Impfen an der Uni: Schluss mit Eigenverantwortung. Es lebe das Solidaritätsprinzip!

Von Larissa Fußer | Mittwochmorgen, 9:30 Uhr, ich bin mit ein paar Kommilitonen bei einem praktischen Kurs im Krankenhaus. Wir haben Pause, ich beiße gierig in mein Rosinenbrötchen. Im Krankenhaus hat man immer besser was im Magen. Ich denke gerade an die weißen Gesichter der Patienten, die wir untersucht haben, da kommt eine Kommilitonin in Plauderstimmung: „Na, wo holt ihr euch eure Booster-Impfung?“, fragt sie. Ihre Stimme klingt hell und heiter – ganz so, als hätte sie uns gerade gefragt, welche Eissorte wir am liebsten essen. Sofort bricht ein munteres Geschnatter darüber aus, ob man sich nun besser beim Hausarzt oder im Impfzentrum den Stich geben lässt. Mir bleibt ein Stück Brötchen im Rachen stecken. „Wollt ihr euch jetzt wirklich jedes Semester impfen lassen?“, frage ich in die Runde. Ein junger Mann mit blonden Locken unterbricht sein Gespräch und guckt mich mit zusammengekniffenen Augen an. Er hält einen Moment inne, so als würde er abwarten, dass jemand etwas sagt – aber es bleibt still. Also setzt er seine beste Lehrerstimme auf und erklärt mir: „Natürlich. Ich werde mich so oft impfen, wie es eben nötig ist. Damit ich die Patienten schütze und damit die Pandemie vorbei geht. Alles andere wäre unsolidarisch.“

Impfen aus Solidarität – dazu werden gerade junge Ungeimpfte inzwischen gebetsmühlenartig aufgefordert. Ist ja auch kein Wunder – aus Selbstschutz lohnt sich eine Impfung für unter 30-Jährige so gut wie gar nicht. Corona ist für junge Leute nach wie vor (fast immer) harmlos. Das zeigen die Todesfälle: Seit Beginn der Pandemie sind laut dem RKI 96.817 Menschen in Deutschland an oder mit COVID-19 gestorben (Stand 11. November). Davon waren gerade mal 68 Männer und 37 Frauen zwischen 20 und 29 Jahren, also im Studentenalter. Das sind 0,1 Prozent der Corona-Toten. Bleibt die Impfung aus Solidarität. Bedeutet: Ich soll mich zum Schutz der Älteren impfen lassen. Aber, liebe Bingo-Spieler und Schönschrift-Schreiber – wie soll ich’s sagen, ich möchte ja noch erben. Also, liebe Wirtschaftswunder-Hervorbringer und DDR- und RAF-Bezwinger – denkt ihr nicht, das ist vielleicht etwas viel verlangt?

Als angehende Ärztin gehe ich ja soweit mit, dass ich Verantwortung trage, Patienten nicht aus Fahrlässigkeit anzustecken. Deswegen teste ich mich (wie übrigens auch meine geimpften Kollegen) vor jedem Patientenunterricht – und damit Schluss. Doch das reicht offenbar nicht. Ich habe nun schon mehrere E-Mails von meiner Uni erhalten, in der uns der Dekan und seine Vertreter dringend zum Impfen aufgefordert haben. Erst neulich haben sie uns sogar angedroht, den Patientenunterricht (die meiner Meinung nach wichtigste Lehre im Medizinstudium) nur noch unter 2G+-Bedingungen (nur Geimpfte und Genesene mit Test) anzubieten. Begründung: 98% der Studenten unserer Uni seien bereits geimpft, für sie ändere sich nichts. Die „noch nicht Geimpften“ wiederum könnten den Pieks ja einfach nachholen.
Vorerst bleibt es aber an meiner Uni bei 3G. Es ist auch höchst fraglich, was 2G+ aus medizinischer Sicht nützen sollte. Ist ein negativ-getesteter Geimpfter irgendwie „negativer“ ist als ein negativ-getesteter Ungeimpfter? Der Test zeigt eine Infektion an – ob ich nun geimpft bin oder nicht, ändert nichts an seiner Aussagekraft.

Ich habe manchmal den Eindruck, die meisten meiner Mitstudenten – und auch sonst viele Menschen in dieser aktuell sehr aufgedrehten Gesellschaft – sind inzwischen in irgendeinem anderen Universum unterwegs als ich. In einem Universum, in dem immer noch gilt, dass Geimpfte sich nicht infizieren und damit auch niemanden anstecken können. Obwohl es immer wieder Meldungen von großen Corona-Ausbrüchen auf 2G-Clubpartys gibt und die Inzidenz sowie die Krankenhauseinweisungen von Geimpften seit Wochen stetig steigen. Viele Leute scheinen in einer Galaxie zu leben, wo es einfach keine Impfnebenwirkungen gibt. Auch wenn die Meldungen von schwerwiegenden Impfnebenwirkungen nun teilweise so häufig werden, dass die Ständige Impfkommission zuvor ausgesprochene Impfempfehlungen zurückzieht.

Erst am 10. November hat die STIKO der Presse mitgeteilt, dass sie unter 30-Jährigen nun nicht mehr empfiehlt, sich mit Moderna impfen zu lassen (sondern nur noch mit Biontech). Ihre Begründung: „Aktuelle Meldeanalysen zeigen, dass Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei Jungen und jungen Männern sowie bei Mädchen und jungen Frauen unter 30 Jahren nach der Impfung mit Spikevax [Moderna, Anm. d. Verf.] häufiger beobachtet wurden als nach der Impfung mit Comirnaty [Biontech, Anm. d. Verf.].“ Ist ja schön, dass die STIKO sich traut, Fehlentscheidungen zuzugeben. Da haben die Wissenschaftler einigen Politikern was voraus. Nur, was machen jetzt die jungen Leute, die bereits doppelt mit Moderna geimpft sind? Hätten diese Nebenwirkungen nicht schon im Zulassungsverfahren festgestellt werden müssen?

Aber was diskutiere ich hier die Hintergründe – geimpft wird ja aus Solidarität. Ich frage mich nur, mit wem ich mich eigentlich solidarisieren soll, wenn ich doch die Risikogruppen schütze, indem ich mich teste. Sollte es etwa so sein, dass ich mich in Wirklichkeit für diejenigen impfen lassen soll, die Angst vor Ungeimpften haben? Nun, das erinnert mich ein bisschen an Nichtraucher, die aus Angst vor Lungenkrebs, anderen das Rauchen verbieten wollen. Aber warte, das gibt es ja schon…

Ich bin vor ein paar Jahren von einer unpolitisch-linksgrünen Schülerin zu einer liberal-konservativen Studentin geworden. Unter anderem, weil ich es reizvoller fand, selbst Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen, als mich von anderen abhängig zu machen. Sollen die Grünen doch die Regierung anbetteln, ihnen durch gesetzlich verankerte Verbote und Zwänge Entscheidungen abzunehmen, die sie selbst nicht treffen wollen. Sollen die Linken doch die Politiker um Gelder anflehen, die sie selbst nicht verdienen wollen. Ich entscheide lieber selbst, was ich tue und lasse, und ich verdiene selbst meinen Lebensunterhalt. Dazu stehe ich auch heute. Ob ich mich impfen lasse, ist meine individuelle Entscheidung und meine eigene Verantwortung. Ich möchte nicht „aus Solidarität“ meine Gesundheit riskieren, nur damit andere ruhiger schlafen können. Denn es geht um mich und meinen Körper. Ich habe keinen anderen.

5 Antworten

  1. Antonio Espinosa sagt:

    ANTRAG / 04.05.2021: Drucksache 19/29263 – Deutscher Bundestag

    Keine Diskriminierung von Ungeimpften – Einhaltung der Resolution 2361 (2021) der Parlamentarischen Versammlung des Europarats vom 27. 01.2021

    In dieser Resolution wird darauf hingewiesen, dass im Hinblick auf die Gewährleistung einer hohen Akzeptanz der Impfstoffe die Bürgerinnen und Bürger darüber aufgeklärt werden müssen, dass die Impfung NICHT verpflichtend ist und niemand politisch, sozial oder anderweitig unter Druck gesetzt werden darf, sich impfen zulassen, wenn er oder sie dies NICHT möchte, und niemand aufgrund einer fehlenden Impfung diskriminiert werden darf.

    Der Antrag auf Einhaltung der Resolution wurde abgelehnt.

    Begründung CDU/CSU-Fraktion:
    “Eine Impfpflicht sei in Deutschland nicht geplant, weshalb der Antrag ins leere gehe. Man lehne ihn ab.”

    Begründung SPD-Fraktion:
    “Es sei nicht geplant, eine Impfpflicht einzuführen. Die Freiwilligkeit der COVID-19-Impfung sei bereits wiederholt auch im Bundestag zum Ausdruck gebracht worden. Man lehne den Antrag deshalb ab.”

    Begründung FDP-Fraktion:
    “Die Fraktion der FDP teilte mit, mit dem Antrag werde so getan, als ob es in Deutschland eine Impfpflicht gebe. Dies sei aber nicht der Fall. Der Antrag sei unsinnig, weshalb man ihn ablehne.”

    Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN schloß sich an, man lehne den Antrag ebenfalls ab.

    Nürnberger Kodex? Grundgesetz?

    In einem kalten Winter braucht man Heizmaterial.

  2. Es geht nicht um die Gesundheit, sondern um etwas ganz anderes! Der Ex-Vize von Pfizer, Mike Yeadon warnt: „Das wird nächstes Jahr passieren, wenn Sie nicht aufwachen.“

    Im Bewusstsein meiner Verantwortung und Vollbesitz meiner geistigen Kräfte gebe ich seine Warnung weiter:

    https://uncutnews.ch/ex-vizepraesident-von-pfizer-warnt-eindringlich-das-wird-naechstes-jahr-passieren-wenn-sie-nicht-aufwachen/

    Von den unzähligen weiteren Hinweisen darauf, dass Yeadon Recht haben könnte, nur zwei:
    Dr. Wolfgang Wodarg: https://auf1.eu/w/kctaRk41eUmTuSpNK1WJuu und
    Lars Kuhlmann (ein Opfer): https://corona-ausschuss.de/ SITZUNG 79 „Wildgewordene Technokratie“ ab 4:03.40 bis 4:37:00.

  3. Rosebrock sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem “Schwenk” in Ihrem Leben. Und danke für diesen lebendigen und entschiedenen Text und das ganze Projekt Apollo.
    Ich bin schon lange auf diesem Weg unterwegs. Es gehört zum Erwachsensein dazu, gegen Widerstände seinen Weg zu suchen und zu gehen. Wir sind zusammen unterwegs. In diesen verrückten Zeiten. Gott mit uns…. .

  4. Heinz Schmidt sagt:

    Natürlich. Ich werde mich so oft impfen lassen, wie es eben nötig ist. Bis sie mir sagen, ich soll jetzt was anderes machen. Und dann mach‘ ich eben das.

    • ralf sagt:

      @Schmidt: Richtig, zum Beispiel Ungeimpfte totspritzen oder an die nächste Straßenlaterne aufhängen. Solidarität in der EUDSSR muss sein. Informationen z. B. “Uncutnews.ch”