Hauptstadtgöre vs. Dorfprolet – das große Apollo-Battle

Lesen Sie hier: Das große Debattenduell. Soja-Latte-Pauline gegen Mistgabel-Jonas – wir tragen den Stadt-Land-Konflikt auf der virtuellen Bühne aus. Für wen fiebert ihr mit: Team Kuhkaff oder Team Asikiez? 

Achtung: Keine Dorfproleten oder Hauptstadtgören wurden bei der Produktion dieser Kolumne ernsthaft verletzt. Dieser Austausch spiegelt in keiner Weise das Arbeitsklima bei Apollo News wieder, sondern dient schlichtweg Unterhaltungs- und Ausbildungszwecken. Seelsorgerische Unterstützung stand den Autoren zu jeder Zeit zur Verfügung.


 

Lieber Soja-Latte als Schafskotze

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Von Pauline Schwarz | Ich habe mich letztens mit einem meiner Apollo-Kollegen unterhalten, dem Jonas. Ich denke irgendwie immer, dass der gute Mann aus Sachsen kommt, aber eigentlich ist er aus Thüringen, genau genommen aus einem winzig kleinen 300-Seelen-Dorf irgendwo im Süden – wozu ich ihm schon oft mein Beileid ausgesprochen habe. Immerhin musste der arme Kerl ein trauriges Leben als waschechter Dorfprolet führen. Als er mir erzählt hat, wie das so ist, da bei ihm auf dem Lande, habe ich echt das Grauen bekommen und ein spontanes Stoßgebet gen Himmel gerichtet. Ich dachte mir nur: Danke lieber Gott, dass du mich zum Städter gemacht hast! Nicht auszumalen, wie mein Leben zwischen Kuhmist, Hühnerstall und Schützenfest verlaufen wäre.

Ich selbst bin glücklicherweise eine waschechte Großstädterin – in Berlin geboren und aufgewachsen. Bei uns leben über drei Millionen Menschen. Für mich ist also alles mit weniger als einer Millionen Einwohner quasi ein Dorf. Und ja, ich weiß schon, was Sie jetzt sagen werden, das ist wieder „diese Arroganz der Großstädter“. Aber hey, ich stehe dazu. Für mich gibt es keine schlimmere Vorstellung als in einer Kleinstadt zu leben – und damit meine ich jetzt nicht in erster Linie Städtchen wie Mannheim mit schmächtigen 300.000 Einwohnern -so viele hat allein der Bezirk, in dem ich wohne-, sondern so richtige Kuh-Käffer – so wie das von Jonas. Orte, wo mehr Schafe auf der Wiese stehen, als Menschen leben. Und dabei geht es mir nicht mal darum, dass man vier Stunden fahren muss, um den nächsten Soja-Latte zu kriegen. Nein, viel schlimmer ist diese elendige Vertrautheit. Jeder kennt jeden und jeder weiß alles. Der Dorffunk ist schneller, als die Mainstream-Medien auf der Jagd nach dem nächsten Rassismus-Skandal.

Während mir Jonas wahrscheinlich genau sagen kann, wie die drei Schafe und vier Hühner seines Nachbarn heißen – und ich wette mit Ihnen, es ist wenigstens einmal der Name Herbert, Winfried, Sigmund oder Karl-Heinz dabei -, weiß ich nicht mal genau, wer in der Wohnung unter uns wohnt. Von meiner verzweifelten Suche nach Paketen mal ganz abgesehen, bin ich darüber gottfroh. Meine Nachbarn sind schräg, manche sogar gruselig – ich hätte kein Bedürfnis, sie näher kennenzulernen. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Hier lebt jeder sein Leben – und so lange nicht wieder einer meiner Nachbarn vor mein Fahrrad in den Hof kackt (true story), ist es mir herzlich egal, was sie treiben. Sollen sie doch zwanzig Würstchen an ihr Fenster hängen, ihre Teppiche auf den Büschen im Hof trocknen und im Sommer auf dem Fensterbrett grillen. Hauptsache, ich muss am Morgen keine Freundlichkeit heucheln und keinen sinnlosen Small-Talk im Hausflur führen. In Berlin-Kreuzberg gehen wir einfach aneinander vorbei und tun so, als hätten wir uns nicht gesehen. Ich muss mir nicht mal ein „Hallo“ raus quälen.

In meinem Kiez kennen mich nicht viel mehr Leute als der Kiosk-Mann, bei dem ich immer Zigaretten kaufe, und der Typ von der Tankstelle. Das bringt einige Vorteile mit sich. Vor einiger Zeit bin ich mitten in der Öffentlichkeit, als ich mit meinen neuen Stöckelschuhen gerade besonders schick, souverän und cool aussehen wollte, auf einer leeren Flasche ausgerutscht. Ich habe mich im hohen Bogen auf die Schnauze gelegt – das war dezent peinlich. Also bin ich aufgestanden, hab mein imaginäres Krönchen gerichtet und die Flucht ergriffen. Die Leute um mich rum, die sich das Lachen weder verkneifen konnten, noch wollten, habe ich nie wieder gesehen. Wenn Sie mich fragen, die ganze Sache ist nie passiert. Aber stellen Sie sich das mal auf dem Dorf vor. Der Bäcker, der Postbote und die Frau am Marktstand würden mich am nächsten Tag fragen, ob nach meinem Sturz auch alles in Ordnung sei. Ich meine, bei denen ist es so langweilig, da ist wirklich alles eine Story wert. Vor den Schnattermäulern und Klatschtanten ist nichts sicher.

Selbst wenn ich mal einen über den Durst trinken würde – das machen Dorfpomeranzen ja bekanntermaßen gerne, so im Stile à la Doppelkornchallenge – und ein paar Lücken in meinem Erinnerungsvermögen zu beklagen hätte – OmmaErna wüsste, mit wem ich letztes Wochenende in der Dorfdisse geknutscht habe, selbst wenn ich das nicht mehr weiß. Auf dem Land herrscht nun mal das Prinzip, das schon „die Ärzte“ in ihren Song „Lasse redn“ beschrieben: „der Kollege eines Schwagers hat dich neulich gesehen“. Und dafür wirst du dann auch mit Verachtung gestraft. Bei uns kann man seine Anonymität hingegen noch richtig genießen.


Lieber Dorfprolet als wahnsinnig

Von Jonas Aston | Ich habe mich neulich mit meiner Apollo-Kollegin Pauline unterhalten. Bisher hatte ich die Pauline immer als einigermaßen vernünftig eingeschätzt. Letztens offenbarte sie mir aber auf einmal, dass sie aus Berlin kommt, und dann auch noch aus Kreuzberg. Eine Stadt, um die man einfach einen hohen Zaun bauen sollte. Schlüssel weg und viele Probleme hätten sich erledigt. Klingt vielleicht hart, aber mein Gespräch mit dieser leibhaftigen Großstadtgöre bekräftigte mich nur in meiner Ansicht. Stück für Stück bestätigte sie jedes noch so kleine Vorurteil. Ich glaube, ihr ist gar nicht bewusst, in was für einem weltfremden Biotop sie da haust.

Mit mir hat es das Schicksal zum Glück gut gemeint. Der Storch hat mich in einem winzigen Dorf in Thüringen mit 300 Einwohnern ausgesetzt, in das eine Straße rein – und die gleiche Straße wieder rausführt. Ich höre jetzt schon die Worthülsen von wegen „abgehängte“ oder „strukturschwache Region“, aber so wie es ist, ist es genau richtig. Man weiß, was man hat. Und ja, ich gebe gerne zu, dass ich Platzangst bekomme, wenn ich im Bus nicht der einzige Mitfahrer bin. Im Gegensatz zu andern, halte ich es eben ganz hervorragend aus, auch mal allein zu sein. Und: inzwischen wohne ich in Jena, was mir mit seinen 100.000 Einwohnern schon wie eine absolute Metropolregion vorkommt. Aber ja Paulinchen, ich weiß, für dich ist das gar nichts.

Mit städtischem Überlegenheitsgefühl posaunte sie raus, dass mein Dorf ein „Kuh-Kaff“ wäre und ließ sich angewidert über Kuhmist aus. Ich sage nur: Anmaßung von Wissen. Schließlich ist die typische Großstadtgöre noch nie einer Kuh begegnet. An dieser Stelle habe ich mich dazu entschlossen, etwas Aufklärungsarbeit zu leisten und einen Exkurs einzuschieben. Für Pauline und alle, die es sonst noch nötig haben. Die Kuh ist ein Säugetier. Zugleich ist die Kuh ein Nutztier, denn sie liefert Milch (die Milch zaubert sich also nicht einfach so in die Kühltheke, liebe Großstadtkinder). Außerdem können Kühe zu Fleisch verarbeitet werden. Das ist das sogenannte „Rindfleisch“. Wichtigstes Merkmal von Kühen ist ihre meist schwarz-weiße oder braun-weiße Musterung. Dass Kühe lila sind, ist hingegen ein Mythos, der sich bei Großstadtkindern durchgesetzt hat, die zu oft Milka-Schokolade gegessen haben.

Die Ignoranz der Städter beschränkt sich aber nicht nur auf ihr Wissen über Kühe. Bei euch scheint das Motto zu gelten: „Wenn es keine Probleme gibt, dann machen wir halt selbst welche“. Anders kann ich mir wirklich nicht erklären, warum sogenannte „Aktivisten“ seit Wochen Berliner Straßen blockieren. Habt ihr zu viel Zeit oder was ist sonst bei euch los? Ich habe mal überlegt, was passieren würde, wenn ich hier eine solche Aktion starten würde. Erst einmal hätte ich schon große Probleme, die Straße überhaupt zu blockieren. So ganz alleine wird das nämlich schwierig und hier Mitstreiter zu finden, würde sich noch schwieriger gestalten. Sollte es mir wider Erwarten doch gelingen, die Straße zu blockieren, würden mich aufgebrachte Anwohner aber ganz schnell in ein Flugzeug setzen und per one-way-Ticket nach Berlin schicken.  Hier hat sich der Wahnsinn nämlich nicht Bahn gebrochen.

7 Antworten

  1. Holger sagt:

    Ich, alter weißer Mann, bin bis zu meinem 12. Lebensjahr auf einem 1.500-Seelen Dorf an den Hängen des Odenwaldes groß geworden und dann, im Gepäck meines Vaters für die „wichtige“ Zeit der Pubertät in Köln (Kulturschock in mehreren Dimensionen!!!) gelandet. Heute lebe ich im „landwirtschaftlich geprägten“ Speckgürtel von Bonn (Vorgebirge). Bei aller Achtung vor Eurem Engagement: Ich halte Euch beide für eindimensional, wie heißt es heute korrekt: „with special needs“!

    • Karina sagt:

      Also da ist doch wohl eindeutig ein gewisser Grad an Satire bei beiden Autoren zu erkennen lieber Holger! Ich glaube nicht, dass das alles zu 1000 % ernst gemeint ist…;)

  2. Stefan Spumant sagt:

    So schön formulieren lernt man nur in Berlin.

  3. tl sagt:

    Der Kampf entscheidet sich bereits mit dem Versuch Berlin als „Stadt“ zu bezeichnen:

    Ein Sammelbecken von dekadenten wannebe’s, gescheiterten golddiggern, eng umklammert von egozentrischen Psychosen , … im Griff der Unfaehigkeit -immer auf Pump.

    Beweisen Ihre Faekalanalysen etwa, dass Kuehe den IQ des Homo Toilettis bereits ueberholt haben? Zugegeben, der „Beweis“ hinkt wie die Aussagen eines Karl Lauterbach. Aber so wird deutsche Beweisfuehrung inzwischen eben gemacht.

    Nicht nur EIN Dorf gewinnt gegen Berlin, sondern JEDES Dorf.
    Und jede Stadt, inklusive Tschernobyl oder Pjoenjang.

    Frau Schwarz, bitte versuchen Sie eine wirkliche Stadt (Bspl.: Tokyo) und Sie werden erkennen mit welchem „Kaff“ man Sie betrogen hat. In Berlin leben so „wenige“ Menschen, wie im Bahnhof von Shibuya an Passagieren befoerdert werden.
    Taeglich (!) Und dies ist nur der viertgrosste Bahnhof ……

    Daher mein Votum fuer Herrn Aston.
    tl

  4. Cookie Monster sagt:

    Ich geb ja zu, dass die Argumente von Team Dorfprolet etwas für sich haben. Doch als geborener Berliner muss ich sagen: +1 Hauptstadtgöre.

  5. Helmut sagt:

    Great! Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und bereue keinen Tag den ich da zubrachte. Damals 200 Einwohner und 700 Kuehe, sagte jedenfalls mein Vater. Stimmt, jeder kannte jeden, das hat Vor- und Nachteile. Seit einigen Jahren wohne ich in einer Megametropole im Ausland, geniesse es auch aber ich plane in einigen Jahren in eine laendliche Gegend zu ziehen.

  6. Tim sagt:

    Ob man es jemandem dem schon vors Fahrrad „gemacht“ wurde und der dauernd seine Pakete suchen muss wirklich noch erklären muss…. vielleicht wenn zuviel Soja (Latte) konsumiert wurde. (Soja macht sogar Affen und Schweine aggressiv und führt in Verbindung mit Fleischverzicht zu Hirnschrumpfung – da muss man schon Großstädter sein um das freiwillig zu schlucken)…… in Berlin wohnen zwar erheblich mehr als 300 Menschen – und das hat Vorteile bei der Auswahl der Nachtclubs und beim shoppen, aber 3 Millionen Menschen sind es nicht. Vielleicht kommt Berlin auf 30.000….. der Rest sind freundlich formuliert „Zweibeiner“…. also dieses Gesocks das alte Leute in der UBahn bespuckt, vor Fahrräder kackt und sie dann klaut, LKW Fahrern die Ohren kaputtkreischt weil sie beim Ökotomaten anliefern einen Diesel nutzen, kurz Grüne und ihre Klientel. Ich bin auch in einer „Großstadt“ aufgewachsen…(jedenfalls im Vorort, der ganz OK war bis er für den genetischen Innenstadtabfall durch den ÖPNV erschlossen wurde) seither bin ich froh das ich weiter weg fliehen konnte…. ich brauche einfach keine Drogennutten die sich von irgendeinem Stricher zusammenfalten lassen und dann noch den alten Herrn der ihr helfen will anscheissen er solle sie und ihren „Freund“ in Frieden lassen. Jonas hat Recht: Zaun drum Schlüssel wegschmeissen – dann sind wir die allermeisten Probleme los!