Großes Chaos für Nichts – das lächerliche Hin und Her der Schulschließung in Berlin

Von Jerome Wnuk | Bildungspolitik und Berlin, das ist so eine Sache. Seit dem 15. Dezember. 2020 sind die Schüler in Berlin nun wieder – wie schon im Frühjahr letzten Jahres – im sogenannten „Homeschooling“. Die erste Schulschließung letztes Jahr war noch ein wenig aufregend gewesen. Auf einmal konnte man Ausschlafen und man musste nicht morgens früh in die Schule fahren, wie man es sonst machen musste. Man konnte einfach zu Hause bleiben, mit dem Kühlschrank immer in Reichweite. Doch auch schon damals waren fast allen Schüler die Probleme des „Homeschoolings“ klar.

Jetzt im Winter und der zweiten Schulschließung sind viele und dazu gehöre auch ich, ziemlich genervt davon. Nicht nur, weil man gefühlt nur die Hälfte lernt, von dem was man ansonsten in der Schule lernen würde, was gerade für die Abschlussklassen (10,11,12) fatal ist, sondern auch weil man natürlich die sozialen Kontakte vermisst, die man ansonsten in der Schule hat. Es ist klar, dass die Schüler oft keine große Lust auf Schule haben. Aber wenn man dazu noch weiß, dass man seine Zeit umsonst verschwendet, weil man eh kaum etwas lernt und dazu auf noch der positive Teil weg fällt, dass man seine Freunde treffen kann, landet die Motivation in den Keller. 

Etwas Normalität im Ausnahmezustand 

Dieses Gefühl wird dann noch dadurch verstärkt, dass man im Sommer und im Herbst noch normal zur Schule gehen konnte und damit wenigstens was die Schule betrifft ein wenig Normalität, in diesen Zeiten hatte. Einen geregelten Tagesablauf und einmal am Tag einen Tapetenwechsel tut gut, wenn die Welt um einen herum lahm liegt. Jetzt ist diese Normalität nun auch wieder weg. Und man konnte bzw. musste sich darauf einstellen den Winter, ohne Präsenzunterricht zu durchleben.

Umso größer war die Verwunderung am Mittwochabend, als es hieß, dass hier in Berlin ab Montag wieder Präsenzunterricht für Abschlussklassen stattfinden soll. Das zwar nur im Wechselunterricht, aber immerhin richtiger Präsenzunterricht. Schritt für Schritt sollten dann auch die andern Jahrgangsstufen wieder zur Schule kommen.

Diese Nachricht am Mittwoch war überhaupt nicht voraussehbar gewesen, im Gegenteil. Am Dienstag erklärte der regierende Bürgermeister Berlins Michael Müller sich noch gegen Schulöffnungen aus und stellte sich damit gegen den Hygienebeirat aus Lehrer, Schülern und Wissenschaftlern, die sich am Montag für eine weitgehende Schulöffnung aussprachen. Michael Müller und der Berliner Senat hatten also genau einen Tag später das beschlossen, was sie am Tag davor ausgeschlossen hatten. Der erste Kurswechsel in diesem Hin und Her. Doch das plötzliche Wechseln des Kurses sollte noch weitergehen.

Aber erstmal konnte man sich als Schüler darauf vorbereiten, dass man am Montag wieder zur Schule ginge. Und auch die Schulleiter Berlins erschufen in kürzester Zeit und unter enormen Zeitdruck ein Konzept für die Wiedereröffnung der Schulen. Die Schüler mussten in mehrere Gruppen eingeteilt werden, es mussten neue Stundenpläne gemacht werden und so weiter. Das alles nur dafür, dass am Freitagabend, zur noch größeren Verwunderung, alles wieder abgeblasen wurde. Doch keine Schulöffnung am Montag, sondern weiterhin Homeschooling.

Das Finale des ganzen Chaos um die Schulöffnung.

Ein geniales Beispiel dafür, dass der Senat Berlins keine klare Richtung mehr hat und noch viel klarer, kein Rückgrat hat.

Der Berliner Senat ist bei dem kleinsten Widerstand dann doch eingeknickt.

Doch zwischendurch, also am Donnerstag und Freitagmittag, war sich der Senat doch so sicher. Bildungssenatorin Scheereszeigte sich von dem Widerstand von Schulen und Lehrer sowie von den Unterschriften der Onlinepetition gegen den Präsenzunterricht völlig unbeeindruckt. Noch am Freitag lehnte sie Eilanträge mehrerer Schulen ab. Dann, gut eine Stunde später, war dann doch wieder nichts mit Schulöffnung. Verantwortung für das Öffnen trugen nun die Schulleiter alleine für ihre Schulen. Mit Verantwortung kann der Berliner Senat also nichts anfangen.

Meine Schule hat jetzt bis zu den nächsten Ferien auf alle Fälle zu und natürlich ist diese Entscheidung vertretbar die Schulen nicht zu öffnen, dennoch uns Schülern erst die Hoffnung zu machen, dass die Schule wieder öffnet und den Schulleitern die Mammutsaufgabe zu geben alles zu organisieren, um dann wieder Rückgratlosigkeit zu zeigen und alles wieder zu verwerfen ist ein Desaster des Senates.