Impfen hier, impfen da – ich kann es nicht mehr hören!

Von Gesche Javelin | Wann lässt du dich impfen? Bist du schon geimpft? Warum bist du denn noch nicht geimpft? Es dreht sich alles nur noch darum, geimpft oder nicht geimpft: wenn man Leute besuchen möchte, beim Small Talk, wenn die Tests morgens in der Schule kontrolliert werden, wenn man mit Freunden irgendwo hingehen will – der Impfstatus wird ausgetauscht wie Sammelbilder.

In meinem Umfeld ist das Thema zum Glück nicht so dominierend. Doch bei einer meiner Lehrerinnen um so mehr. Als sie eines morgens die Tests von den Ungeimpften kontrollieren musste, hat sie jeden einzelnen von uns verhört, denn sie wollte eine Rechtfertigung, warum wir noch nicht geimpft sind. Am Ende der Stunde erzählte sie uns, wo man sich denn überall impfen lassen kann und wie einfach das doch gehe. Wir sollen uns doch bitte möglichst schnell impfen lassen, weil die Pandemie sich ja immer mehr zu einer „Pandemie der Ungeimpften“ entwickle.


Oftmals sind die Lehrer das Problem, nicht die Mitschüler

Diese Schuldzuweisung haben sich aber glücklicherweise einige nicht gefallen lassen. Beim Elternabend wurde dies angesprochen und die Lehrerin wurde von unserer Klassenlehrerin zurechtgewiesen und nun musste sie sich rechtfertigen. Zu uns Schülern meinte sie dann, dass sie sich der Emotionalität dieses Themas nicht bewusst gewesen wäre. Was für eine Pädagogin ist man eigentlich, wenn man eine ganze Klasse öffentlich ins Kreuzverhör nimmt und mehr oder weniger zu den Schuldigen einer weltweit verbreiteten Krankheit macht – und da gar nicht sieht, wo das Problem liegt. Klar, wir sind einfach nur emotional. 

In der nächsten Stunde mit ihr sollten wir eine Diskussion darüber führen, ob es wichtig wäre, dass Jugendliche sich gegen Corona impfen lassen. Dazu sollte jeder drei Pro- und drei Contra-Argumente heraussuchen. Die eine Hälfte der Klasse sollte in der nachfolgenden Debatte dann die Pro-Seite vertreten und gegen die andere Hälfte der Klasse, die die Contra-Seite vertreten sollte, antreten. Zwei Schüler haben die Moderation übernommen und dann am Ende der Diskussion entschieden, welche Seite die Debatte gewonnen hat. Sie entschieden sich für die Seite, die die Meinung vertreten haben, dass es wichtig wäre, dass Jugendliche sich impfen lassen. Bei der Publikumsabfrage, welche Meinung man selbst hat, waren dann aber mehr als die Hälfte der Meinung, dass es nicht so wichtig ist, sich als Jugendlicher impfen zu lassen.

Sollte es bei einer Impfung nicht eigentlich um die Gesundheit gehen und statt um das Zurückgewinnen der Freiheit oder sozialer Interessen? 

Ich bin froh, dass dieses Thema in meiner Klasse ziemlich tolerant gehandhabt wird. Denn ganz abgesehen von dem Druck den einzelne Lehrer durch ständiges Fragen auslösen, fühlt man sich inzwischen auch als Außenseiter, wenn man nicht geimpft ist. In vielen Klassen sind schon annähernd alle geimpft. Einige lassen sich dann nur impfen, weil sie nicht mehr die einzigen Ungeimpften sein wollen oder nicht alles mitmachen können. Eins ist klar: das Thema nimmt in zwischen einen viel größeren Teil in unserem Alltag ein, als es eigentlich verdient. Und die Gründe dafür, gehen inzwischen weit über den Nutzen hinaus, der überhaupt mal zu der Impfung geführt hat. 
Sollte es bei einer Impfung nicht eigentlich um die Gesundheit gehen und statt um das Zurückgewinnen der Freiheit oder sozialer Interessen?