Goodbye Deutschland? – das große Apollo Battle

Lesen Sie hier: Das große Debattenduell. Soja-Latte-Pauline und Mistgabel-Jonas steigen wieder in den Ring – nur geht es diesmal nicht um Schafkotze in Thüringen, sondern um Ziegenmilch in den Pyrenäen. Jonas hat das Fernweh gepackt, während Pauline ihrem Assikiez treu bleiben will. Für wen fiebert ihr mit: Team Fernflucht oder Team Heimatliebe? 

ACHTUNG: Dieser Beitrag könnte Spuren von Humor enthalten. Weder spanische Sonnenanbeter noch deutsche Pünktlichkeit-Fanatiker wurden bei der Produktion dieser Kolumne ernsthaft verletzt. Dieser Austausch spiegelt in keiner Weise das Arbeitsklima bei Apollo News wieder, sondern dient schlichtweg Unterhaltungs- und Ausbildungszwecken. Seelsorgerische Unterstützung stand den Autoren zu jeder Zeit zur Verfügung.


Lieber Cocktails am Strand als frieren in Deutschland

Von Jonas Aston | Blaues Meer, wolkenfreier Himmel und jeden Tag strahlende Sonne – für mich wird all das ab Herbst Realität. Ab Ende August werde ich nämlich ein Jahr in Spanien „studieren“, während Pauline in Deutschland versauert. Dann schlürfe ich an spanischen Stränden Cocktails und schicke ihr eine Postkarte, in der ich mein Mitleid bekunde, dass sie das Wasser in ihrem Kreuzberger Assi-Kiez bestenfalls aus dem Duschkopf fließen sieht. Ich fürchte aber selbst das könnte ihr verwehrt bleiben, wenn Strom und Gas im Winter das zeitliche segnen. Pauline kann dann fröhlich die Eiszapfen an der Decke zählen, während sie mit Strickpullover, Jacke und Schal auf das Ende des Lockdowns wartet. Ich sitz dann immernoch mit einem Caipirinha am Strand – Corona wurde in Spanien nämlich abgesagt. Mit dem Virus geht man schon seit Januar um wie mit der gewöhnlichen Grippe. Die Spanier sind einfach nicht so irre, wie die Menschen, die bei uns im Bundestag sitzen, auf Kosten des Steuerzahlers unser Land zu Grunde richten und sich dann auch noch für ihre gute Arbeit auf die Schultern klopfen. Deshalb muss ich sagen: Der Gedanke Deutschland Lebewohl zu sagen, wird für mich immer attraktiver.

Die deutsche Politik ist mir persönlich einfach zu Lebens- und Spaßfeindlich – ich sage nur Stichwort Auto. Einmal falsch geparkt und die deutsche Justiz schlägt knallhart zu. Es dauert keine zehn Minuten und ein Knöllchen klebt unter dem Scheibenwischer. Wenn das Auto bewegt wird, macht der Staat den noch größeren Reibach. Letztens bin ich in eine 50er Zone gefahren und habe einmal den fatalen Fehler gemacht, etwas zu spät abzubremsen – und Zack: Blitzlichtgewitter. Exakt zwei Wochen später flatterte dann Post aus Flensburg ins Haus. Aber Pauline hat das Problem vielleicht bald gar nicht mehr, immerhin ist man in Berlin schon dabei das Auto komplett abzuschaffen. 

Wenn es aber mal nicht darum geht den Bürger abzuzocken, mahlen die Behördenmühlen in Deutschland sehr langsam. Schon einen neuen Personalausweis zu beantragen ist eine Herkulesaufgabe. Die Wartezeit in den Bürgerämtern liegt bei mindestens 2 Stunden. Wenn man dann noch ein Quäntchen Glück hat, ist der Beamte vor dessen Tür man sich angestellt hat auch tatsächlich für die Ausstellung der Ausweise zuständig. Wenn nicht, geht das Spielchen eben von vorne los.

Getoppt werden die Bürgerämter (zumindest bei uns) nur noch von den Kfz-Zulassungsstellen. Dort einen Beamten zu erwischen ist ein regelrechter Wettkampf gegen die Zeit. An 4 von 5 Tagen haben die Zulassungsstellen nur zu unmöglichsten Zeiten geöffnet (meist von 9-12 Uhr). Lediglich an einem Tag in der Woche sind sie etwas länger offen (in der Regel von 9-17 Uhr aber natürlich unterbrochen durch eine großzügige Mittagspause). Dort angekommen heißt es schnell eine Nummer ziehen und hoffen, dass man rechtzeitig aufgerufen wird. Wer bis 5 Uhr noch nicht das Vergnügen mit einem Beamten hatte, hat eben Pech und kann am nächsten Tag… Ähm… ich meine natürlich in der nächsten Woche wieder kommen.

Oft sind es aber auch die kleinen Dinge, Erlebnisse des Alltags, bei denen ich nur denke: „Die arme Pauline“. Neulich habe ich auf einer zweispurigen Autobahn einen LKW mit ungefähr 130 Km/h überholt. Auf einmal preschte von hinten ein 7er BMW an. Der Fahrer blendete 3-mal auf und drückte 10 Sekunden auf die Hupe. Im Rückspiegel sah ich, wie der Mann die Zähne fletschte und mir die Faust entgegenstreckte. Als ich den Überholvorgang dann abschloss, hatte es der Fahrer plötzlich gar nicht eilig. In Zeitlupe fuhr der BMW an mir vorbei. Währenddessen schaute seine Mitfahrerin mich mit dem Todesblick an, um mir klarzumachen, welch furchtbares Verbrechen ich begangen habe. Ich habe nur noch darauf gewartet, dass die Mitfahrerin den Elektrofensterheber betätigt und mir „ANZEIGE IST RAUS!“ entgegenkreischt.

Auch die deutschen Supermärkte sind immer wieder für eine Überraschung gut. Erst gestern habe ich Nudeln, Milch und Brot eingekauft. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang, wäre da nicht die Kassiererin gewesen. Ich legte meine Produkte auf das Band und wartete bis die Kassiererin die Waren scannte. Ich zückte schon mein Portemonnaie, als die Kassiererin fragte: „Sammeln sie Treuepunkte?“. Ich konnte sie akustisch nicht verstehen und fragte nach. „OB SIE TREUEPUNKTE SAMMELN?“, bellte die Kassiererin. Ich verneinte und gab ihr das Geld. Dann sagte ich: „Den Kassenzettel brauche ich ni…“ und schon streckte sie mir den Kassenzettel entgegen und klatschte ihn auf das Metall. Ich brauchte 5 Sekunden um den Kassenzettel in meinem prall gefüllten Portemonnaie (Mit Kassenzetteln, nicht mit Scheinen) zu verstauen, da erklärte mir die Kassiererin, dass ich beim nächsten Mal bitte einen Einkaufswagen benutzen solle, schließlich habe sie noch etwas zu tun.

Ich mache mir wegen solcher Verhaltensweisen Sorgen um Pauline. Wegen irgendwelchen Lappalien rastet in Spanien niemand aus, in Deutschland ist man diesem gesellschaftlichen Klima aber permanent ausgesetzt – und das insbesondere in so verrückten Städten wie Berlin. Dafür möchte ich Pauline mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Aber hey, deine Lage ist nicht ausweglos. Du kannst mich gerne in Spanien besuchen kommen und etwas Kraft für den tristen Alltag in Deutschland tanken – zumindest wenn man bis dahin noch in ein Flugzeug steigen darf.


Lieber deutsche Pünktlichkeit als spanisches Larifari

Von Pauline Schwarz | Ich kann den Jonas ja verstehen, dass er sich nach Sommer, Sonne, Strand und Meer sehnt, statt in seinem kleinen Kaff in Thüringen zu versauern und den ganzen Tag nichts anderes zu machen als Schafe zu zählen. Wenn ich nicht ab und an die Urlaubsflucht nach Süden antreten würde, wäre die Zahl meiner Tobsuchtsanfälle auf einem ganz anderen Level. Denn auch wenn der Jonas immer denkt, dass ich mich im alltäglichen Berliner Wahnsinn pudelwohl fühle: Auch ich könnte beim Lesen der Nachrichten regelmäßig mein Handy an die Wand schmeißen – pro Tag drei neue Handys zu kaufen, kann ich mir aber beim besten Willen nicht leisten, also versuche ich mich zu beherrschen. Und trotzdem: Ich könnte Deutschland nicht dauerhaft den Rücken kehren, denn auch wenn es ein Irrenhaus ist – es ist unser Irrenhaus, unsere Heimat. Und ich bin beim besten Willen nicht bereit den Linken und sonstigen Bekloppten kampflos das Feld zu überlassen. Zumal ich bei längeren Aufenthalten im Ausland die kleinen Freuden der deutschen Lebensart immer wieder aufs Neue zu schätzen lerne.

Das fängt schon bei unserer Infrastruktur an – die ist im Gegensatz zu der spanischen Pampa, die Jonas bald seine Heimat nennt, in Deutschland nämlich noch weitgehend vorhanden. Solange der Deutsche sich selbst noch nicht vollständig zum Lastenradfahrer oder Esel-To-Go Nutzer degradiert hat, legt er nämlich noch Wert auf asphaltierte, weitgehend sichere Straßen – da sind andere Länder nicht ganz so streng. Ich weiß ja nicht, wie viel du schon rumgekommen bist Jonas, aber hast du schonmal probiert mit 130 Sachen über eine spanische Landstraße zu brettern? Da landest du schneller im Straßengraben, als du „Achtung, Ziege!“ rufen kannst. Und selbst wenn´s dich dank der großen Steinbrocken, unbefestigten Straßen und ungesicherten, unbeleuchteten Kurven nicht gleich den Abhang runter jagt – dann kannst du trotzdem alle drei Tage deine Autoreifen wechseln. Die vielen deutschen Knöllchen kommen einem dann wahrscheinlich schnell wie ein richtiges Schnäppchen vor.

Und apropos Auto und Behörden: Ich teile dein Leid im deutschen Bürokratie-Staat, aber die Spanier sind in Punkto Wartezeit keinen Deut besser. Von so etwas wie Verlässlichkeit ganz zu schweigen. Wenn du in Spanien versuchst ein Auto zu mieten, kannst du schon froh sein, wenn es sowas wie geregelte Öffnungszeiten im Laden gibt – sollte dann zur besagten Zeit am besagten Ort tatsächlich ein Mensch auf dich warten, ist das wie ein Fünfer im Lotto. Mit einem Spanier ein Termin auszumachen läuft nämlich so: „Wir treffen uns Mittags“. Mittags ist dann so ein Zeitraum von drei bis fünf Stunden, in denen du dir im Zweifelsfall die Beine in den Bauch stehen darfst – und dann ist die spanische Sonne ganz schnell keine Wonne mehr, sondern eher eine nicht enden wollende Qual. Ich bin schon ein paar Mal in meinem Leben vor einer Autovermietung verschmorrt und habe sehnsüchtig der deutschen Pünktlichkeit und Vertragstreue hinterhergeschmachtet.

Trotzdem hat Jonas schon recht: Die Deutschen sind und bleiben dafür alte Miesepeter und Meckertanten – aber ganz ehrlich, manchmal ist mir das lieber, als wenn einem z.B. ein Amerikaner mit einem breiten Grinsen ein „You´re such an amazing Person“ entgegenhaucht, obwohl er dich eigentlich komplett scheiße findet. Außerdem schätze ich es sehr, dass die Deutschen ab und an auch einfach mal ihren Mund halten können – die Spanier reden ohne unterlass und in einer ganz anderen Lautstärke, als es empfindsame deutsche Öhrchen gewohnt sind. Hoffentlich braucht der Jonas, wenn er doch noch in sein kleines Dorf zurückkehren sollte, deshalb in Zukunft kein Hörgerät, um das Blöcken von Schafen und das Gackern von Hühnern noch unterscheiden zu können.

Also: Ja, die Deutschen sind ziemlich irre und haben anscheinend vor, ihren ganzen Wahnsinn auch künftig noch weiter auszubauen, aber wir haben trotzdem noch ein paar sehr schätzenswerte Eigenschaften – und die gilt es doch wohl zu bewahren! Ich mag die deutsche Tüchtigkeit, die Verbindlichkeit, die ruppige, aber in diesem Punkt ehrliche Art und unsere Qualitätsstandards – genauso sehr, wie ich die unendliche Bürokratie, das Duckmäusertum und den Hang zur Hörigkeit hasse. Aber wer soll denn noch dafür sorgen, dass unser Land irgendwann wieder etwas zur Vernunft kommt, wenn die ganzen guten Leute, wie der Jonas, fluchtartig ihre Heimat verlassen? Für mich steht fest: Ich bleibe und werde versuchen mich, solange es irgendwie geht, dem ganzen Wahnsinn nicht zu beugen – und das selbst in Berlin.

4 Antworten

  1. Wolfgang Schwarzbach sagt:

    Jonas Sicht der Dinge gefällt, die der P. Rieke eher nicht: Berlin ist nämlich nicht Deutschland! Diese Ewige negative Grundstimmung, die Annahme das Bln. der Nabel der Welt ist. Bln. ist ein Dorf, seine „Berliner“ sind Mindergebildete und durch Jahrzehnte alimentierte doofe „nicht-mehr-Deutsche“, sondern halt BERLINER!

  2. Thomas Behrendt sagt:

    Warum wollen eigentlich vernünftige Menschen überlegen auszuwandern anstatt zu überlegen wie wir die Idioten in der Regierung in die Wüste schicken ?

  3. Peter H. sagt:

    Hat Meister Jonas nicht die letzten X Battles die Vorzüge seiner Heimat gepriesen? Und nun dieser Stimmungswandel? Erfreulich wäre es in jedem Fall, wenn Herr Aston auch in der Fremde für Apollo (+ TE) weiterhin so glänzende Texte schreibt!

  4. Kara Brandt sagt:

    Wenn man mal eine Weile Deutschland verlassen hat, dann fallen einen die Kleinigkeiten auf, die man aus der Heimat vermisst. Vorallem Brot! Gutes, deutsches Brot. Auch die Qualität des Fleisches, absolut kein Vergleich! Da kann Spanien einpacken!

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