke, konservative, als auch liberale  Zeitungen oder Medienprogramme verschiedener politischer Nuancen, sodass jeder sich in einem sehr vielfältigen politischen Spektrum informieren und sich eine eigene Meinung bilden kann.

Was mir am meisten an der Politik in Israel gefällt, ist das vollkommene Meinungsfreiheits- und Demokratieverständnis mit dem Aspekt, dass der derzeitigen Regierung das Leben der Bürger der israelischen Nation wirklich am Herzen liegt und für die Sicherheit gesorgt wird.

Natürlich gibt es, wie in jedem Land der Welt, leider aber auch Punkte, die das Leben in Israel erschweren. Ein Beispiel dafür wäre, dass die Löhne nicht besonders hoch, jedoch die Produkte und die Mieten extrem teuer sind, sodass es auch viele arme Menschen gibt, die auf der Straße meistens Geige spielen, um Geld zu verdienen, um wenigstens sich ernähren zu können. Das Thema zu den Obdachlosen steht gerade als aktuelles Thema des Parlaments auf dem Plan. Genauso sind die orthodoxen Juden ein Ärgernis für viele Israelis: sie arbeiten nicht, höchstens als Rabbiner und Prediger, und werden von Steuergeldern durchgefüttert. Dies ist ebenfalls ein Thema, mit dem viele Einwohner nicht einverstanden sind und protestieren.

Ich hoffe, meine „Kurzeschreibung“ Israels war für den einen oder anderen interessant. Ich kann nur sagen: Israel zu besuchen lohnt sich!

5 Antworten

  1. Das Linke Paradox sagt:

    Schöner Bericht. Ich würde auch liebend gerne mal nach Israel. Mein Vorschlag war schon immer (auch als ich mich noch als “links” betrachtete – defacto war ich eigentlich immer nur sehr liberal und solidarisch) statt dem ganzen Holocaust-Überdosis eine verplichtendes Halbjahr für Schüler/Studenten in einem Kibuzz und im Gegenzug jungen Israelis nach D für ein Semester. Ferner hätten wir eine positive Erinnungskultur pflegen sollen, statt die Juden auf reine Opfer zu reduzieren. Wieviel deutsche WeltPatente, Weltkulturerbe, Nobelpreiise… sind defacto jüdisch-deutsch? Durch die reduzierung der Geschichte auf Schuld und Feindschaft haben wir eine ernstafte Versöhnung nachgerade torpediert. Der Lom-Kippur-Tag oder besser das fröhliche Pass-Fest als deutscher Feiertag hätte mehr echte Versöhnung gebracht, als dieser pathologische Schuldkomplex. Das ist selbstredend kein Veto FÜR das Vergessen, sondern für eine ausgewogen Balance hinsichtlich unserer GEMINSCHFTLICHEN Geschichte, die eben länger und vielschichtiger war, als diese 12 Terrorjahre. Ich behaupte die Ewiggestrigen, die es tatsächlich auch heute noch gibt, wären durch eine ausbalancierte Erinnerungs- oder besser Zukunftskultur noch isolierter und zahlenschwächer als sie ohnehin schon sind.
    Am Israel chai!
    PS: Bin übrigens kein Schüler mehr, ich war einer zur DDR-Zeiten und fühle ich mich auf fatale Weise an meinen damaligen Widerstand erinnert. Zwar habt ihr (noch) weniger Repressalien von Staates Seite aus zu befürchten, dafür steht ihr nicht selten isoliert gegen eure gleichgeschalteten Klassenkameraden, von denen wir hingegen idR insgeheim Zuspruch erhielten. Damals wie heute, braucht man Rückgrat um sich dem Irrsinn zumindest passiv zu widersetzen und Cojonos um aktiv dagegen zu positionieren. Schön zu sehen, das jeder Epoche ihre eigene Generation Widerstandskämpfer gebiert, die sich dem aktuellen Zeitgeist widersetzt!

  2. moneypenny sagt:

    Vielen Dank für den Bericht – ich fahre dieses Jahr selber das erste Mal nach Israel und freue mich schon sehr drauf! Dachte allerdings, dass es doch ne ganz schön ausgeprägte linke Szene gibt – zumindest in Tel Aviv…?

  3. Jan Schneider sagt:

    Unfassbar interessant! Würde gerne mal nach Israel. Die deutschen Politiker kümmern sich leider nur um Israel, wenn es um den Holocaust geht. Ansonsten ist ihnen der brutale Angriffskrieg der arabischen Nachbarn egal.

  4. Raubtierkapitalist sagt:

    Danke! Schöner Reisebericht!

    Im übrigen sind – Achtung, Sexismus! – die IDF-Soldatinnen oftmals sehr hübsch.