Israel, eine tote 17-Jährige und die „Spirale aus Hass und Gewalt“


Von Max Roland | Ich habe mir die letzten Tage mal sowas wie eine Auszeit genommen. Ich habe nichts geschrieben, keine Nachrichten gesehen und Twitter nicht geöffnet. Rückblickend wünschte ich mir, ich hätte die Tage zu Wochen ausgedehnt.

Denn als ich Twitter nun wieder öffnete, tauchte auch direkt schon das Auswärtige Amt in meinem Feed auf. In einer Presseerklärung verurteilte das Ministerium unseres allerliebsten Demokratie-und Weltretters Heiko Maas einen Terroranschlag auf israelische Zivilisten.

Von Heiko Maas selbst stammte das Statement nicht – ob er mit seinem #DonnerstagfürDemokratie beschäftigt war oder sich wieder auf einem dieselbetriebenen Eisbrecher in einer hunderte-Euro-teuren Woolrich-Jacke die gravierenden Folgen des Klimawandels in Grönland ansah? Man weiß es nicht.

Wer jetzt aber denkt, Maas‘ Abwesenheit würde bedeuten, dass dieses Statement auch nur einen deut besser wäre als die üblichen Töne aus dem Auswärtigen Amt, wenn es um Israel geht – den muss ich leider enttäuschen.

Im Text schickte man nämlich eine Verurteilung der Attacke vorweg, die von den üblichen Floskeln über „tiefe Anteilnahme“ geprägt war. Anschließend verkündete man jedoch voller Stolz: „Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass die Spirale aus Hass und Gewalt überwunden wird und die Perspektive einer Zwei-Staaten-Lösung, die allen Israelis und Palästinensern ein Leben in Frieden und Sicherheit ermöglicht, erhalten bleibt.” Da fragt sich der aufmerksame Leser natürlich: Moment! Gehören zu einer „Spirale der Gewalt“ nicht immer zwei dazu? Und dann drängt sich natürlich die Frage auf: Wer ist denn der zweite Teil in dieser Spirale? Das 17-Jährige Mädchen? Die einen Morden, die andere existiert halt einfach zur falschen Zeit am falschen Ort – und Zack bilden zwei Seiten eine Spirale, an der per Definition eigentlich beide Seiten irgendwie schuld haben.

Wichtig ist natürlich auch, im Angesicht eines toten israelischen Mädchens, nochmal die Zwei-Staaten-Lösung zu betonen. Denn die Mörder und Terroristen haben wenigstens die Hälfte von Israel verdient – findet das Auswärtige Amt anscheinend. Das muss natürlich einer Kondolenzbekundung auch direkt nochmal hinterhergeschoben werden. Den Palästinenserstaat in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Wenn Juden angegriffen werden, dürfen wir nicht wegsehen, sagt Heiko Maas. Es sei denn, es passiert in ihrem Staat, in Israel. Denn zwischen Sinai und Golan hört unsere historische Verantwortung auf.

8 Antworten

  1. Irrenhaus sagt:

    Anne Frank und die Nationalsozialisten… Das war auch so eine Spirale aus Hass und Gewalt.

  2. Mico sagt:

    Sorry, wann hat der Auswetigeamt Israeilische Morde an Palästinianseren verurteilt? Weil eine Seite Stat Israel heißt, ist die andere Seite nicht automatisch Terroristen.
    Mach mal die Augen auf. Lese über Traurige zustände in Gaza. Die Mennschen werden geschlachtet in Gaza uns Westbank und die Welt schaut weg.

    • Chrischan sagt:

      Das Auswärtige Amt würde gerne “israelische Morde” an “Palästinensern” verurteilen, denn nichts wird von Heiko Maas mehr verachtet, als Israel.
      Nur gibt es leider
      a) keine “Palästinenser” im Sinne eines Volkes. “Palästina” war niemals eine politischen Entität, also gibt es per se kein “palästinensisches Volk” und
      b) erwächst “Mord” aus niederen Beweggründen und da gehört Selbstverteidigung nunmal leider nicht zu.
      Und dann empfehle ich Dir auf Twitter nach dem Hashtag #GazaYouDontSee zu suchen. Luxushotels und Villen mit Swimmingpools sind in meinen Augen keine “traurigen Zustände”..
      Militärische Schläge gegen Gaza (= das, was Du “schlachten” nennst) gibt es nur, wenn mal wieder ein paar Kazaams den Weg nach Israel gefunden haben. Und das Hamas und Co. ihre Waffenlager grundsätzlich unter Kindergärten, Schulen etc. positionieren ist nicht die Schuld der IDF.

  3. Beeker sagt:

    Lieber Max
    Dein Beitrag tröstet etwas, denn was die deutsche Feige Politik betrifft ,die Iran umwirbt,obwohl Iran die Vernichtung Israels offen androht,da ist man schlimmes gewohnt. Es tröstet, dass es sich noch ein paar mutige und vernünftige Menschen finden,in Deutschland.

  4. Samuel Gruenstein sagt:

    Gott sei Dank gibt es (wie man hier sieht) auch Abiturienten, die einen klaren Blick und Verstand für das Weltgeschehen haben und nicht nur Gretas oder Gretaaffine.

  5. dasLinkeParadox sagt:

    Genau genommen meint unser Heiko, man dürfe nicht wegsehen wenn Juden von Rechtsradikalen angegriffen werden. Werden sie hingegen von Linken oder Muslimen angegriffen, dann hört auch hierzulande die “historische Verantwortung” schnell auf!
    Merke: Es gibt nur einen schlechten Antismitismus, alles andere ist LEGITIME Israelkritik!

  1. 25. August 2019

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