Indoktrination in der Fahrschule

Von Sophie Specker | Früher war vieles besser. Diesen Satz hört man des Öfteren von etwas älteren Zeitgenossen. Und meistens ist er leider wahr, wie mir jetzt in der Fahrschule bestätigt wird. Anstatt dass man in der Theorie viel über die Technik und das Auto an sich lernt, wird man heute genauestens über Drogen und Gefühle aufgeklärt und wie man seine Gefühle besser verarbeiten kann. Ich hatte ungelogen eine Theoriestunde von anderthalb Stunden, in der wir uns Bilder angesehen haben und die dort sichtbaren Gefühle beschreiben sollten. Dann haben wir noch besprochen, wie wir diese Gefühle kontrollieren und damit das Bild des idealen Autofahrers erreichen können. Das ist wichtig, schließlich muss man für den Fall gewappnet sein, dass eine Polizeistreife dich an die Seite ranfahren lässt um zu fragen: “Wie geht es Ihnen wirklich?”

Dann das Gespräch über Drogen. Natürlich war Alkohol dabei, was meiner Meinung nach auch wichtig ist. Aber was wurde beinahe ausführlicher behandelt? Cannabis. Und darüber hinaus Ecstasy, Speed, Kokain, Halluzinogene und Opiate. Fand ich etwas befremdlich, aber besser einmal zu viel darüber reden als zu wenig. Noch intensiver als über Gefühle und Drogen, haben wir allerdings über unser Lieblingsthema geredet: die Umwelt.

In einer Stunde sollte es um die technischen Bedingungen, die Fahrphysik und um den umweltbewussten Umgang mit Kraftfahrzeugen gehen. Stattdessen übersprangen wir die Technik und die Themen zur Funktionsweise der Kupplung, der Bremsen und der Fahrphysik, auf die ich mich eigentlich gefreut hatte und gingen direkt über zum Thema Umwelt. Allerdings anders als gedacht. Bisher kamen nur Tipps, dass man Fahrgemeinschaften bilden, auf unnötiges Beschleunigen verzichten und möglichst wenig fahren solle.

Jetzt wurden wir dazu aufgefordert, Gegenargumente zum Elektroauto zu liefern, die unser Lehrer dann widerlegen wollte. Es kamen Argumente wie die Reichweite, die Tankstellen, der Sicherheitsaspekt aufgrund der fehlenden Geräusche und noch einige weitere. Diese wurden dann bei der weder sachlichen noch korrekten Widerlegung demonstrativ an der Tafel durchgestrichen und es wurde sehr viel Werbung für Tesla und die Elektromobilität gemacht. Ein wenig zu viel für meinen Geschmack. Sätze wie ,,Scheiß Diesel und Benzin“, ,,Wenn nicht Elektro dann fahrt doch wenigstens auf Erdgas“, ,,Pumpt eure Reifen mehr auf, dann spart ihr CO2.“ sind gefallen. Wir sollen unsere Reifen mit mehr Luftdruck füllen, als für den Reifen vorgeschrieben ist? Dass das die Haftung auf der Straße verringert und das Profil ungünstig abfährt ist dabei egal? Verkehrssicherheit muss dem Umweltschutz weichen? Dann wurde noch für autofreie Städte geworben.

Wie treffen die Fahrschulen denn die Auswahl bei den Lehrern? Suchen die so verzweifelt nach Personal, dass sie auch Leute aufnehmen, die das Auto am liebsten abschaffen würden? Ich meine, Fahrschulen sollten den Schülern beibringen wie man Auto fährt, aber doch auch ein wenig den Spaß am Fahren vermitteln. Eine Fahrschule, beziehungsweise Fahrlehrer, die dann offenkundig ihren Hass auf Verbrennungsmotoren kundtun, erscheinen mir dann doch etwas merkwürdig. Immerhin haben sie noch nicht angefangen, Werbung für das Lastenrad zu machen. Vielleicht kommt das erst noch in der nächsten Stunden, wer weiß.