Hamas feuert Raketen auf Israel – was machen deutsche Medien daraus?

 

Von Michal Kornblum | Stellen Sie sich vor, es hätte über Weihnachten Raketenangriffe auf deutsche Städte gegeben und die Bundeswehr hätte daraufhin (sofern sie dazu in der Lage wäre) mit Raketenangriffen auf militärische Ziele der Angreifer reagiert. Stellen Sie sich auch vor, die allermeisten Zeitungen würden dann Schlagzeilen wie „Bundeswehr greift an“ oder „Deutschland startet Luftangriff“ herausbringen. Würden Sie solche Schlagzeilen als eine Lüge empfinden? Immerhin entsprächen sie den Fakten. Trotzdem sagen sie jetzt wahrscheinlich: „Aber es ist nicht die ganze Wahrheit!“ Natürlich haben Sie damit recht und trotzdem gehört diese verfälschende Art der Berichterstattung offensichtlich zur journalistischen Etikette in Deutschland, sobald über Israel und die Hamas berichtet wird.

In der Nacht vom 25.12. auf den 26.12. gab es erneut Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israels Städte und Zivilisten. Daraufhin hat die Israelische Armee militärische Ziele der Hamas in Gaza beschossen, darunter eine Herstellungsstätte für Raketen. Deutsche Meien titeln aber wie gewöhnlich zu solchen Anlässen, dass Israel Gaza beschießt und angreift. Das ZDF titelt „Israel beschießt Ziele im Gaza-Streifen“, der DLF „Israelische Luftangriffe gegen Hamas-Ziele im Gazastreifen“, die FAZ „Israel greift Ziele der Hamas im Gaza-Streifen an“, die ZEIT titelt mit „Israel – Armee schießt auf Hamas-Ziele im Gazastreifen“, der Spiegel „Israel greift Hamas-Ziele im Gazastreifen an“ mit einem kleinen verärgert wirkenden „Nach Raketenbeschuss“ in der Stichzeile.

Dass es vorher Angriffe auf israelische Bürger gab, steht oft irgendwo im Kleingedruckten zwischen Zeile drei bis fünf im Konjunktiv, so als wisse man nicht ganz ob es stimme.

Das Recht auf Selbstverteidigung, das jedem souveränen Staat selbstverständlich zugestanden wird, stellt für deutsche Journalisten im Falle von Israel offenbar eine offensiv-aggressive Kampfhandlung dar. Diese Täter-Opfer-Umkehr passt einfach zu gut ins Weltbild: Israel als großer, brutaler Aggressor und die Palästinenser als armes Volk, dass nach Lust und Laune der israelischen Armee willkürlich beschossen wird. Dieses Bild, das sie dem Leser vermitteln, der nur schnell die Schlagzeilen beim Bäcker oder online beim Durchschauen der Nachrichten überfliegt und sich nicht die Mühe macht, jeden Artikel komplett zu lesen, ist bewusst manipulativ und irreführend.

Das häufige Argument aus eben jenem tendenziell links geprägten Wohlstandsmilieu ist, dass die „Feuerwerkskörper“ der Palästinenser ein Hilferuf des Widerstands sind und ohnehin in der Wüste Israels landen, wohingegen die israelische Armee eine Kampfmaschinerie ist. Nun hierzu muss man wissen, dass diese Feuerwerkskörper dank großzügiger Finanzierung der Bundesregierung und deutscher Stiftungen und Vereine via Hilfsgelder an den Gaza-Streifen durchaus in der Lage sind, ein Haus in einen sehr renovierungsbedürftigen Zustand zu versetzen, Menschen zu verletzen und zu töten.

Es ist schon ein starkes Stück, Weihnachten in seiner sicheren Wohnung in Prenzlauer Berg zu sitzen – während die Bewohner Aschkelons (ca. so viele Einwohner wie Ingolstadt) nach dem Ertönen der Sirenen nur wenig Zeit haben, um in den nächsten Bunker zu rennen – und dann darüber zu urteilen, dass Israel seine Bürger schützt. Es ist lange bekannt, dass die Hamas ihre Raketen in die Mitte des zivilen Lebens Israels schickt, in die Städte und auf die Bevölkerung, mit dem Ziel zu töten. Die israelische Armee beschießt gezielt Waffenlager und militärische Ziele. Die Journalisten haben recht, wenn sie schreiben, dass die Israelische Armee stark ist. Israel ist stolz auf seine militärische Stärke, denn „Nie wieder!“ ist dort anders als in Deutschland nicht bloß eine Floskel des politischen Sammelsuriums von Textbausteinen. Hinter diesem Satz stehen Taten und falls notwendig auch militärische Handlungen. Ob dies diesen Deutschen gefällt, wird Israel ziemlich egal sein.

ARD-Vorsitzender Tom Buhrow drohte kürzlich damit, dass „man es im Programm deutlich sehen und hören wird“, wenn die  Beitragsanpassung (vulgo Erhöhung der GEZ) nicht kommt. Wenn sich dann die Qualität der Öffentlich-Rechtlichen noch weiter verschlechtern soll, wird mir Angst und Bange, was wir dann noch so ertragen werden müssen.

Was Israel angeht, so bleibt nur zu sagen, dass Technologien und auch militärische Operationen das Überleben dieses Landes sichern, dessen Bürger täglich vor existenziellere Gefahren gestellt werden, als es solche in absoluter Sicherheit lebenden Journalisten jemals erleben werden. Ich sehe keinen Grund, sich für die eigene Selbstverteidigung und das eigene Überleben zu entschuldigen – auch oder gerade als Jude. Israel muss seine Existenz täglich neu verhandeln und unter Beweis stellen. Golda Meir, die frühere Premierministerin Israels formulierte sehr treffend: „Ich ziehe es vor, am Leben zu bleiben und kritisiert zu werden, statt Mitgefühl zu erhaschen.“

Dieser Artikel von Michal Kornblum erschien zuerst auf TichysEinblick.

1 Antwort

  1. Tim sagt:

    Hervorragender Artikel! Das man (inzwischen?!) in der deutschen Medienlandschaft und Politik (nur noch?) jemand werden kann wenn man sich (kaum noch heimlich still und leise – sondern eher hirnlos und vorlaut) über israelische Selbstverteidigung echauffiert ist eigentlich unglaublich! …. Vollständig absurd ist das diese Irren dann auch noch diejenigen sind die anderen vorwerfen sie seien “Nazi” (Meist weil sie keine Tofuburger wollen oder ihren Kindern Wunschgemäß Barbiepuppe und ferngesteuertes Auto schenken… und die Geschenke auch nicht vertauschen.)