Klopapier, Nazi-Antifa und liberale Sozialisten: Das waren die größten Corona-Überraschungen

Von Pauline Schwarz | Vor Corona grüßte in Deutschland täglich das immer gleiche Murmeltier: Um das schändliche Automobil zu verdrängen, wurden unsere Straßen zielstrebig in vollgemüllte Fußgängerzonen verwandelt, Parkplätze wurden zu Hunderten Opfer von riesigen Blumenkübeln oder Parklets, die wirklich niemanden, außer Obdachlose und Säufer, zum Verweilen einladen. Jeden Freitag hüpften irgendwo ein paar Kinder – oder als Kinder getarnte Antifas – durch die Gegend und blockierten Rettungszufahrten, um das Klima zu schützen. Derweil gab sich unsere Bundesregierung Mühe, unsere Steuergelder für möglichst kreative Projekte zu verprassen, Kriminalität wegzudiskutieren, die Wirtschaft zu destabilisieren und unseren Wohlfahrtsstaat auch noch für den letzten Winkel der Erde zu öffnen. Bei all dem gab es nur Gut gegen Böse und links gegen rechts. Die Fronten standen fest. Doch dann kam Corona und es gab plötzlich einen neuen Spieler im Feld.

Dass dank des neuen Virus bald nichts mehr sein würde, wie es einmal war, wurde im Frühjahr 2020 das erste Mal spürbar. Die Welt war geschockt von den Bildern aus chinesischen Quarantäne-Camps, den Seuchenschutzanzügen und den in Gänze gnadenlosen Maßnahmen des chinesischen Regimes. Damals tönten unsere Politiker noch: „So was wird es in Deutschland nicht geben, wir sind eine Demokratie“. Aber, Überraschung! Wenige Zeit später saßen wir alle im ersten Lockdown und starrten frustriert unsere Wände an. Das war der erste große Schock, auf den wenig später der zweite folgen sollte: die große Klopapier-Krise von 2020. Die Deutschen strömten in die Supermärkte und kauften wie Berserker in der Hygiene-Abteilung alle Regale leer. Man kannte weder Freund noch Feind, nur noch den Run auf das Klopapier-Regal. Es gab Diebstähle, Schlägereien und Tränen um die letzten Rollen des weißen Heilsbringers. Denn der Deutsche fürchtet anscheinend nichts mehr als ohne Papier auf dem Pott zu sitzen. Ich wusste ja, dass uns eine Neigung zu Ordnung und Sauberkeit nachgesagt wird – aber diese spezielle Vorliebe hat mich doch überrascht.

Die große Klopapier-Krise 2020 und die rechten Globulis 

Seit den fast zwei Jahren Corona-Deutschland musste ich aber nicht nur unser Verhältnis zu Klopapier, sondern auch insgesamt so einiges überdenken. Zuletzt musste ich mir sogar eingestehen, dass ich ein völlig falsches Bild von meiner Kindheit und Herkunft hatte. Ich habe immer gedacht, dass ich mit Berlin-Kreuzberg aus einem links-grünen-öko-anarcho Milieu stamme – aber diesen Glauben hat mir der ÖRR mit seiner Berichterstattung über die Corona-Demos jäh zerstört. All die Bio-Workshops, die Atemseminare und all die Traumreisen, aus denen mich nur der zarte Ton der Klangschale meiner Yoga-Pädagogin wecken konnte. Ja sogar jedes Kügelchen Globuli – alles Schwindel! Das war nicht links. Ich stamme aus einem rechten Sumpf! Einem Sumpf, aus dem mit Trommeln, Peace-Schildern und Regenbogenflaggen bewaffnete Moormonster seit Monaten zu Hunderten oder sogar Tausenden ihren Unmut auf die Straßen tragen. Solche Menschen können nur Rechte sein und zwar alle, das sagt die ARD und wenn die das sagt, muss das schließlich stimmen.

Heute ist sogar Sarah Wagenknecht, eine der wohl bekanntesten Vertreterinnen der Links-Partei, eine rechte Hetzerin – die Frau, die mein altlinker Vater immer für ihren glühenden Wirtschaftssozialismus anhimmelte.

Den Mainstream-Medien sei Dank, weiß ich nun, dass meine Ansichten falsch sind. Rechts war für mich vor kurzem noch so ungefähr jeder, der kein Stalin-, Mao- oder Pol Pot-Poster über seinem Bett hängen hat. Jeder, der nicht von Anarchismus, dem Multikulti-Öko-Staat, der Kommune eins und umfassender Planwirtschaft träumt. Aber ne ne, nicht mit Corona! Labortür auf, Virus raus und schon steht die Welt Kopf. Heute ist sogar Sarah Wagenknecht, eine der wohl bekanntesten Vertreterinnen der Links-Partei, eine rechte Hetzerin – die Frau, die mein altlinker Vater immer für ihren glühenden Wirtschaftssozialismus anhimmelte. Die beiden ereilte dank Corona das gleiche Schicksal: Die alten Sozikumpels bezeichnen sie plötzlich als Schwurbler und Querdenker. Die Diskussion um die staatlich verordnete Spritze hat selbst die härteste linke Front gespalten.

Das das so schnell gehen würde, Frau Wagenknecht mal als Rechte gelten und mir durch ihren Starrsinn sogar richtig sympathisch erscheinen könnte, hätte ich bis vor Corona nicht für möglich gehalten. Genauso wenig hätte ich geglaubt, dass es der FDP möglich seien könnte, ihren „Ruf“, eine liberale freiheitliche Partei zu sein, noch mehr zu ruinieren. Für mich hat die FDP ihre Unwählbarkeit schon lange durch ihre Transgender-Politik in Bezug auf psychisch schwer angeschlagene Kinder bewiesen – von der „No Border, No Nation“- und „Legalize it“-Fraktion mal ganz abgesehen. Jetzt hat die FDP aber noch mal einen drauf gesetzt und durch ihre Corona-Politik wirklich jedem noch so oberflächlich politisch Interessiertem gezeigt, wofür sie wirklich steht: Ein fehlendes Rückgrat, keine Prinzipien und Mitläufertum. Selbst einzelne Persönlichkeiten, wie Herr Kubicki, für die ich noch etwas Hoffnung hatte, haben in der Abstimmung zur Impfpflicht ihr wahres Gesicht gezeigt.

Die Nazi-Antifa – der ÖRR-Schreck

Wohl am meisten überrascht war ich aber erst kürzlich und zwar über mich selbst. Ich habe mir im Internet einige Videos zu den Montagsspaziergängern in Berlin angeschaut und mich plötzlich wie ein gehässiger Schneekönig gefreut, als ich einen Antifanten mit Musikbox, Antirassismus-Banner und großer Antifa-Flagge unter den ganzen „Querdenkern“ entdeckte. Nie, wirklich nie, hätte ich es für möglich gehalten mich mal über die Antifa zu freuen – einen Verein, den ich normalerweise voller Leidenschaft verachte. Für alles, wofür sie stehen und was sie tun. Aber da mittendrin zwischen all den angeblichen Nazis? Genial. Das wird jedem Journalisten seine Arbeit erschweren, der über den rechten Marsch berichten will. Und davon abgesehen: Die Antifa muss einen Gegenprotest gegen die Antifa organisieren – reinste Satire.

Wenn uns das Corona-Virus nach all dem nun so langsam wirklich „verlassen“ sollte und die Maßnahmen nicht mehr über unser aller Leben bestimmen, werde ich es vielleicht sogar ein gaaanz kleines bisschen vermissen – für all die Spannung und Aufregung, nie zu wissen, was als nächstes kommt. Doch bis die Pandemie dann schließlich für vorbei erklärt wird, lauern bestimmt noch einige Überraschungen auf uns. Alles ist möglich: Wer weiß, vielleicht sehen wir Herrn Lauterbach eines Tages sogar neben Söder auf dem Rednerpult einer Corona-Demo.

3 Antworten

  1. Cookie Monster sagt:

    Wer hätte das gedacht? Die Antifa bettelt um den nächsten Lockdown und beschimpft Maskenverweigerer, seit an seit mit Polizisten in Kampfuniform. Vielleicht sollte man denen mal alte Videos von den Mai-Krawallen in Kreuzberg zeigen, so als Orientierungshilfe. Die armen Kinder scheinen ja ganz durcheinander zu sein!

  2. Alex M. sagt:

    Liebe Pauline Schwarz, Sie sind die Beste! Ich habe seit langem keinen Bock mehr mir irgendwelchen Coronakrams durchzulesen (lapidar ausgedrückt). Deswegen sind wir auch ausgewandert. Naja, und weil ich für mein Kind eine echte Zukunft will. Aber dann lese ich Ihre Artikel und denke : „Hey, D. hat doch eine Zukunft. Vielleicht kann mein Sohn tatsächlich mal in sein Geburtslanfd zurückkehren.“ Dafür danke! Alex M.

  3. moneypenny sagt:

    Meine größte Überraschung war, dass ich mich fast überall im Ausland freier fühlte als in Deutschland.