Gibt die Bento Merkel jetzt zum Abschuss frei?

Von Elisa David | Am Mittwoch hielt Merkel eine Abschlussrede für den 268. Jahrgang der amerikanischen Elite-Universität Harvard. Eine vielbeachtete Rede, über die auch die Bento berichtete. Laut dem Jugendformat der Zeitung Spiegel, sollte man sich diese Rede anschauen, wenn man wissen will, „wie es aussieht, wenn deutsche Politiker die Jugend für die Zukunft begeistern“. Unsere geliebte Kanzlerin habe den Absolventen „in Steve-Jobs-Manier insgesamt sechs Tipps für die Zukunft“ gegeben, die wir uns als brave Gutmenschen wohl alle ins Kissen sticken sollten. Es war eine „Sternstunde“, ein „historisches Ereignis“ wenn man so will und während die neue CDU-Chefin AKK vergangene Woche gleich mehrere Fehltritte hinlegte, soll Mutti „von ihrer Nachfolgerin an der CDU-Spitze inzwischen so genervt sein“, dass sie wohl angeblich schon mit dem Gedanken spielt, bis 2021 weiter zu regieren. Es sei demnach kein Wunder, dass viele sich fragen: „Kann sie nicht noch ein bisschen länger bleiben?“

Das einzige was ihr historisches Meisterwerk bei mir ausgelöst hat, war Fremdscham und den Wunsch, dass sie so schnell wie möglich Geschichte ist. Und wo wir schon dabei sind, den verstorbenen Mitbegründer und langjährigen CEO von Apple mit Merkel in Zusammenhang zu bringen – Steve Jobs, der du bist im Himmel, bitte lass Englischkenntnisse regnen. Denn die Rede war doch einfach nur peinlich. Wenn ich eine Sprache nicht beherrsche, dann spreche ich sie nicht – vor allem nicht, wenn ich als hochrangiger Politiker ein ganzes Land vertrete und neben mir eine Übersetzerin steht. Auch der deutsche Teil der Rede war nicht viel besser, aber der wurde schon oft genug analysiert – zurück zum Bento-Artikel.

Der stimmt mir zwar offensichtlich nicht bei der Ansicht zu, dass die Rede absolut nichts Begeisterndes an sich hatte, aber überraschenderweise bei dem Wunsch, Merkel endlich abzulösen. Denn um „gute Reden“ zu halten und auf Feiern aufzutreten, müsse sie keine Kanzlerin sein, dass kann sie auch so, schließlich sei sie „die auf Zeit gewählte Chefin der Bundesregierung und nicht die Queen.“ Die Bento befürchtet, dass Merkel durch das Besetzen des Kanzleramtes nicht nur die Stabilität, sondern auch ihre Nachfolge lähmt. Das verhindere den Aufbruch, den sich viele Deutsche, vor allem die Jüngeren, jetzt wünschen. Ein „Weiter so“ ist jetzt nicht mehr gefragt, auch wenn einem „die Demokratie heilig ist“ und vor allem, wenn man „den Rechtsruck der vergangen Jahre“ beängstigend findet – „Merkel muss weg.“

Auch wenn ich die Ansicht teile, dass Muttis Zeit gekommen ist, muss ich mich fragen, wie Bento sich das vorstellt. Die Anspielung auf den Wunsch der jungen Menschen und den Rechtsruck, den man heutzutage nicht mehr unerwähnt lassen darf, sollen doch den Blick nach links richten, wo die Grünen sich bei der letzten Europawahl ausgesprochener Beliebtheit erfreuten – vor allem bei der jüngeren Generation. Ist es jetzt Zeit für einen grünen Kanzler? Und soll Merkel jetzt dafür den Thron räumen? Die Bento würde bei diesem Wunsch dem Ruf des Investors George Soros folgen, der vor vier Monaten von der “Welt” zitiert wurde. Er habe kein Vertrauen mehr in die regierende Partei Deutschlands, die Allianz zwischen CDU und CSU sieht er zerrüttet. Seine einzige Hoffnung für Deutschland sind die Grünen, denn die haben sich als einzige „konsequent pro-europäische Partei des Landes“ ausgezeichnet.

Aber zu welchem Preis? Ist Merkel jetzt zum Abschuss freigegeben worden? Ehrlich gesagt macht mir die Aussage „auch wenn einem die Demokratie heilig ist“ schon Sorgen. Auch die Äußerung, dass es nicht gut für unser Land sei, wenn man nur darauf aus ist, „Stabilität zu gewährleisten“ und „ohne Streit und Aufregung“ zu regieren, klingt nicht sonderlich friedfertig. Und wie es mich auch schmerzt das zu sagen – sollte sie bis 2021 nicht sowieso weiter regieren, wurde sie bis dahin nicht gewählt? Was haben die denn mit ihr vor? Bereitet die Bento uns schonmal auf das vor, was noch kommt, wenn Deutschland endgültig grün ist und die Stabilität und der Frieden unwiderruflich über Bord geworfen wurde? Ich frage mich zwar sowieso, wann einer unserer Elite-Politiker das letzte Mal auf Stabilität aus war, von Frieden ganz zu schweigen. Denn das jüngste Beispiel liegt doch gerade vor – unsere Bundeskanzlerin, die nach Amerika reist, um dort dem amerikanischen Präsidenten „eine Lektion zu erteilen“. Die Beziehung zu den USA dürfte dadurch nicht besser geworden sein.

Wozu es führen kann, wenn seit fast 14 Jahren die gleiche Person den Kanzlerstuhl anwärmt, lässt sich ,laut Bento, ebenfalls an Harvard erkennen. Denn die Universität lobte Merkel wohl vorrangig für drei Dinge, die in ihrer Regierungszeit erreicht wurden und das sind der Mindestlohn, der Atomausstieg und die Ehe für alle. Aber praktisch jede dieser „Errungenschaften“ sind nicht wegen, sondern trotz Merkel erreicht worden, betont die Zeitung. Das zeigt, was passiert wenn Politiker „jahrelang keinen spontanen Widerspruch gewohnt sind“, wir brauchen den „politischen Streit“ damit unsere Gesellschaft sich weiter entwickeln kann und gegen „Antidemokraten, Rechtspopulisten und Extremisten“ vorgehen kann. Es ist deshalb wichtig, dass Merkel abgesetzt wird, bevor „hinter den Kulissen die Nachfolge geregelt“ ist. Man soll der CDU also gar keine Chance geben, sich neu zu formieren. Denn die Angst, dass jemand wie AKK oder Friedrich Merz an die Macht kommt und den Fortschritt hemmt, lähmt angeblich unsere Gesellschaft nur unsinnig, wenn doch die Sonnenblumenpartei gerade so richtig aufblüht. In zwei Jahren kann sich noch vieles ändern. So wie der Hype um die Flüchtlingskrise abgeklungen ist, kann man auch nicht ewig panisch sein. Wenn die Selfies von den Freitagsdemos nicht mehr so oft geteilt werden und Greta sich wieder eingekriegt hat, dann müssen auch die Grünen zurück auf die Wiese von der sie gekommen sind. Da wäre es schon besser die Gelegenheit zu ergreifen, solange sie sich bietet – auch wenn einem „die Demokratie heilig“ ist, was auch immer das nun bedeuten soll.

3 Antworten

  1. Raubtierkapitalist sagt:

    Hätte man auch gut auf KiKa oder Nickelodeon streamen können.