„Hass wird siegen“ – Isländischer ESC-Auftritt mit peinlicher Palästina-Aktion

Von MANUEL FREUND | Am 18. Mai fand der diesjährige Eurovision Song Contest statt, ein Event, das ich jedes Jahr viel und gerne verfolge. So saß ich auch dieses Jahr wieder vor dem Fernseher und wartete hingegen Ende des Contest die Votings ab. Zuerst die Jury-Votings, dann die Televotings. Die Televotings werden nicht wie die Jury-Votings alle einzeln aufgezählt, sondern alle zusammengefasst. Das heißt bei den Verkündungen der Televotings wird jedes Land einzeln genannt. Die Länder werden also nach und nach genannt. Jetzt kommt Island… 186 Punkte. Die isländischen Teilnehmer Hatari werden gezeigt und halten Palästina-Banner hoch. Aus den Publikum kommen Buhrufe – zurecht.

Hatari ist eine Industrial Techno Band aus Island, die mit ihrem Song „Hatrid mun sigra“ (Hass wird siegen) antraten – da verwundert die Aktion mit den Palästina-Flaggen weniger. Alle drei festen Mitglieder kommen aus guten Hause – trotzdem sind sie überzeugte Antikapitalisten. Wie das Klischee vom Antifa-Zahnarztkind zwingend vorschreibt, ist die Band auch sehr Antizionistisch und hatte noch bevor sie ausgewählt wurden, beim ESC zu singen, dazu aufgerufen, den Contest, der dieses Jahr in Israel stattfand, zu boykottieren.  Als sie dann letztendlich selbst ausgewählt wurden, für Island anzutreten kündigten sie bereits an, antiisraelische Botschaften zu verbreiten. Beim ESC ist es allerdings verboten politische Botschaften zu verbreiten; das war der Gruppe auch bewusst. Hätten sie die Palästina-Banner schon hochgehalten, bevor das Ergebnis feststand, hätte dies wahrscheinlich die sofortige Disqualifikation bedeutet, deshalb haben sie die Banner erst danach hochgehalten. Jetzt hat die EBU, der Veranstalter des ESC, angekündigt, Island beim  kommenden Contest zu sanktionieren. Sollte ein weiterer Verstoß dieser Art seitens Island vorkommen, so droht dem Land der Ausschluss vom größten TV-Musikevent der Welt.

Im Internet wird die Aktion von vielen gefeiert. Als „Mutig“. Mutig wäre es, wenn die Band Israelflaggen in den Palästinensergebieten hochgehalten hätte. Andererseits ist die Band, die sich selbst als „Queer“ bezeichnet, wohl doch außerordentlich Mutig: Wenn sie sich mit einem Gebiet solidarisieren, dessen Besuch sie wohl nicht unbeschadet überstehen würden. 

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