Haben die Juden ihr Land gestohlen? Die Lügen über die Gründung Israels

Von Selma Green | Kaum ein historischer Vorgang wird so verzerrt dargestellt wie die Gründung Israels – Lügen und Scheinwahrheiten über Israel unterfüttern antisemitische Vorurteile. Israels Gründung war gerecht. 

Mit Apollo History beleuchten wir einmal in der Woche geschichtliche Ereignisse – informativ und unterhaltsam von jungen Journalisten für junge Leser. 

Angriffe auf jüdische Mitmenschen, antisemitische Parolen wie “Scheißjuden” auf Deutschlands Straßen- nein, diese Nachrichten stammen nicht aus einer Zeitung von 1933, sondern  aus dem Jahr 2021. Ich musste schlucken, als mir Bilder von Pro-Palästina-Demonstrationen in Deutschland auf meinem Handy entgegenploppten. Nie zuvor war mir aufgefallen, dass der Antisemitismus in Deutschland so präsent ist und vor allem: hingenommen wird. Und auch dieses Jahr schmücken Palästinaflaggen und Rufe wie “Hamas, Hamas, Juden ins Gas” Demonstrationen am 1. Mai. Wiederholt wird Israel das Existenzrecht abgesprochen, mit Parolen wie Palästina “vom Meer bis zum Fluss”. Bei Diskussionen warfen mir meine Mitschüler immer das Argument um die Ohren, die Juden hätten den Palästinensern das Land gestohlen. Stimmt das? Machen wir einen kleinen Exkurs in die Geschichte.

Palästina war nichts anderes als ein Gebiet im Nahen Osten – kein Staat, kein Volk, sondern zunächst nur ein spärlich besiedeltes Territorium des osmanischen Reiches. 1880 lebten gerade mal 400.000 Araber und 24.000 Juden in dem öden Gebiet, bestehend aus Sumpf- und Wüstenlandschaften. 1882 begann die erste jüdische Einwanderungswelle nach Palästina. Der Anlass für die vielen Juden, nach Palästina  zu kommen, waren Pogrome in Russland. Gleichzeitig breitete sich in Europa eine Idee, ein Funken Hoffnung für das jüdische Volk aus: der Zionismus. Der Zionismus beschrieb und beschreibt eine Bewegung, die einen jüdischen Staat in Palästina, der historisch-religiösen Heimstätte der Juden, gründen und erhalten will. Gerade durch die jüdische Diaspora schien der einzige Weg, ein Leben in Sicherheit führen zu können, darin, einen solchen jüdischen Staat zu gründen. Aus dem Grund wurde 1897 die zionistische  Organisation gegründet. Sie kaufte durch den Jüdischen Nationalfonds Land von unter anderem hoch verschuldeten arabischen Bauern in Palästina ab. Aus der Sicht der Juden ist es verständlich: ein dünn besiedeltes Gebiet, das nicht gerade heiß begehrt ist und mit dem das jüdische Volk auch eine historische Verbindung hat – da ist Platz für einen jüdischen Staat.

Hinzu kommt im Jahr 1917 die für die Zionisten wichtigste Erklärung: die Balfour-Deklaration. Es war ein Brief vom britischen Außenminister Lord Balfour an den Präsidenten der Zionistischen Organisation, Lord  Rothschild.  Großbritannien  erklärte  darin,  die  Gründung  eines  jüdischen Staates in Palästina zu unterstützen.

Der erste Weltkrieg endet mit einer  Niederlage der Osmanen und dem Kollaps ihres Reiches. Die Briten übernehmen die Kontrolle über das Gebiet Palästina und Transjordanien (Heute Israel, Palästina und Jordanien). 1922 ist es soweit: Der Völkerbund bestätigt das britische Mandat Palästina. Der Gründung Israels dürfte jetzt nichts mehr im Wege stehen. Doch im selben Jahr teilen die Briten Palästina in zwei Verwaltungsbezirke: In 78 Prozent des Gebietes östlich des Jordans, Transjordanien, wird die Einwanderung von Juden verboten.
Die Briten überlassen die Herrschaft des Gebietes größtenteils den Arabern. Das Gebiet westlich des Jordan wird Cisjordanien und später Palästina getauft. Warum das? Dort leben Juden, die darauf warten, ihren jüdischen Staat zu gründen.

 

Warum geschieht nichts? Weshalb die Teilung? Wo liegt das Problem?

Seit der Balfour-Deklaration strömten mehr Juden nach Palästina. Bis 1939 kam es zu drei weiteren jüdischen Einwanderungswellen, insbesondere aus Europa und speziell auch aus Deutschland. Die Araber fühlten sich durch die vielen  Juden bedroht – auch sie wünschten sich seit Jahrzehnten einen unabhängigen Staat, der ihnen auch von den Briten versprochen wurde. Von 1915 bis 1916 formulierten sie den Wunsch in der Hussein MacMahon-Korrespondenz, ein Briefwechsel zwischen dem britischen Hochkommissar MacMahon und dem König des im heutigen Saudi-Arabien liegenden Königreichs Hedschas, Hussein. Die  Briten forderten  darin  die  Araber  auf,  sich gegen  das  Osmanische  Reich zu erheben, das im ersten Weltkrieg an deutscher Seite kämpfte und somit Großbritanniens Feind war. Im Gegenzug würden die Briten einen arabischen Staat anerkennen.

In dem Briefwechsel wurden keine Grenzen dieses arabischen Staates festgelegt, denn es kam zu Meinungsverschiedenheiten und Missverständnissen. Naja, die Korrespondenz erfüllte für die Briten auch mehr einen strategischen Zweck. Man munkelt, dass die Briten nie vorhatten, die Gründung eines arabischen Staates zu unterstützen.

Folglich war die darauffolgende Balfour-Deklaration in den Augen der Araber ein Verrat der Briten. Die Briten zogen noch den Kopf aus der Schlinge und stritten ab, den Arabern das Gebiet Palästina zugesprochen zu haben. Was für ein Spiel spielten die Briten da? Diese Korrespondenz war ein Grund dafür, dass die Juden nicht auf Anhieb ihren Staat gründen konnten. Wie ernst meinten sie es mit der Balfour-Deklaration und der Hussein-MacMahon-Korrespondenz?

Das doppelte Spiel der Briten legte somit einen Grundstein des Nahost-Konfliktes. Seither verübten die Araber immer wieder Anschläge auf jüdische Einwanderer. 1939 eskalierten die Unruhen zwischen den Juden und Arabern in Palästina. Die angespannte Situation brachte die Briten zum Schwitzen, sodass sie einen ersten Teilungsplan entwarfen. Die Araber würden zwei Drittel des Gebietes Palästinas westlich des Jordan erhalten. Das übriggebliebene Drittel des Gebietes würde den Juden zugesprochen werden.

Die Araber lehnten den Plan ab, die Juden nahmen ihn an. Was wollten die Araber noch? Eine Fußmassage von den Juden? Die Ablehnung des Plans zeigt doch, dass die Araber von Anfang an gegen die Gründung eines jüdischen Staates waren. Die Juden haben durch die Balfour Deklaration ein Recht, in Palästina einen jüdischen Staat zu gründen.

Ich habe mal von meinen Mathematikkünsten gebrauch gemacht: die Juden hätten nur ca.  7,3 Prozent  des  Gesamtgebietes  Palästinas erhalten. Wobei die Briten den Juden, anders  als  den Arabern,  das Gebiet  Palästina  explizit  in  der  Balfour-Deklaration  zugesprochen hatten. Der Plan scheiterte zwar, doch er war nicht der einzige Versuch, Palästina zu teilen.

Die UN arbeitete 1947 erneut einen Teilungsplan aus. Der jüdische Staat würde 56 Prozent Palästinas westlich des Jordans, erhalten und die Araber bekämen ca. 44 Prozent davon. Nun könnte man denken: Naja, 44 Prozent sind viel kleiner als 56 Prozent. Der UN-Teilungsplan ist längst kein Grund zum Jammern, denn ein Jahr zuvor hatten die Araber in Transjordanien ihren arabischen Staat gegründet. Dieser Staat, das heutige Königreich Jordanien, machte wie gesagt 78 Prozent Palästinas aus. Die Araber lehnten auch diesen Teilungsplan ab. Warum gönnen die Araber den Juden nicht einmal diesen winzigen Fleck? Der Holocaust war wenige Jahre her, tausende Juden waren auf der Flucht. Die Juden brauchten einen jüdischen Staat. Die Araber hatten ihren Staat bekommen, doch auch gegen diesen Teilungsplan kämpften sie an – für sie sollte es keinen Judenstaat in Palästina geben. 

Zumindest stimmte die Mehrheit der UN-Generalversammlung für den UN-Teilungsplan. Der Plan wurde somit im November 1947 angenommen und sollte im Mai 1948 in Kraft treten. Die arabischen Palästinenser spielten bis zur Staatsgründung Israels Randale und es kam zu weiteren Unruhen. Nun gut, nicht nur die Araber, sondern auch die Juden hatten Leichen im Keller. An den Unruhen waren oftmals jüdische paramilitärische Organisationen wie die Irgun und die Lechi beteiligt. Beispielsweise versuchte die Irgun seit dem Beschluss des UN-Teilungsplans, gezielt Araber aus Palästina zu vertreiben und attackierten aus Rache das Dorf Deir Jassin.

Doch am 14. Mai 1948 ist es endlich soweit, das britische Mandat über Palästina erlischt und David Ben Gurion proklamiert den Staat Israel und verliest die israelische Unabhängigkeitserklärung. Noch während der Staatsgründungszeremonie, in der Ben Gurion seinen Nachbarn die Hand zum Frieden reicht, kommt es zum arabischen Angriff auf Israel. Doch der neue Staat kann wider erwarten triumphieren und den Angriff zurückschlagen. 

Nach diesem holprigen Weg zur Staatsgründung Israels, werfen Israelhasser und Antisemiten heute ernsthaft vor: Die Juden haben den Palästinensern das Land gestohlen!

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie falsch das ist: Zumal das Volk der Palästinenser eine künstliche Schöpfung ist. Die palästinensischen Araber nannten sich ab den 1960er “Palästinenser”. Selbst Palästinenser können nicht erläutern, was denn einen Jordanier von einem Palästinenser trennen würde, so dass beide als unterschiedliche Völker angesehen werden könnten. Wie schwierig die Suche nach einer echten, palästinensischen Identität ist, die nicht nur auf Hass gegen Israel basiert, zeigt sich bis heute: Selbst das „Palästinensische Museum“ definiert die Geschichte der Palästinenser maßgeblich als eine Kette von Abwehrreaktionen gegen jüdische Einwanderer und den Zionismus. 

Fazit: Das Gebiet Palästina ist nie ein souveräner Staat gewesen, es stand kurz vor der Staatsgründung Israels  unter britischem Mandat – wem also sollen die Juden das Gebiet „gestohlen“ haben? Der Begriff “gestohlen” würde bedeuten, dass die Juden das Gebiet unrechtmäßig an sich genommen hätten. Doch das haben sie nicht. Die arabischen Bauern verkauften früh ihr Land an die Juden. Dazu kommt, dass die Briten den Juden Palästina in der Balfour-Deklaration zugesprochen hatten. Die Briten hielten sich an die Hussein-MacMahon-Korrespondenz, warum haben sie sich nicht an die Balfour-Deklaration gehalten? Die Araber haben ihren arabischen Staat bekommen, die Juden wären an der Reihe gewesen. Der UN-Teilungsplan, der nach einer demokratischen Abstimmung angenommen wurde, unterstützte die Staatsgründung Israels. Die Behauptung, die Juden hätten den Palästinensern etwas gestohlen, ist revisionistische Geschichtsfälschung. Die Staatsgründung Israels war rechtmäßig – das ins Gegenteil zu verdrehen, ist schlichtweg Antisemitismus.


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6 Antworten

  1. Lisa sagt:

    Sehr informativ, vielen Dank! Das sind Fakten, die viel zu wenig Leute wissen – aber wissen sollten. Sollte normaler Schulstoff sein.

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Sehr wichtig, das immer wieder zu erzählen. Über die Gründung Israels sind inzwischen so viele Lügen und Verdrehungen im Umlauf, dass die meisten die wahre Geschichte gar nicht mehr kennen.

  3. Cookie Monster sagt:

    Mein Gott, wie viele Gelegenheiten hatten die Araber, mit den Israelis eine Einigung zu finden … danke für diese großartige Zusammenfassung!

  4. Thomas Behrendt sagt:

    Sehr geehrte Frau Green,
    vielen Dank für Ihren kurzen, gut lesbaren und völlig richtigen Exkurs in die Geschichte der Staatsgründung Israels. Ich weiß nicht, ob das heutzutage im Geschichtsunterricht noch gelehrt wird. Aber da das Existenzrecht Israels aufgrund unserer historischen Verantwortung zur deutschen Staatsräson gehört , halte ich dies für dringenden Unterrichtsstoff. Vielen Dank

    • Selma Green sagt:

      Hallo,
      In meinem Geschichtsbuch gibt es zwar einen kurzen Abschnitt zum Nahost-Konflikt, den wir im Unterricht jedoch nicht behandelt haben. Hinzu kommt, dass manche Argumente im Geschichtsbuch so gedreht werden, dass es aussieht als wären die „Palästinenser“ die Opfer. Zum Beispiel hat man geschrieben, dass die Briten den Palästinensern einen arabischen Staat versprochen haben und das auch im Vertrag von Sevres steht. Ich habe mir mal den Vertrag von Sevres angesehen und darin steht auch ausdrücklich, dass den Juden gemäß der Balfour-Deklaration, ein Staat in Palästina zusteht. Das wurde im Buch mit keiner Silbe erwähnt. Dazu wurde der Vertrag nie umgesetzt also ist das Argument nicht wirklich gültig.
      Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das eine gute Idee ist, den Nahost-Konflikt im Unterricht zu behandeln. Am Ende führt das wieder zu Indoktrination und Geschichtsverdrehung.

      • Thomas Behrendt sagt:

        Das ist erschreckend, was heute in den Schulen passiert. Gut das Sie sich die Mühe machen, das genau zu recherchieren. Ich muss gestehen, als Schüler hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, den Vertrag von Sevres zu suchen und zu lesen. Gut -,damals gab es auch noch kein Internet. Ich habe meist auch nur geglaubt, was die Lehrer gesagt haben oder was im Schulbuch stand. Es stand nur einfach auch was anderes drin als heute.