Guter Antisemitismus, schlechter Antisemitismus

Von Luis Blumenberg | Antisemitismus ist für Viele in unserer Mitte ein riesen Problem, einige sprechen ehrlich über ihre Erfahrungen, andere versuchen daraus Profit zu schlagen und wieder andere tun so, als gebe es keinen Judenhass.

Oft geht Antisemitismus von Deutschen mit einem verqueren, von Geschichtsrevisionismus geprägten, Weltbild aus. Man findet ihn in der klassischen Nazi-Szene aber auch über bspw. das Compact-Magazin in Teilen der AfD (bekanntestes Beispiel hier vielleicht Wolfgang Gedeon).

Subsummiert wird der Antisemitismus nach gängiger Mainstream-Meinung mit dem Rassismus und beides kommt natürlich nur und ausschließlich von rechts. Ich könnte jetzt auch so eine erfundene Twitter-Geschichte mit einem Bus und einer Frau mit Kopftuch erzählen, die von einer alten Frau rassistisch beleidigt wird, woraufhin ich und die Busfahrerin als einzige heldenhaft für die rassistisch Beleidigte aufstehen und uns für sie stark machen. Keine Angst, das mache ich nicht.

Worauf ich hinaus will: Mir scheint, als gäbe es nach heutiger verbreiteter Meinung zwei Sorten von gruppenbezogenem Menschenhass: den bösen und den weniger bösen. Meiner Meinung nach ist jede Form von Rassismus verachtenswert. Allerdings scheint es so, als wären nicht alle dieser Auffassung, wenn man sich mal anschaut, wie es im Alltag aussieht. In meiner Schule beispielsweise ist ein Mädchen, mit ich glaube arabischen Wurzeln (zugegeben, ich bin mir nicht ganz sicher). Dieses Mädchen läuft mit einer Handyhülle rum, auf der die Kartensilloutte Israels, Gazas und des Westjordanlandes abgebildet ist, ausgefüllt von einer palästinensischen Flagge.

Das ist klar antizionistisch und wer Antizionist ist, ist meiner Meinung nach Antisemit oder unterliegt zumindestens massiv antisemitischen Vorurteilen und Klischees – denn wer den Juden das Recht auf einen eigenen Staat, einen sicheren Zufluchtsort abspricht, verweigert ihnen das was allen anderen Menschengruppen zugesprochen werden soll.

Wenn die Antifa Antisemitismus relativiert

Dennoch und trotz der schrecklichen deutschen Geschichte, ist das der gesellschaftlich akzeptiertere, der „weniger böse“ Antisemitismus. Woran ich das festmache? Kein Lehrer, nichtmal die Lehrer, die sonst hinter jeder Ecke einen „Rechten“ oder sogar einen waschechten „Nazi“ wittern, haben dieses Mädchen auch nur einmal darauf angesprochen, haben auch nur einmal gefragt, was das denn soll. Man stelle sich vor, jemand wäre mit einer Reichskriegsflagge als Handyhülle herumgelaufen, dann wäre der Aufschrei zurecht groß gewesen und mehrere Lehrer wären froh, wenn sie sich so jemandem heldenhaft entgegenstellen könnten.
Hier kein Mucks, von keinem einzigen. Auch die Antifa-Mitglieder, die glauben den Kampf gegen den Rassismus für sich gepachtet zu haben und an meiner Schule nicht gerade unterrepräsentiert sind, haben nicht einen Ton von sich gegeben. Als ich daraufhin mal in einer Gruppe von ein paar Personen das Gespräch eröffnete, wurde mir zu verstehen gegeben, dass sie das bestimmt gar nicht so meine, dass ich Nachsicht haben müsse und, dass die Politik Israels ja auch wirklich schlimm sei und das ja eigentlich nur überspitzte Israelkritik sei. Und das von einer vorrangig links geprägten Gruppe.

Nun könnte man meinen, dass ein paar etwas seltsam urteilende Jugendliche und Lehrer, die nicht in ein vermeintliches Fettnäpfchen treten wollen, nichts Wildes seien, dies ist aber leider nicht so, denn jenes mit zweierlei Maß messen, zieht sich durch große Teile unserer Gesellschaft. Der Syrer, der mit einem Messer bewaffnet und den Worten „Fuck Israel“ auf die Sicherheitskräfte der Neuen Synagoge in Berlin-Mitte zugelaufen ist, ist laut der Süddeutschen Zeitung nur zwölf Stunden nach seiner Festnahme wieder auf freiem Fuß, weil von ihm laut der Polizei Berlin „keine Gefahr ausgeht“. Ich denke schon, dass von einem Antisemiten, der so angstlos ist, die mit Schusswaffen vor der Synagoge postierten, polizeilichen Objektschützer zu bedrohen, eine gewisse Gefahr ausgeht. Es wird seine Gründe haben, dass die Gemeinde, neben den Angestellten des polizeilichen Objektschutzes, noch Israelische Sicherheitskräfte vor der Synagoge postiert hat und dass wir im Berliner Straßenbild nur am Samstag und auch nur sehr vereinzelt, Kippas sehen.

Auch die die (vorrangig Linken) Twitter-Accounts, die sonst sehr schnell dabei sind, Rassismus zu verurteilen, waren seltsam ruhig, ja einige haben den Schritt der Staatsanwaltschaft, keinen Antrag auf Untersuchungshaft zu stellen, sogar verteidigt. (Seltsam, die sind ja sonst eher in der „ACAB“-Fraktion.)

Ebenfalls kann man beobachten, dass es um die IGS (Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands), Al-Quds-Demonstranten und Konsorten recht ruhig ist, obwohl diese immer wieder Rassismus und Antisemitismus der Extraklasse betreiben oder zumindest mit darin verstrickt sind. Die IGS beispielsweise wird trotz der Nähe zu den Al-Quds-Marsch-Antisemiten und Extremisten in den eigenen Reihen, weiter staatlich gefördert. Ich frage mich, wo bei Fällen dieser Art der Aufschrei von „Katapult-Magazin“, „Volksverpetzer“ Antifa, Böhmermann, Sixtus, Henning May und Konsorten ist.

Ich dachte immer, „die Guten“ wären im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus besonders konsequent, besonders drastisch und auch besonders hart, aber scheinbar gilt das nicht für jede Ausprägung. Warum wird mit zweierlei Maß gemessen? Warum gibt es den wirklich bösen und den weniger bösen Judenhass? Warum wird über manche Dinge so drastisch geschwiegen? Der Grund ist vermutlich, dass man ein bestimmtes Bild aufrecht erhalten will, ich kann nur raten, dass man dieses Bild schleunigst überdenken sollte, anstatt sich auf so verlogene Weise daran festzuklammern.

3 Antworten

  1. Sebastian Laubinger sagt:

    Das Problem sind (Extrem)linke. Ich zitiere mal Alfred Tetzlaf: “Die sind nicht blöd, die haben einfach nur Pech beim Denken.” Dessen Ausspruch stimmt leider nur teilweise. Er hätte hinzufügen müssen, “verbohrt sind sie auch noch, weil überzeugt davon, dass nur das, was sie denken, richtig ist.”

    Antisemitismus grassiert wieder in Deutschland, und nicht nur von muslimischer Seite aus. Viele Linke hetzen freudig gegen Israel (und gegen Juden), überzeugt davon, dass “ihre” Sache (die der Palästinenser (sic!!)) gerecht sei.

    Ist sie natürlich nicht . . . aber der linke Traum einer marxistischen Welt, die sie mit Hilfe des Islam durchdrücken wollen, ungeachtet der Tatsache, dass stramme Muslime nicht einmal im Traum ein solche Weltordnung unterstützen würden, lässt abweichende Meinungen schlicht nicht zu.

  2. moneypenny sagt:

    Der Grund ist, dass die „Guten“ nicht gut sind, sondern sich nur als solche stilisieren – um dann im Namen des „Guten“ ihre Ressentiments auszuleben…

  1. 17. März 2020

    […] • Weiterlesen • […]