Homophob aus Prinzip: Russland zensiert Film

Von Manuel Freund | Vor inzwischen über einem halben Jahr erschien Freddy Mercurys Filmographie – ein Kassenschlager in allen Kinos. So ist es auch kein Wunder, dass vor kurzem wieder eine Filmographie einer Musikikone rausgekommen ist. „Rocket Man“ heißt der Film, in dem das Leben des zuerst bisexuellen und später homosexuellen Elton John gezeigt wird. Die Sexualität habe ich ganz bewusst betont, denn die Musiklegende hatte regelmäßig Geschlechtsverkehr, Partnerschaften und Affären mit verschiedensten Männern. Da dies ein wichtiger Teil seines Lebens war, hat man in dem Film natürlich einige Sexszenen zwischen zwei Männern gezeigt. Des Weiteren wird mehrfach gezeigt, wie Personen Drogen nehmen.

Jedem mit gesunden Menschenverstand ist jetzt klar, dass diese Szenen in dem Film sein müssen, denn ansonsten wäre er schlicht unvollständig. Elton John war nunmal schwul und hat Drogen genommen, kann man nichts dran ändern. Was einige Russen jetzt allerdings denken: Wenn man in einem Film eine Szene mit einem bestimmten Inhalt zeigt (z.B. Drogenkonsum), dann befürwortet man diesen Inhalt auch. Deswegen wurden in Russland aus dem Film sämtliche Schwulen-Sexszenen und Szenen mit Drogenkonsum rausgeschnitten. Also spricht sich Disney dafür aus, dass alle Lebensformen im Universum anfangen, sich gegenseitig mit Laserwaffen und riesigen Raumschiffen umzubringen? Disney verherrlicht Krieg und Genozid, ganz klare Sache…

In Russland ist Homosexualität auf dem Papier legal. Die einzige größere gesetzliche Einschränkung ist, dass kleinen Kindern keine lebensbejahenden Darstellungen gleichgeschlechtlicher Liebe gezeigt werden dürfen. Der Film hat allerdings in Russland sowieso eine Altersfreigabe von 18+, dementsprechend wäre diese Vorschrifft unter dem sehr markanten Namen „Homopropaganda-Gesetz“ bedient. Trotzdem hat das entsprechende Unternehmen diese Szenen rausgeschnitten. Das russische Kulturministerium versicherte, dass es keine Anweisungen diesbezüglich erteilt habe. Eine Sorecherin des Unternehmens “Central Partnership” selbst äußerte, dass das Unternehmen den Film der russischen Gesetzgebung angepasst habe – offensichtlich eine dreiste Lüge, denn kein russisches Gesetz verbietet Filmszenen mit Drogenkonsum oder gleichgeschlechtlichem Sex, solange eine entsprechende Altersvorgabe vorhanden ist.

Offensichtlich ist die Zensur nur ein weiteres Diffamieren von Homosexualität. Amnesty International sprach von „eindeutiger Schwulenfeindlichkeit“. Dadurch, dass man solche Szenen rausschneidet gibt man ein eindeutiges Signal, dass Homosexualität nicht normal ist. So sind leider auch viele russische Bürger eingestellt. Obwohl Homosexualität gesetzlich erlaubt ist, werden Schwule und Lesben immer wieder diskriminiert oder sogar bedroht. Vor allem in Tschetschenien kann man sich als LGB nicht mehr outen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. Die Entscheidung des Unternehmens fördert diese gesellschaftliche Ungleichbehandlung. Wenn man diese Szenen den Zuschauern bewusst vorenthält, dann ist das nicht nur eine Verzerrung der Biographie, sondern auch ein Versuch die unvollkommene Aufklärung in Russland aufzuhalten. Zu einer modernen Gesellschaft gehört Gleichberechtigung unabhängig von Religion, Geschlecht, politischer Meinung oder Sexualität nunmal dazu. Russlands Gesellschaft ist davin leider noch weit entfernt.

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